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Reisewarnung für die Kanaren: Ein Schock für die Inselgruppe

  • Die Kanarischen Inseln zählen neben den Balearen zu den besonders beliebten spanischen Reisezielen der Deutschen.
  • Die Reisewarnung für die Inselgruppe im Atlantik wirbelt nicht nur Urlaubspläne durcheinander.
  • Für die Inseln ist die Einstufung ein Schock – und sie verärgert die Reisebranche.
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Nach Mallorca nun auch die Kanaren: Die Reisewarnung für die bei deutschen Urlaubern beliebte Inselgruppe im Atlantik ist für die Kanarischen Inseln ein heftiger wirtschaftlicher Schlag. Fast jeder zweite Arbeitsplatz hängt vom Tourismus ab.

“Das sind schlechte Nachrichten, die sich voll auf unsere Wirtschaft auswirken werden”, twitterte Yaiza Castilla, die kanarische Tourismusministerin am Mittwochabend. Und weiter: “Wir müssen die Kontrolle über die Pandemie intensivieren, um diese Situation so schnell wie möglich umzukehren.”

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Tourismusbranche bereitet sich auf Hotelschließungen vor

Deutschland war eines der letzten größeren Länder, die Urlauber ohne Einschränkungen auf die spanische Inselgruppe vor der Westküste Afrikas gelassen hatten. Sonst kommen pro Jahr etwa 2,7 Millionen Touristen aus Deutschland auf die Inseln. Mit der Einstufung als Risikogebiet und der Reisewarnung bricht nun der zweitwichtigste Reisemarkt mehr oder weniger weg, und das auf unbestimmte Zeit.

“Es kann einen Monat, zwei Monate oder ein Jahr dauern. Das hängt davon ab, ob die Ansteckungen sinken”, sagte der Präsident der Föderation der Unternehmer aus dem Gastgewerbe und des Tourismus in Las Palmas (Feht), José María Mañaricua, laut einem Bericht der “Teneriffa News”. Denn erst wenn die Infektionszahlen wieder unter die kritische Marke von durchschnittlich 50 Neuinfektionen auf 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen fällt, dürfte die Einstufung zurückgenommen werden.

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Touristenbringer Nummer eins für die Kanaren ist Großbritannien, die britische Regierung hatte bereits Ende Juli eine zweiwöchige Quarantänepflicht für Rückkehrer ausgesprochen. Auch Frankreich, Norwegen, Österreich, Irland, Schottland, die Niederlande und Belgien hatten ähnliche Maßnahmen ergriffen. Nun bleiben lediglich noch spanische Touristen übrig und ein paar Langzeiturlauber.

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Bund und Länder erhöhen angesichts steigender Coronavirus-Infektionen den Druck auf Urlauber.  © Reuters

Die Kanaren befürchten nun eine ähnliche Entwicklung wie auf Mallorca, dort hat bereits jedes dritte Hotel wieder geschlossen. Sie starteten verfrüht in die Wintersaison, weil sich der Betrieb im Corona-Sommer nicht wirtschaftlich rechnet. Auf den Kanarischen Inseln gehen laut einem Bericht der “Teneriffa News” erste Belegungsprognosen von Auslastungen unter 15 Prozent aus. Das würde für einen rentablen Betrieb vor allem für größere Hotelkomplexe nicht ausreichen.

Das Ziel auf den Kanaren ist daher klar: Die Infektionszahlen müssen wieder sinken. Ziel müsse es nun sein, die Infektionen mindestens zu halbieren, hieß es von Mañaricua. Dann könnte zumindest die Herbst- und Wintersaison wieder Geld in die Kassen spülen.

Deutscher Tourismusverband kritisiert Kanaren-Reisewarnung

Darauf hoffen auch Veranstalter und Reisebüros in Deutschland. Der Deutsche Reiseverband DRV sprach am Donnerstag von einem weiteren “herben Schlag” für Urlauber und die Branche. Tourismusunternehmen bedauerten die Entscheidung des Auswärtigen Amtes vom Mittwochabend, mit der jetzt für ganz Spanien eine Reisewarnung gilt. Vor Reisen in den Rest des Landes samt der Ferieninsel Mallorca wird bereits seit Mitte August gewarnt.

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“Die Kanarischen Inseln sind derzeit bei den Reisenden sehr beliebt und auch für die nächsten Wochen gut gebucht, viele Kunden haben nach der Reisewarnung für die Balearen auf die Kanaren umgebucht”, so Dr. Ellen Madeker, Leiterin Strategie und Politische Kommunikation beim DRV. Der Verband vertritt vor allem Veranstalter und Reisebüros.

Es sei “nicht verhältnismäßig, die gesamten Kanaren unter die Reisewarnung zu stellen, obwohl sich die Infektionszahlen nur auf einige wenige Gebiete beschränken”, kritisiert Madeker. Betroffen seien nur die Städte auf Gran Canaria und Teneriffa. “Risikogebiete sollten möglichst zielgenau und differenziert ausgewiesen werden – ähnlich wie dies in Deutschland bereits auf Landkreisebene geschieht.” Pauschale Warnungen würden den Realitäten in den Ländern nicht gerecht.

Dem DRV zufolge sind die Kanaren aktuell bei Urlaubern sehr beliebt und für die nächsten Wochen gut gebucht. Viele Kunden hätten nach der Reisewarnung für die Balearen auf die Kanaren umgebucht.

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Reiseveranstalter wie Tui und DER Touristik sagen Kanaren-Reisen ab

Eine Reisewarnung ist zwar kein Reiseverbot, aber eine abschreckende Wirkung ist beabsichtigt. Die Warnung ermöglicht es Reisenden, Buchungen kostenlos zu stornieren. Große Veranstalter wie Tui und DER Touristik sagten Reisen auf die Kanaren bis vorerst Mitte September ab. Alltours überlässt wie schon im Falle von Mallorca den Urlaubern die Entscheidung. Die Kunden haben demnach bis 15. September die Wahl, ob sie die Reise antreten, umbuchen oder stornieren.

“Wir bedauern, dass nun auch die Kanaren eine Reisewarnung erhalten haben – zumal sich die Neuinfektionen auf einige Hotspots konzentrieren. Viele unserer Mallorca-Gäste hatten die Kanaren als Alternativreiseziel gewählt”, sagte Ingo Burmester, Zentraleuropa-Chef von DER Touristik. “Wir hoffen, dass das Auswärtige Amt statt einer Reisewarnung differenzierte Sicherheitshinweise für die Kanaren erlässt und Urlaub demnächst wieder möglich sein wird.” Vorbild könnten die Balearen sein, die bereits weitere effektive Maßnahmen zur Eindämmung des Infektionsgeschehens ergriffen hätten.

Auch Tui sprach sich für regionale Warnungen aus, statt für ganze Länder oder Inselgruppen. “Man sollte sowohl die Inseln einzeln betrachten als auch auf einzelnen Inseln bestimmte Orte geöffnet lassen”, sagte ein Tui-Sprecher. Gerade die Pauschaltouristen auf den spanischen Inseln verhielten sich vorbildlich und blieben meist den gesamten Urlaub in ihren Ressorts oder an den nahe gelegenen Stränden.

Alltours geht aktuell davon aus, dass die Reisewarnung für die Kanaren nicht länger als vier Wochen gelten wird. “Auch im Fall von Mallorca gehen wir von einer Aufhebung der Reisewarnung in absehbarer Zeit aus, da die Infektionszahlen rückläufig sind”, teilte das Unternehmen auf Anfrage mit.

mit dpa

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