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Wintersportarten im Risikocheck: So lassen sich Verletzungen vermeiden

  • Keinen Tag verschwenden! Mit der Devise brechen viele Menschen zum jährlichen Winterurlaub in die Berge auf.
  • Doch Experten warnen vor zu viel Elan: Der kann Knochen brechen und Bänder reißen lassen.
  • Wie Reisende eine Verletzung vermeiden können.
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München/Innsbruck. Einmal im Jahr eine Woche Vollgas auf der Skipiste: So sieht bei vielen Deutschen der Winterurlaub aus. Für manche endet der lang ersehnte Trip in die Berge im Krankenhaus.

Der Drang, aus den Ferientagen ein Maximum an Schnee-Erlebnissen rauszuholen, ist laut dem Orthopäden und Unfallchirurgen Prof. Mirco Herbort ein Hauptrisikofaktor dafür. „Wie verrückt ist es, was wir machen?“, fragt der Mediziner von der Münchener OCM-Klinik. „Wir kommen aus dem Job und gehen sonst vielleicht einmal die Woche Joggen. Und dann machen wir Skiurlaub und fahren eine Woche lang jeden Tag sechs, sieben Stunden Ski und belasten uns an unsere Grenzen.“ Ein Himmelfahrtskommando sei das.

Verletzungen beim Schneesport: Wie lassen sie sich womöglich vermeiden?

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Herbort behandelt jeden Winter viele Verletzte aus den Alpen-Skigebieten südlich von München. Außer vergangenes Jahr: „Da war es wirklich ruhig. In dem Sinne war Corona eine der größten Präventionsmaßnahmen für Sportverletzungen in der Weltgeschichte.“ Diesen Winter aber wird es wieder viel mehr Wintersporttourismus geben. Und damit auch wieder mehr Arbeit für die Chirurginnen und Chirurgen in den Kliniken. Hier ein Überblick über typische Verletzungen bei den beliebtesten Schnee-Sportarten – und wie sie sich womöglich vermeiden lassen.

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Ski geht voll auf die Knie

Knieverletzungen sind der Klassiker unter den Skiverletzungen. „Die Knie sind der größten Belastung ausgesetzt. Wir haben den ganzen Winter viele Kreuzband- und Meniskusverletzungen“, sagt Prof. Rohit Arora. Als Direktor der Uniklinik für Orthopädie und Traumatologie Innsbruck hat er in jeder Skisaison viele verletzte Wintersportlerinnen und Wintersportler aus den umliegenden Tiroler Skigebieten auf dem OP-Tisch liegen.

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Die kürzeren und stärker taillierten Carving-Ski haben aus Sicht des Münchner Chirurgen und Kniespezialisten Herbort dazu beigetragen, dass die Knie zum anfälligsten Körperteil im Alpin-Ski wurden.

Zum einen erleichtern die Carving-Ski Anfängern das Lernen, sodass sie schneller den Berg runterkommen – manchmal zu schnell. Zum anderen sei das Material so gut, dass die Kräfte, die die Ski aufs Knie bringen, teilweise dessen Belastungsfähigkeit überstiegen, sagt Herbort.

Oftmals allerdings passieren die Knieverletzungen gar nicht bei hochrasanten Stürzen, sondern auf denkbar unspektakuläre und bittere Art und Weise. Vor allem beim Benutzen der Lifte ist laut Herbort Vorsicht geboten. „Beim Ausstieg nicht aufgepasst, einen Ski im Schnee verkantet und die Beine x-bein-artig verdreht: Da geht durch die Hebelwirkung der Ski schnell das Kreuzband kaputt.“

Skifahrer stehen an einer Piste. Die Sportart belastet vor allem die Knie. © Quelle: Expa/Johann Groder/APA/dpa

Snowboard: Gefahr für Schulter, Arm und Handgelenk

Unterarmbrüche, ausgerenkte Schultern und Ellenbogen, gebrochene Handgelenke und Schlüsselbeine: Beim Snowboarden sind eher die oberen Extremitäten verletzungsgefährdet.

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Zum Schutz der Handgelenke haben Snowboard-Handschuhe oft Protektoren integriert. Mirco Herbort findet diese Schützer sinnvoll, auch wenn sie von vielen als unbequem empfunden werden. „Frakturen im Handgelenkbereich können schwerwiegend sein“, sagt er.

Man sollte es nicht unterschätzen, wenn das Gelenk nach einem Sturz schmerzt und anschwillt. „Operiert man es zu spät oder stellt es zu spät ruhig, kann Knochen absterben, weil in dem Bereich die Durchblutungssituation oft schwierig ist“, erklärt er. Schlimmstenfalls versteift das Gelenk.

Rohit Arora behandelt auch immer wieder Snowboarder mit schweren Wirbelsäulenverletzungen. „Weil sie beim Tiefschneefahren im Wald etwa gegen einen Baum geprallt sind.“

Ein Snowboarder fährt in Garmisch-Partenkirchen (Bayern) im Skigebiet Garmisch-Classic eine Schneerampe hinunter. © Quelle: picture alliance / dpa Themendienst

Gesunde Selbsteinschätzung unverzichtbar

Egal, ob man auf Ski oder Snowboard die Piste herunterbrettert: Um verletzungsfrei und mit Spaß durch den Urlaub zu kommen, ist ein gesundes Maß an Reflexion und Risikowahrnehmung ratsam. „Das Schlimmste ist die Selbstüberschätzung“, sagt Arora. „Gerade am Anfang, nachdem man ein Jahr lang nicht gefahren ist.“

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Außerdem sollte man seine Fahrweise immer an die Witterungsverhältnisse anpassen. Speziell bei schlechter Sicht sind vereiste Stellen oder sulzige Hügel auf der Piste rasch übersehen. Wer dann zu schnell unterwegs ist, riskiert schlimme Stürze.

Damit einem am zweiten oder dritten Tag nicht die Kraft in den Muskeln fehlt, um Schläge auf der Piste abzufedern, rät Mirco Herbort: In den Wochen vor dem Urlaub gezielt die Beine kräftigen, etwa mit Kniebeugen. Und vor jedem Pistentag mit Skigymnastik aufwärmen. Man sollte zudem auf seinen Körper hören: Fühlt er sich müde an, lässt man es lieber langsam angehen oder macht mal einen Tag komplett Pause – auch wenn man eigentlich voll innerem Elan ist, die Pisten herunter zu brettern.

Schlitten fahren: Lieber mit Helm

Als Gaudi und Abwechslung betreiben viele Skigebiete eigene Rodelpisten. Nicht sehr breit, rasant und kurvenreich führen sie oft mitten durch einen Wald. Vor allem Nachtrodeln ist beliebt. Manche trinken erst eine paar Biere und Obstler auf dem Berg und wagen sich danach auf die beleuchtete Rodelpiste.

Doch gerade die Kombination Nachtrodeln und Alkohol ist gefährlich, warnt Arora. Er kennt die Folgen von ungebremsten Abflügen mit dem Rodel gegen einen Baum. Das Ergebnis seien schlimme Schädel-Hirn-Traumen und Verletzungen an der oberen Wirbelsäule.

Gerade wenn die Rodelpiste durch den Wald führt, sollte man deshalb immer einen Helm tragen. Schließlich kann es einem auch im nüchternen Zustand passieren, dass man die Kurve einmal nicht kriegt. Auch ein Rückenprotektor kann im Zweifel nie schaden, sondern nur helfen.

Zwei kleine Kinder fahren mit einem Schlitten im Winter auf einem mit Schnee bedecktem Waldweg in Bayern.

Für die Beine ist Schlittenfahren ebenfalls nicht ohne Risiko. Geht beim Bremsen oder Kurvenfahren etwas schief, kann durchaus ein Sprunggelenk oder ein Unterschenkel zu Bruch gehen. Manchmal passiert es, dass man beim Fahren mit dem Bein irgendwo hängen bleibt. „Das Bein wird nach außen weggerissen, das kann zu schweren Mehrfachverletzungen im Knie führen“, sagt Mirco Herbort.

Und das ist nicht alles. Wer mit dem Schlitten über einen Hügel hüpft, merkt nach kurzem Flug spätestens bei der Landung: Autsch, gefedert ist das Gefährt nicht! Tatsächlich können die Aufschläge nach so einem Hüpfer derart hart sein, dass das Steißbein in Mitleidenschaft gezogen wird. Die Folgen bleiben dann für einige Zeit bei jedem Hinsetzen spürbar. „Das verheilt gut“, sagt der Münchener Chirurg. „Aber die sechs Wochen danach sind kein Spaß.“

Skilanglauf: Immer richtig hinfallen

Langlauf gilt als die risikoarme Alternative zum Alpin-Ski. Gemütlich die Loipen entlangziehen - was soll dabei schon passieren?

Tatsächlich nicht viel, zumindest solange es geradeaus oder bergauf geht, wie Rohit Arora sagt. Manchmal halten die Langlaufstrecken aber auch kleine Abfahren bereit. Vor allem dabei kommt es zu Verletzungen, wenn Wintersportler die Kontrolle über die langen, schmalen Ski verlieren und stürzen.

„Weil sie dabei oft in die Grätsche gehen, kommt es etwa zu Symphysen-Frakturen im Becken“, sagt Arora. Sein Rat: Immer seitlich fallen, wenn man merkt, dass man nicht mehr sicher zum Stehen kommt.

Vorsicht ist außerdem mit den langen Langlauf-Stöcken angebracht. „Wir haben pro Jahr sicher drei, vier schwere Augenverletzungen“, so der Innsbrucker Chirurg. Etwa, wenn jemand seitlich fällt und der Stock dabei verkantet und ins Auge sticht.

RND/dpa

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