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Skigebiete schließen oder nicht? Thema Skiurlaub spaltet Europa

  • Deutschland, Italien und Frankreich fordern eine länderübergreifende Schließung der Skigebiete.
  • Mehrere andere Länder stellen sich allerdings dagegen.
  • Die Standpunkte im Überblick.
Leonie Greife
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Italien, Frankreich und Deutschland sind dafür, Österreich und die Schweiz dagegen: Die Frage, ob man den Beginn der Skisaison in Europa auf Januar verschieben soll, sorgt aktuell für hitzige Diskussionen. So haben sich unter anderem Bundekanzlerin Angela Merkel (CDU) und Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) für eine EU-weite Schließung der Skigebiete ausgesprochen.

Zuvor hatte bereits Italiens Ministerpräsident Giuseppe Conte so ein Skiverbot gefordert. „Es ist nicht möglich einen Winterurlaub zuzulassen, wir können uns das nicht leisten“, sagte er im Interview mit dem Fernsehsender La7. Er forderte, den Start der Skisaison in Europa frühestens ab dem 10. Januar zu erlauben. In Italien gilt ein Skiverbot mittlerweile als sehr wahrscheinlich. Die Skigebiete in Norditalien fordern allerdings vehement, das Skifahren entweder einheitlich in Europa zu erlauben oder zu verbieten.

Die Forderung nach einer EU-weit einheitlichen Schließung kommt neben Giuseppe Conte und Angela Merkel auch von Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron. In Frankreich sollen die Skipisten erst im Januar eröffnen, wenn bis dahin die Infektionszahlen deutlich gesunken sind. Macron sagte am Dienstagabend, er wolle sich in dieser Frage mit den europäischen Nachbarn abstimmen. Frankreich hat wichtige Wintersportzentren in den Alpen und in den Pyrenäen.

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Österreich ist gegen diskutierte Schließung der Skigebiete

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Aus anderen Ländern gibt es allerdings deutlichen Gegenwind: Österreich und die Schweiz lehnen eine solche länderübergreifende Regelung ab. Wie die österreichische Zeitung „Der Standard“ berichtet, sollen aber auch die Slowakei, Slowenien, Schweden, Polen und Spanien ein generelles Skiverbot ablehnen. Davon ausgenommen wäre ohnehin die Schweiz, die als nicht-EU-Mitglied einen Sonderweg fahren und von den geschlossenen Skigebieten im Ausland profitieren könnte.

Österreich plädiert für einen sicheren Winterurlaub. Tourismusministerin Elisabeth Köstinger sagte den Zeitungen der Funke-Mediengruppe: „Ich kann den Vorstößen nach der Schließung von Skigebieten über Weihnachten nichts abgewinnen.“ Die Betriebe in Österreich hätten umfassende Sicherheitskonzepte für den Skiurlaub erarbeitet.

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Auch Kanzler Sebastian Kurz hält eine internationale Abstimmung über die Skisaison für „übertrieben“, so der „Blick“. Angesichts der Kritik aus Österreich räumte Kanzlerin Merkel bereits ein, dass eine europäische Einigung „wahrscheinlich nicht einfach“ werde.

Der österreichische Finanzminister Gernot Blümel betonte, dass im Falle einer länderübergreifenden Schließung der Skigebiete die EU die Kosten dafür übernehmen müsse. Allein in Österreich rechne man damit, dass ein Skiverbot einen Umsatzausfall von 800 Millionen Euro pro Ferienwoche verursachen würde.

Schweiz wäre von einer EU-weiten Lösung nicht betroffen

Auch die Schweiz lehnt eine europäische Lösung ab. Nicolo Paganini, Präsident des Schweizer Tourismus-Verbands, sagte gegenüber dem Magazin „20 Minuten“: „Italien hat im Sommer ja auch nicht die Strände geschlossen.“ Eine gemeinsame europäische Lösung lehnte er ab. Berno Stoffel, Direktor der Seilbahnen Schweiz, betonte: „Es wird kein Alpenabkommen oder Ähnliches geben.“

Auf der Seite von Schweiz Tourismus heißt es: „Die Wintersaison 2020/2021 findet in der Schweiz unter strikter Einhaltung von umfassenden Schutzkonzepten statt.“ So verspricht zum Beispiel das Kanton Wallis offene Pisten: „Im Wallis wird über die Festtage Ski gefahren und in Restaurants gegessen, egal was Italien macht. Italien, Frankreich und Deutschland sprechen sich offensichtlich ab. Die Schweiz ist aber nicht in der EU und somit auch gar nicht betroffen“, sagt Staatsrat Christophe Darbellay. Wie die Schweizer Zeitung „Blick“ berichtet, sei das Buchungsniveau trotzdem niedrig.

Nicht nur im Ausland, auch in Deutschland wird die Kritik an einer möglichen Schließung der Skigebiete immer lauter. So kritisieren unter anderem die Wintersportregionen, Wintersportverbände, und der Verband Deutscher Seilbahnen und Schlepplifte die Forderungen einer europaweiten Lösung.

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Für so ein Verbot fehle bis jetzt die inhaltliche Auseinandersetzung mit den in den letzten Monaten detailliert ausgearbeiteten Hygiene- und Schutzmaßnahmen der Wintersportverbände, der Ski- und Snowboardschulen und Vereine im gesamten Alpenraum, hieß es etwa aus einem offenen Brief der Wintersportverbände an die Politik. Es gebe weitreichende Konzepte und Schutzmaßnahmen.

Wie wäre sicherer Skiurlaub möglich?

Fest steht: Einen Skiurlaub mit Après-Ski und Massentourismus wird es in diesem Jahr nicht geben. Dennoch halten viele eine Skisaison unter der Einhaltung strenger Hygiene- und Sicherheitsmaßnahmen für möglich. So sagte etwa der Tourismusbeauftragte der Bundesregierung Thomas Bareiß (CDU): „Sicherheit geht auch im Winter vor. Aber ich bin davon überzeugt, dass Skifahren in einem gewissen Umfang und unter klaren Kriterien wie zum Beispiel einer maximal erlaubten Anzahl von täglichen Skipässen ohne Probleme möglich ist.“

Auch Eva Schernhammer, Leiterin der Epidemiologie an der Med-Uni Wien, erachtet eine begrenzte Anzahl an Menschen für einen wichtigen Bestandteil der Corona-Konzepte von Skigebieten. Es brauche Sicherheitskonzepte für Sessellifte und Warteschlangen, die Unterbringungen und den Transport. Skeptisch blickte sie dagegen auf den Gondelbetrieb. Diesbezüglich gibt es aber auch viele Stimmen von Touristikern, die das Ansteckungsrisiko in Gondeln mit dem in öffentlichen Verkehrsmitteln vergleichen – und die dürften schließlich weiterfahren.

Nach Angaben des Deutschen Skiverbandes fahren sieben bis acht Millionen Deutsche regelmäßig Ski. Das beliebteste Reiseziel für den Skiurlaub ist Österreich. Der österreichische Wintersportort Ischgl mit seinen Après-Ski-Partys zählte im Frühjahr zu den ersten Corona-Hotspots in Europa. Deshalb hatte es im Hinblick auf Reisebeschränkungen während der Pandemie in den vergangenen Monaten oft geheißen, man wolle ein „zweites Ischgl“ um jeden Preis verhindern.

RND/lg/dpa

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