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„Diese Entscheidung treffen wir selbst“: Österreichs Tourismusministerin widerspricht Merkel in Sachen Skisaison

  • Angesichts der anstehenden Skisaison ist eine Diskussion über Wintersport in der Corona-Pandemie entbrannt.
  • Deutschlands Wunsch, die Skigebiete europaweit zu schließen, stößt auf Gegenwehr, unter anderem aus Österreich.
  • Die dortige Tourismusministerin Elisabeth Köstinger verteidigt die Pläne im RND-Interview.
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Frau Köstinger, werden Sie in diesem Winter Skifahren?

Wenn es meine Zeit erlaubt, möchte ich auch ein paar Tage Winterurlaub mit meiner Familie machen. Mich begeistern Aktivitäten in der Natur genauso wie Österreichs schöne Thermen.

Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel fordert eine europaweite Schließung aller Skigebiete. Sie können diesem Vorstoß offenbar nichts abgewinnen. Warum nicht?

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Die Entscheidung, ob oder wann Skigebiete aufsperren dürfen, soll jedes Land eigenständig treffen. Wir werden Frankreich auch nicht vorschreiben, wann der Louvre wieder öffnen darf. Auch Italien braucht keinen Ratschlag von uns über die Öffnung von Cafés und Restaurants, ebenso wenig wie Deutschland. Jedes Land kämpft gegen diese Pandemie und trifft seine Entscheidungen, auf europäischer Ebene gäbe es auch gar keine Rechtsgrundlage dafür, solche Dinge europaweit zu verordnen.

Und warum entscheidet sich Österreich dafür, die Skisaison stattfinden zu lassen?

Die Infektionszahlen werden entscheidend dafür sein, ob und wann der Wintertourismus starten kann. Aber wie gesagt: Diese Entscheidung treffen wir selbst.

Wie wollen Sie sicherstellen, dass Skiurlaub im Corona-Winter sicher ist?

Wir haben bereits im September einen „Leitfaden Sicherer Wintertourismus“ erarbeitet. Eine der wichtigsten Maßnahmen darin ist, dass es Après Ski, wie wir es kennen, heuer nicht geben wird. Denn das Coronavirus holt man sich nicht auf der Piste, sondern beim Feiern danach. Unsere Betriebe – von der Hotellerie bis zu den Seilbahnen – haben umfangreiche Sicherheitskonzepte ausgearbeitet. Im Rahmen unseres „Testprogramms – Sichere Gastfreundschaft“ haben wir bislang mehr als 500.000 Testungen bei Mitarbeitern der Branche gemacht. Vor Weihnachten testen wir darüber hinaus noch die gesamte Bevölkerung durch.

Sie sagen: Corona holt man sich nicht auf der Piste. Woher wissen Sie das – gibt es da Studien?

Die Erfahrungswerte der letzten Monate und Clusteranalysen des Gesundheitsministeriums zeigen, dass die Ansteckungsgefahr im Freien weitaus geringer ist. Die Sommersaison hat das bewiesen.

Und wie hoch schätzen Sie das Risiko ein, sich in einer Gondel oder in einem Sessellift zu infizieren?

Seilbahnen sind – genauso wie öffentliche Verkehrsmittel – ein Massenbeförderungsmittel. In einer Gondel gibt es die gleichen Herausforderungen, wie in einem Bus oder in der U-Bahn. Die Seilbahnbetreiber sind sich ihrer Verantwortung bewusst und haben detaillierte Sicherheitskonzepte erarbeitet. Abstand, verpflichtender Mund-Nasen-Schutz beim Anstellen draußen und drinnen, und auf den Liftanlagen sowie und regelmäßige Desinfektion der Kabinen gehören zu den Standardregelungen.

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In Österreich müssen Restaurants, Hotels und andere Betriebe schließen. Warum dürfen die Bergbahnen öffnen? Was macht deren Hygienekonzept besser?

Wir sind derzeit in einem harten Lockdown, der fast alle Branchen betrifft. Wenn die Infektionszahlen gesunken sind, dann können wir daran denken, die Wirtschaft Schritt für Schritt wieder hochzufahren. Die Ansteckungsgefahr ist draußen natürlich geringer als in Innenräumen. Die letzten Monate haben aber gezeigt, dass die Ansteckungsgefahr vor allem dann steigt, wenn sich Menschen in geschlossenen Räumen längere Zeit aufhalten. Wenn man sich kennt, kann es schneller passieren, dass man nicht mehr auf Abstände achtet. Wenn sich das gesellige Beisammensein nach dem Lokalbesuch in private Räumlichkeiten verlagert, wächst die Ansteckungsgefahr.

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Bayern führt eine Quarantänepflicht für Tagesausflüge etwa zum Skifahren nach Österreich ein.  © Reuters

Inwieweit wurde die Entscheidung zur Skisaison im Vorfeld mit den Skiliftbetreibern abgesprochen?

Wir sind mit Vertreterinnen und Vertretern der gesamten Tourismusbranche laufend im Austausch. Jeder Betrieb in diesem Bereich braucht eine gewisse Vorlaufzeit, bevor wieder geöffnet werden kann. Als Tourismusministerin weiß ich natürlich, dass die Branche bestmögliche Planungssicherheit braucht.

Welche Maßnahmen hat Österreich für den Fall der Fälle, dass es einen Ausbruch in einem Skiort gibt, vorbereitet?

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Die Sommersaison hat gezeigt, dass wir dazugelernt haben und bestens vorbereitet sind, wenn einzelne Cluster entstehen. Wichtig ist, schnell und effizient zu handeln, alle K1-Personen möglichst rasch und umfassend durchzutesten und Infizierte zu isolieren. Dafür haben wir alle Vorkehrungen getroffen. In Absprache mit den deutschen Gesundheitsbehörden ist auch eine kontrollierte Heimreise nicht-symptomatischer Infizierter möglich.

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Was wäre, würden die Infektionszahlen wieder stark ansteigen, im Januar oder Februar? Würden Sie weiterhin an der Öffnung der Skigebiete festhalten?

Wir investieren unsere Energie darin, dass wir jetzt die Infektionszahlen senken. Denn wenn die Zahlen hinunter gehen entlasten wir auch unser Gesundheitssystem und wir bekommen unser gesellschaftliches und wirtschaftliches Leben langsam wieder zurück.

Wie viele Touristen erwarten Sie in dieser Skisaison in Österreich?

Wir rechnen heuer natürlich mit erheblichen Einbußen. Wir freuen uns über jeden einzelnen Gast. Österreich ist ein Land der Gastlichkeit und der Herzlichkeit. Viele Menschen kommen seit Jahren zu uns, sind Stammgäste und haben hier eine zweite Heimat gefunden. Für unsere Wirtschaft ist der Tourismus unersetzbar, er gibt hunderttausenden Menschen Arbeit und Einkommen. Es geht nicht nur um ein Hotel im Skigebiet, sondern um die gesamte Wertschöpfungskette, die damit verbunden ist. Das fängt beim Bäcker an, geht über den Handel, wo Touristen einkaufen und reicht bis zu weiteren Dienstleistern, wie Maler oder Installateure.

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