Warum Mietwagen für Urlauber im Sommer 2021 deutlich teurer werden

  • Millionen Deutsche freuen sich auf den Sommerurlaub – doch der könnte teuer werden.
  • Vor allem die Preise für Mietwagen schießen an beliebten Reisezielen in die Höhe, auf Mallorca werden die Wagen schon knapp.
  • Das hat auch mit der Corona-Krise zu tun.
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900 Euro pro Woche: So schnell ist mit manch einem Urlaubsflitzer auf Mallorca ein großer Teil des Urlaubsgeldes weg. Das Rennen um die Mietwagen treibt die Preise rasant in die Höhe. Konnten Touristen Anfang Mai noch für 370 Euro mit einem Fiat 500 zwei Wochen lang über die Insel fahren, müssten sie nun bereits 990 Euro dafür bezahlen, berichtet die „Mallorca Zeitung“. Tendenz: steigend.

„Mallorca ist gerade aktueller Spitzenreiter an Preissteigerungen“, erklärt Frieder Bechtel von der Plattform billiger-mietwagen.de gegenüber dem RedaktionsNetzwerk Deutschland. „Auf anderen beliebten Inseln wie Korsika, Sardinien, Kreta, Ibiza und den kanarischen Inseln rechnen wir mit ähnlichen Entwicklungen.“ Sobald an einem Urlaubsort die Einreise möglich wird, stiegen die Preise.

Sixt: „Werden so hoch gehen, wie es uns der Markt erlaubt“

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Auch die Europcar Mobility Group erklärte gegenüber der Deutschen Presse-Agentur, dass im Falle einer wachsenden Nachfrage gegen Sommer „durchaus mit höheren Preisen zu rechnen sei“. Allerdings halten sich Vermieter bedeckt darüber, wie teuer der Fahrspaß im Sommerurlaub konkret werden könnte. Autovermieter Erich Sixt sagte nur so viel: „Wir werden so hoch gehen, wie es uns der Markt erlaubt und was wir den Kunden gegenüber verantworten können.“

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Der Hauptgrund für die Preisentwicklung klingt zunächst simpel: Angebot und Nachfrage. Wer im Urlaub ein Auto mietet, ist mobil, flexibel und kann gleichzeitig Kontakte zu anderen minimieren. Bei einer Umfrage des Marktforschungsunternehmens YouGov gaben 65 Prozent der Befragen an, beim Urlaub 2021 auf den Pkw zu setzen. Die Aussicht auf Reisen schiebt auch die Nachfrage nach Mietwagen an: So stiegen die Buchungszahlen bei billiger-mietwagen.de im April um das Dreifache auf über 10.000 Mietwagentage an.

Dem gestiegenen Interesse stehen zugleich deutlich weniger verfügbare Leihautos gegenüber. Laut eines Berichts der „Frankfurter Rundschau“ schätzen Fachleute, dass branchenweit rund ein Drittel der Vermietflotten infolge der Pandemie reduziert wurden. Und so kurvten jüngst zahlreiche Hawaii-Touristen mit einem Umzugs-Lkw an den Strand, weil sie bei den Verleihstationen am Flughafen leer ausgegangen waren.

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Pandemie zwingt viele Anbieter zu hartem Sparkurs

Doch hinter dem Wagenmangel steckt ein vielschichtigeres Problem: Die Pandemie bedeutete für die Autovermieter monatelang Stillstand – und zwang viele dazu, einen harten Sparkurs einzuschlagen. Bereits Ende Mai 2020 meldete Hertz in den USA Insolvenz an, nachdem bereits 20.000 Stellen in Nordamerika gestrichen wurden. Sixt reduzierte seine Flotte im vergangenen Jahr von 150.000 auf 100.000 Fahrzeuge.

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Die Corona-Infektionszahlen in Europa sinken, die Vorfreude auf den Sommerurlaub steigt.  © dpa

Zu Beginn eines jeden Jahres stocken Vermieter normalerweise ihre Flotten auf. Nur war im Januar und Februar 2021 an Reisen kaum zu denken, sodass sich die ohnehin schon krisengebeutelten Anbieter zurückhielten. Jetzt fahren viele Urlaubsländer zwar den Tourismus wieder hoch, doch die Vermieter können nicht im Eiltempo massenweise Neuwagen beschaffen. Denn bei vielen Fahrzeugherstellern lässt ein Lieferengpass bei Halbleitern die Produktion stocken.

Was das für Touristen bedeutet, erklärt Frieder Bechtel von Billiger Mietwagen: „In den beliebten Urlaubsregionen wird in Kürze für bestimmte Buchungszeiträume wie Pfingsten, das lange Fronleichnamswochenende und zur Sommerferienballung Ende Juli bis Anfang August gar kein Mietwagen mehr verfügbar sein.“ Wer zu spät kommt und kein Auto mehr erwischt oder schlichtweg keine Wucherpreise zahlen möchte, sollte weniger beliebte Ziele ansteuern.

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Gegen den Trend: Mietwagen in der Türkei günstiger

In den Küstenorten auf dem spanischen Festland lägen laut Bechtel die Preise für Mietwagen noch auf dem Vorjahresniveau. Auch in Südfrankreich, an der italienischen Küste, in Portugal oder Griechenland seien Leihautos bisher noch vergleichsweise günstig. In der Türkei koste ein Mietwagen derzeit sogar 30 Prozent weniger als vor der Pandemie. Dies werde sich aber vermutlich ändern, sobald die Einreise leichter möglich wird und die Nachfrage steigt.

Zudem rät Bechtel dazu, schon bei Onlinebuchung auf die Versicherung und, wenn nötig, die Zusatzfahreroption zu achten. Wird beides erst bei der Abholung dazugebucht, sei das immer teurer als bei Vorausbuchung. Bei der Abholung sollten Reisende keine Zusatzversicherungen akzeptieren, auch wenn sie vehement angeboten werden. Bechtel: „Die sind fast immer überflüssig und/oder doppelt, weil schon vorgebucht.“

RND/cs

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