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Söder fordert Skiurlaub-Verbot in Europa über Weihnachten und Silvester - heftige Kritik

  • Italien will, dass ganz Europa seine Pisten bis Mitte Januar schließt.
  • In Deutschland findet der Vorstoß ein geteiltes Echo. Bayerns Ministerpräsident Söder unterstützt ein Verbot, der Tourismus-Beauftragte ist dagegen.
  • Auch in der Schweiz ist der Widerstand groß.
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Berlin/München. Ein Skiurlaub über Weihnachten und Silvester - wird das im Corona-Jahr 2020 möglich sein? Geht es nach Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU), dann ist dem nicht so: Er forderte, die Skigebiete europaweit dicht zu machen. “Wenn wir Grenzen offen halten wollen, brauchen wir auch eine klare Übereinkunft, was das Skifahren betrifft. Ansonsten wird es eine schwierige Entwicklung”, sagte er am Dienstag in München. “Mir wäre lieber, wir würden ein einheitliches Übereinkommen auf europäischer Ebene haben: keine Skilifte offen überall beziehungsweise kein Urlaub überall.”

Söder reagierte mit seiner Aussage auf einen Vorstoß aus Italien: Die Regierung fordert laut der Tageszeitung „La Repubblica“, dass alle Skigebiete in Europa bis mindestens 10. Januar geschlossen bleiben - bis die Weihnachts- oder Winterferien vorbei sind.

Tourismus-Beauftragter der Bundesregierung vertraut auf Sicherheitskonzepte

Andere Töne sind aus Berlin zu vernehmen. Der Tourismusbeauftragte der Bundesregierung, Thomas Bareiß, sieht ein generelles Verbot der Ski-Saison kritisch. Der CDU-Politiker sagte der Deutschen Presse-Agentur am Mittwoch: „Sicherheit geht auch im Winter vor. Aber ich bin davon überzeugt, dass Skifahren in einem gewissen Umfang und unter klaren Kriterien wie zum Beispiel einer maximal erlaubten Anzahl von täglichen Skipässen ohne Probleme möglich ist. Wir sollten Dinge möglich machen, wo man Sicherheit schaffen kann. Ein generelles Verbot halte ich für falsch.“

Neben dem nachvollziehbaren Wunsch vieler Menschen, mal raus zu kommen, sei die Skisaison auch für viele Regionen Deutschlands ein wichtiger Wirtschaftsfaktor, sagte der Parlamentarische Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium.

Auch andernorts stößt Söders Zustimmung auf Kritik. Der Verband Deutscher Seilbahnen und Schlepplifte betonte zwar am Mittwoch, man wolle vor einer Stellungnahme die Beschlüsse der Ministerpräsidentenkonferenz abwarten. „Aber dieser Wunsch gefällt uns natürlich nicht“, sagte eine Sprecherin. „Unser Hygienekonzept hat sich im Sommer bewährt, die Voraussetzungen sind an sich gut und wir stehen jetzt in den Startlöchern.“

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Forderung nach Schließung von Skigebieten stößt auf Kritik
1:03 min
Die Forderung von Ministerpräsident Söder, Skigebiete europaweit über Weihnachten und Neujahr geschlossen zu lassen, stößt auf viel Widerspruch.  © dpa

Bayerische Wintersportregionen kritisieren Söder

Tourismusvertreter aus bayerischen Wintersport-Regionen betonten, die Weihnachtsferien gehörten trotz Schneemangels in den vergangenen Jahren zu den wichtigsten Zeiten der Saison. „Für den Tourismus hätte eine Schließung fatale Folgen“, sagte der Tourismusdirektor der Gemeinde Bad Hindelang im Allgäu, Maximilian Hillmeier. „Wintertourismus ohne Bergbahnen funktioniert nicht.“

Der Wintersport sei fürs Allgäu „elementar“, betonte auch ein Sprecher der Bergbahnen in Oberstdorf und Kleinwalsertal. Bei einer Schließung über die Weihnachtsfeiertag drohten Umsatzeinbußen von bis zu 20 Prozent. Eine Schließung treffe noch einmal genau die Betriebe, die ohnehin schon unter dem „Lockdown light“ litten, sagte Susanne Wagner, Tourismusreferentin des Landkreises Regen im Bayerischen Wald. „Für uns ist das in der Region ein enormer Wirtschaftsfaktor, eine Schließung wäre ein großer Schlag.“

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Schweiz: „Italien hat im Sommer die Strände auch nicht geschlossen“

Die gesamte Reise-, Tourismus- und Veranstaltungsbranche sei wirtschaftlich an einer Belastungsgrenze angekommen, so Bareiß. „Weitere Lockdown-Maßnahmen und Finanzhilfen müssen Hand in Hand gehen. Es wird eine finanzielle Herausforderung, aber die Menschen können sich drauf verlassen, wir lassen niemanden im Regen stehen.“ Bund und Länder wollen den Teil-Lockdown in Deutschland voraussichtlich bis kurz vor Weihnachten verlängern. Der Bund plant weitere Finanzhilfen.

Empörung über den italienischen Vorschlag gibt es vor allem in der Schweiz. „Italien hat im Sommer ja auch nicht die Strände geschlossen“, sagte etwa Nicolo Paganini, Präsident des Schweizer Tourismus-Verbands, zum Magazin „20 Minuten“. Im Gegensatz zur Schweiz, die im Winter Hochsaison hat, dominiert in Italien trotz der Alpenlage der Sommerurlaub.

Seilbahn-Direktor aus der Schweiz: „Es wird kein Alpenabkommen geben“

Paganini lehnt eine gemeinsame europäische Lösung ab. Italiener könnten „selber beurteilen, ob die Schweiz als Ferienland für sie sicher ist“, sagte er mit Verweis auf die Schutzkonzepte in Hotellerie und Tourismus. „Es wird kein Alpenabkommen oder ähnliches geben“, beruhigt hingegen Berno Stoffel, Direktor der Seilbahnen Schweiz.

Auch Österreich wehrt sich weiter gegen eine europaweite Schließung der Skigebiete. Tourismusministerin Elisabeth Köstinger sagte den Zeitungen der Funke Mediengruppe am Mittwoch: „Ich kann den Vorstößen nach der Schließung von Skigebieten über Weihnachten nichts abgewinnen.“ Winterurlaub in Österreich werde sicher sein: „Unsere Betriebe haben bereits umfassende Sicherheitskonzepte für den Skiurlaub.“

Trotz Corona: Skigebiete in der Schweiz, in Frankreich und in Skandinavien geöffnet

Derzeit sind vor allem in Italien, Österreich und Deutschland die meisten Skigebiete wegen hoher Covid-19-Infektionszahlen geschlossen, alle drei Länder befinden sich im Lockdown oder Teil-Lockdown. Deutschland hat ganz Italien sowie fast ganz Österreich auch als Risikogebiete eingestuft.

In der Schweiz, in Frankreich und in Skandinavien sind die Skigebiete derzeit generell geöffnet. Allerdings hat das Robert-Koch-Institut die Schweiz, Frankreich, Schweden sowie Teile Norwegens und Finnlands als Corona-Risikogebiet eingestuft, es gibt eine Reisewarnung des Auswärtigen Amtes. Wer derzeit in der Schweiz oder in Frankreich Urlaub macht, muss nach der Rückkehr nach Deutschland in zehntägige Quarantäne. Von der Quarantänepflicht ausgenommen sind Menschen, die in Nordrhein-Westfalen leben.

RND/msk/dpa

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