Reisen im Corona-Sommer: Wie teuer wird unser Urlaub?

  • Noch ist unklar, was in puncto Urlaub im Sommer 2021 möglich wird.
  • Und genau deshalb zögern viele Deutsche aktuell noch mit der Planung.
  • Was bedeutet das für die Reisepreise? Wird der Urlaub 2021 teuer oder eher günstig?
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Das beliebteste Reiseziel der Deutschen ist: Deutschland. Nicht nur in Zeiten von Corona, doch die Pandemie verstärkt diesen Trend. So planen 33,9 Prozent der Deutschen in diesem Jahr einen Urlaub im eigenen Land, das ergab die Tourismusanalyse der Hamburger Stiftung für Zukunftsfragen. Das sind 9,1 Prozentpunkte mehr als 2020. Besonders Bayern, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein gelten als Tourismusmagnete. Nach den Gesetzen von Angebot und Nachfrage bedeutet das: Reisen könnte dort teurer werden.

Urlaub in Deutschland droht teurer zu werden

„Die Ausgaben bei Urlaubsreisen im Inland sind 2020 im Vergleich zu den Vorjahren angestiegen“ , sagt Ulf Sonntag, Leiter der Marktforschung am Institut für Tourismusforschung in Nordeuropa. Er ist verantwortlich für die Reiseanalyse der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen (FUR), die seit 51 Jahren veröffentlicht wird.

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Die Pandemie und wir

Bei den durchschnittlichen Reiseausgaben im Inland habe es von 2019 auf 2020 ein Plus von gut 35 Euro pro Person und Reise sowie ein Plus von 4 Euro pro Person und Tag gegeben. Dieser Trend könnte sich nun auch 2021 fortsetzen – nachdem das Niveau zwischen 2016 und 2019 sehr stabil gewesen sei.

Höhere Kosten für Reisen müssten Urlauber vor allem in Hochzeiten und besonders beliebten Gebieten erwarten – ganz einfach, weil es dort schneller voll ist. „Wenn nur begrenzte Kapazitäten im Angebot sind und diese stark nachgefragt sind, dann steigen die Preise“, erklärt Sonntag. Spontanbucher müssen daher an beliebten Zielen oftmals mehr Geld in die Hand nehmen – für Restkapazitäten könnten die Preise dann entsprechend hoch sein, so Sonntag.

Mallorca-Ansturm – mit Flügen für über 450 Euro

Was passieren kann, wenn sich die aufgestaute Reiselust nach Monaten der Beschränkung entlädt und eine hohe Nachfrage auf geringere Kapazitäten trifft, hat jüngst das Beispiel Mallorca gezeigt. Die Aufhebung der Reisewarnung habe die Flugpreise um 221 Prozent ansteigen lassen, analysiert das Preisvergleichsportal Idealo.

Bis einschließlich 7. März 2021 waren Flüge auf die spanische Insel 85 Prozent weniger gefragt als 2020. Doch kurz nachdem die Bundesregierung die Reisewarnung für die beliebte Baleareninsel aufgehoben hatte, begann ein Run auf Urlaubsangebote. Verglichen mit dem Vorjahr waren Mallorca-Flüge zuletzt 210 Prozent gefragter, das zeigt die Analyse vom 17. März. Noch deutlicher wird das im direkten Vergleich zur Vorwoche: So stieg die Nachfrage von Kalenderwoche neun zu Kalenderwoche zehn in diesem Jahr um 779 Prozent. Die Folge: Die Flugpreise schnellten in die Höhe. Für Ostern mussten Urlauber teils mehr als 450 Euro hinblättern – one way.

Spontanbucher müssen flexibel sein

Auch für den Sommer gilt: Je kurzfristiger gebucht wird, desto teurer könnte es werden – wenn viele gleichzeitig nach dem „Go“ der Bundesregierung auf die Idee kommen, ihren Sommerurlaub in Spanien, Griechenland, Italien oder der Türkei zu buchen. „Für Reisen in der Hauptferienzeit im Sommer ist aufgrund geringerer Kapazitäten und erhöhter Nachfrage mit eher steigenden Preisen zu rechnen“, sagt der Präsident des Deutschen Reiseverbandes, Norbert Fiebig. Wer kurzfristig buchen möchte, sollte daher relativ flexibel sein, was Termin, Reiseziel und Unterkunft betrifft.

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Pauschalreisen ins Ausland für Frühbucher günstig

Noch aber ist die Nachfrage nach Auslandszielen für den Sommer gering, viele Menschen zögern wegen der Pandemie mit dem Buchen. Laut der Stiftung für Zukunftsfragen planten im Januar nur 32,9 Prozent eine Reise ins europäische Ausland, im vergangenen Jahr waren es zum gleichen Zeitpunkt noch 40,4 Prozent.

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Kein Verbot: Urlaubsreisen ins Ausland bleiben erlaubt
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Urlaubsreisen ins Ausland werden trotz der Corona-Pandemie auch weiterhin grundsätzlich möglich sein.  © dpa

Es gibt daher viele freie Plätze im Flugzeug und Zimmer in den Hotels – daher sind die Preise aktuell attraktiv. „Durch nach wie vor vorhandene Frühbucherangebote profitieren Urlaubswillige aktuell von günstigen Preisen für fast alle Pauschalreiseziele“, so Fiebig. Mit diesen Rabatten wollen Reiseunternehmen Anreize schaffen, um die Nachfrage zu stimulieren. Denn: Je früher die Kapazitäten gebucht werden, desto größer die Planungssicherheit.

Auch Tui-Sprecher Aage Dünhaupt sagt: „Die Einstiegspreise sind aufgrund ausreichender Flug- und Hotelkapazitäten günstig geblieben.“ Somit könnten Kunden einen Urlaub 2021 derzeit sogar günstiger erwerben als 2019 oder 2020. Trotzdem, so prognostiziert Dünhaupt, würden die Durchschnittspreise für Reisen 2021 steigen. Der Grund dafür sei, dass die Kunden ihre Buchung mit Upgrades in bessere Hotels, höhere Zimmerkategorien oder mehr Verpflegungsleistungen aufwerten. Auch steige die durchschnittliche Zahl an Urlaubstagen. „Insgesamt investieren Tui-Urlauber rund ein Fünftel mehr in ihre Sommerbuchung als in 2019“, so Dünhaupt.

Zusätzliche Kosten für Corona-Tests und Flex-Tarife

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Einplanen müssen Urlauber dieses Jahr auch zusätzliche Ausgaben, die es in Zeiten vor der Pandemie nicht gab. Dazu zählen Corona-Tests. Beliebte Länder wie Spanien und Griechenland wollen eine Impfung oder einen negativen Corona-Test zur Pflicht für Einreisende machen.

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Im Video: DRV-Chef Fiebig fordert Ende von Neiddebatte bei Mallorca-Reisen und kluges Konzept
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Im Videointerview blickt Norbert Fiebig, Präsident des Deutschen Reiseverbands, auf die Beschlüsse des Corona-Gipfels. Ihm fehlen noch immer kluge Konzepte.  © RND

Umgekehrt setzt auch Deutschland mindestens bis zum 12. Mai auf eine Testpflicht. Seit 30. März gilt: Jeder, der einreisen will, muss einen negativen Corona-Test vorweisen. Am Flughafen Mallorca kostet ein Antigen-Schnelltest knapp 30 Euro – eine fünfköpfige Familie muss also zusätzlich zum Reisepreis noch einmal etwa 150 Euro locker machen. Andere Reiseziele verlangen von Touristen einen negativen PCR-Test, die Kosten hierfür sind noch höher als für die Schnelltests.

Flex-Tarife: Etwas mehr zahlen, um spontan stornieren zu können

Und auch wer flexibel sein will, muss oftmals draufzahlen. „Die Reiseveranstalter haben erkannt, dass Verbrauchern in Zeiten der Pandemie vor allem die Flexibilität bei der Buchung wichtig ist“, sagt Martin Zier, Geschäftsführer für Pauschalreisen beim Vergleichsportal Check 24. Deshalb hätten sie mit Flex-Tarifen Angebote geschaffen, die bis kurz vor Anreise kostenlos storniert oder umgebucht werden können. Eingerechnet werden sollten für eine Pauschalreise durchschnittlich um die 30 Euro extra pro Person.

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