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Portugal wieder Hochinzidenz­gebiet: Der Tourismus-Neustart wird holprig

  • Ab Mittwoch gilt Portugal als Hochinzidenz­gebiet, nachdem es erst vergangene Woche als Virusvarianten­gebiet eingestuft wurde.
  • Veranstalter hatten daraufhin Reisen abgesagt, Umbuchungen und Stornierungen abgewickelt.
  • Und jetzt?
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Nur acht Tage lang galt Portugal als Virusvarianten­gebiet: Ab Mittwoch wird es zum Hochinzidenz­gebiet zurückgestuft. Gebracht hat das vor allem eines: Reisechaos. Hunderte Reisende aus Deutschland hatten gerade erst ihren Urlaub abgebrochen und bis zu 650 Euro für frühere Rückflüge gezahlt, Veranstalter mussten Stornierungen und Umbuchungen abwickeln, nahmen Touren in das Land aus dem Programm – und nun wird die Einreise nach kurzer Zeit wieder erleichtert. Wie reagiert die Branche darauf?

Dass Portugal angesichts des zunehmenden Anteils der Delta-Variante in Deutschland nicht mehr lange als Virusvarianten­gebiet gelten würde, damit hatte Pascal Zahn, Geschäftsführer von Olimar, schon gerechnet – aber: „Ganz ehrlich: so schnell nicht.“

Zahn, dessen Unternehmen sich auf Portugal-Reisen spezialisiert hat, erklärt gegenüber dem Redaktions­Netzwerk Deutschland, er könne nicht verstehen, warum nicht schon vor eineinhalb Wochen berücksichtigt wurde, dass sich die Virusvariante auch in Deutschland ausbreiten werde. „Nur Deutschland hat so krass reagiert, alle anderen Nachbarländer hatten Portugal nicht so eingestuft. Wer soll das verstehen?“

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„Für Geimpfte und Genesene gibt es keinen Grund mehr für Umbuchungen und Stornierungen“

Seitdem das RKI am 25. Juni angekündigt hat, dass Portugal zum Virusvarianten­gebiet erklärt werde, seien die Neubuchungen bei Olimar deutlich eingebrochen. Zudem hätten einige Urlauberinnen und Urlauber ihre Reisen storniert oder umgebucht – dies könne jetzt auch nicht mehr zurückgenommen werden. „Allerdings ändern sich die reiserechtlichen Voraussetzungen“, so Zahn. „Für Geimpfte und Genesene gelten nun keine Quarantänezeiten mehr, insofern gibt es auch keinen Grund mehr für neue Umbuchungen und Stornierungen.“

Alle anderen Reisenden müssen fortan statt 14 Tagen nur noch bis zu zehn Tage in Quarantäne, ein Freitesten ab Tag fünf ist möglich. „Hier bemühen wir uns natürlich vor allem um Reisende mit Schulkindern, die erst zu Ferienende zurückreisen, so umzubuchen, dass sie pünktlich nach den Ferien wieder in die Schule kommen können.“

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Ob die Zurücknahme der Virusvarianten­gebiet-Einstufung jetzt wieder zu mehr Buchungen führt, könne man so kurzfristig noch nicht sagen, sagt Olimar-Geschäftsführer Zahn – er gehe aber davon aus. Und das könnte den Reiseanbieter vor ein neues Problem stellen: „Leider wurden einige Flugumläufe gestoppt. Das Wiederanlaufen braucht seine Zeit.“

Denn einige Reiseveranstalter hatten kurzfristig Portugal aus dem Programm genommen. „Wir hatten uns bewusst dazu entschieden, Reisen nur bis zum 13. Juli abzusagen“, sagt Angela de Sando, Sprecherin bei DER Touristik. Ab dem 14. Juli werde das Unternehmen wieder Reisen nach Madeira anbieten. Während das Interesse an Städtereisen nach Lissabon oder Selbstfahrertouren auf dem Festland zurückgegangen sei, sei die Nachfrage der Kundinnen und Kunden für die Insel Madeira nie abgebrochen. Auf Madeira hätten zudem die Hotels nicht geschlossen, sodass der Betrieb schnell wieder hochfahren könne.

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Studiosus bietet weiterhin keine Reisen nach Portugal an

Auch Tui hatte Portugal-Reisen mit Anreise bis zum 31. Juli abgesagt, wird jetzt aber das Angebot wieder hochfahren. „Portugal-Reisen an die Algarve werden für Neubuchungen gegen Ende der Woche wieder aufgenommen. Auch die Vorbereitungen für Madeira laufen auf Hochtouren“, sagt Tui-Sprecherin Anja Braun gegenüber dem RedaktionsNetzwerk Deutschland. Die Neubewertung werde für Entspannung sorgen. Grundsätzlich warteten Kundinnen und Kunden Entwicklungen ab und buchten häufiger kurzfristig, „das erwarten wir auch für Portugal“. Hotels der Tui-Marken seien für Urlaubende buchbar, auch Flüge mit der eigenen Airline Tuifly sollen bald wieder an den Start gehen.

Anders sieht es bei Studiosus aus: Der auf Studienreisen spezialisierte Anbieter hatte Reisen nach Portugal bis einschließlich 31. August gestrichen – und wird daran weiter festhalten. „Die Reisewarnung des Auswärtigen Amtes bleibt ja bestehen, und in Länder, vor denen das AA warnt, führen wir keine Reisen durch“, sagt Studiosus-Sprecher Frano Ilić auf Nachfrage.

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Dass die Einstufung als Virusvarianten­gebiet auch Madeira betraf, hatte bei vielen Menschen für Unverständnis und Ärger gesorgt. Auch Urlauberinnen und Urlauber, die von der Insel zurückreisten, mussten sich in 14-tägige Quarantäne begeben – bei einer Sieben-Tage-Inzidenz von damals 22. „Wir halten eine Regionalisierung bei derartigen Entscheidungen generell für sinnvoll“, sagt DER-Touristik-Sprecherin de Sando. Olimar-Geschäftsführer Pascal Zahn findet in Bezug auf Madeira noch deutlichere Worte: „Die Region gilt auch als Hochinzidenz­gebietj– so kurios das bei einer Inzidenz von aktuell unter 35 klingen mag. Wir kämpfen dafür, dass auch dies aufgehoben wird.“

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