So kämpfen Europas Urlaubsinseln jetzt um Touristen

  • Die Inseln im Mittelmeer wollen endlich wieder mit dem Tourismus durchstarten.
  • Nachdem monatelang ein Großteil der Einnahmen wegblieb, kämpfen sie jetzt umso härter um die Urlauber.
  • Es geht um den Impffortschritt und teils umstrittene Initiativen, um Touristen anzulocken.
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Eine coronafreie Mittelmeerinsel für unbeschwerte Urlaubstage im Sommer: Mit diesem Angebot wollen Hotels, Restaurants und Politiker aus vielen südeuropäischen Ländern endlich wieder Touristen an ihre Strände und Hotelbars locken. Der Wettkampf der Inseln ist voll entbrannt. Vieles dreht sich um die Frage, wer seine Bewohner am schnellsten geimpft bekommt.

In der Tourismusbranche gibt es zudem Überlegungen, Angestellte in Urlaubshochburgen priorisiert zu impfen. Dieses Vorgehen stößt bei der griechische Regierung auf Zustimmung. Sie kämpft schon lange darum, die diesjährige Urlaubssaison zu ermöglichen. So war Premier Kyriakos Mitsotakis unter den Ersten, die einen einheitlichen EU-Impfpass forderten. Mittlerweile hat das Land die Quarantänepflicht für Urlauber aufgehoben, sodass die Einreise mit einem negativen PCR-Test oder einer voll abgeschlossenen Impfung wieder möglich ist.

Doch um noch mehr Reisende anzulocken, hat Athen bereits im April eine Impfkampagne speziell für rund 70 kleinere Inseln veranlasst: Alle Bewohner unabhängig vom Alter etwa von Samos, Naxos, Rhodos, Skopelos, Kos und Korfu können sich gleichzeitig impfen lassen. Die Eilande sollen bis Mitte Mai quasi coronafrei sein. Wenn auch nicht alle, so lassen sich doch viele Einwohner spritzen – nicht zuletzt, weil sie vom Tourismus leben. Kreta mit rund 630.000 Einwohnern gehört nicht dazu.

Spanien: Initiative des Hotelierverbandes zur Impfpriorisierung zurückgewiesen

Obwohl Mallorca wieder zahlreiche Urlauber empfängt, befürchten Hoteliers, Gastronomen und Händler, dass die liebste Insel der Deutschen im Wettstreit gegen Kreta, die Türkei, Kroatien und andere den Kürzeren ziehen könnte. Der Grund: Die linken Regierungen in Palma und in Madrid mögen bisher bei der Impfstrategie die Nöte der Tourismusbranche nicht ins Zentrum stellen. So hatte Mallorcas Hotelverband Fehm die schnellstmögliche Impfung von Kellnern, Putzkräften, Rezeptionisten und anderen im Tourismus tätige Personen vorgeschlagen, berichtet das „Mallorca Magazin“.

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Auch die Unternehmer der Balearen forderten, dass nach der Impfung der Risikogruppen bei der Reihenfolge wirtschaftliche Faktoren berücksichtigt werden. Mitarbeiter der Tourismusbranche sollen unabhängig vom Alter vorrangig zum Zuge kommen. Sie argumentieren, dass Konkurrenzziele etwa in Italien, Griechenland, Kroatien und der Türkei besser unterstützt würden beim Impfen.

Der Forderung nach geänderten Impfplänen lehnte die Staatssekretärin für Gesundheit der Zentralregierung, Silvia Calzón, bei einem Klinikbesuch auf Mallorca allerdings ab. Sie sprach von „strikten ethischen Prinzipien“. Die Vizechefin des Hotelierverbandes Fehm, María José Aguiló, dagegen sagte: „Das ist nur eine Ausrede.“ Sie stellte klar: „Niemand fordert ein unmoralisches Vorgehen, bei dem gefährdete Menschen übergangen werden.“ Man wolle nur, dass auch diejenigen schnell geimpft werden, die im Job einer Vielzahl von Kundenkontakten ausgesetzt seien.

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Italien: Urlaubsinseln werben mit corona­freien Gebieten um Urlauber

In Italien ignorieren einige Urlaubsinseln einfach die Impfpriorisierung des Landes für hohe Altersgruppen. „Wir würden uns aus vollem Herzen freuen, wenn endlich wieder Urlauber aus Deutschland zu uns kämen“, sagt Capris Bürgermeister Marino Lembo. Daher kündigte das Felseneiland im Golf von Neapel mit 14.000 Einwohnern in zwei Orten zusammen mit anderen italienischen Inseln an, rasch alle Bewohner durchimpfen zu wollen. Trotz Kritik sollen alle Einwohner und Angestellten in der Hotellerie priorisiert geimpft werden.

Nach Capri und Ischia seien touristische Gebiete wie Cilento und Sorrent an der Reihe. Außerdem soll bis Mitte Juli ganz Neapel durch geimpft und somit coronafrei sein, wird Kampaniens Gouverneur Vicenzo De Luca von italienischen Zeitung „Il Messaggero“ zitiert. Mit den coronafreien Gebieten wolle man eine weltweite Werbekampagne durchführen.

Damit Reisen demnächst wieder im ganzen Land möglich sind, führt Italien Mitte Mai einen nationalen Impfpass für Genesene, Geimpfte und Getestete ein, der auch für ausländische Feriengäste gelten soll. So sollen auch Kulturstädte wie Venedig, Rom und Florenz wieder für ausländische Touristen attraktiv werden.

RND/bv/dpa

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