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Fast jede fünfte Bewertung negativ

Das Paris-Syndrom: Warum macht die Stadt so viele Reisende unglücklich?

Der Eiffelturm in Paris während des Sonnenaufgangs.

Der Eiffelturm in Paris während des Sonnenaufgangs.

Knutschende Pärchen unter dem Eiffelturm. Chansonklänge auf dem Akkordeon. Saftige Croissants im malerischen Café an der Ecke. Haute Couture. Der Duft von Baguette in der Luft. Paris ist getrieben von Klischees. Das märchenhafte Bild der französischen Hauptstadt, wie es in Filmen, Serien, Büchern und den sozialen Medien dargestellt wird, entspricht aber nicht immer der Wahrheit. Denn Paris ist eben auch nur eine Großstadt wie viele andere. Genervte Menschen hetzen zur Arbeit. Dreck in der Seine. Überfüllte Metros. Der Geruch von Abgasen in der Luft.

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Grund dafür scheint zu sein, dass bei manchen Erstbesucherinnen und Erstbesuchern der Romantiktraum auf die Realität trifft und wie eine Seifenblase zerplatzt. Die Folge ist bittere Enttäuschung. Fast jede fünfte Google-Bewertung über Paris ist negativ – zu diesem Ergebnis kam eine Untersuchung des Gepäckaufbewahrungsnetzwerks Radical Storage. Dafür wurden im Jahr 2021 rund 140.000 Stadtbewertungen über die 20 der weltweit beliebtesten Städtereiseziele analysiert.

Paris und die enttäuschten Träume

Paris sorgte demnach am häufigsten für Frustration bei den Onlinerezensenten – von 3243 Bewertungen über die „Stadt des Liebe“ war fast jede fünfte (18 Prozent) negativ, wobei 25 Prozent der negativen Bewertungen die französische Hauptstadt als „schrecklich“ und 11 Prozent sie als „überbewertet“ und „enttäuschend“ beschrieben. An zweiter Stelle auf der Liste der Städte, deren Vorstellung nicht der Realität entspricht, steht Hongkong, gefolgt von Seoul, Bangkok und Singapur.

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Das Phänomen der zerplatzten Reisetraumblase hat sogar einen Namen: das Paris-Syndrom. Geprägt wurde er 2004 durch den seit Ende der 80er-Jahre in Frankreich lebenden Psychiater Hiroaki Ota. Sein Kollege Bernard Odier von der „Association de Santé Mentale“ des 13. Arrondissements von Paris erklärte das Syndrom gegenüber Deutschlandfunk folgendermaßen: „Das Paris-Syndrom beschreibt einen Japaner, typischerweise der Mittelklasse, der sein ganzes Leben auf diese Reise ins alte Europa spart. Um sich zum Sparen zu motivieren, idealisiert er die Reise. Wenn er dann tatsächlich seinen Sehnsuchtsort kennenlernt, kann es sein, dass er von der Realität enttäuscht wird. Er wird konfrontiert mit der sogenannten Deidealisierung, er hat sich die Reise so lange in den schönsten Farben ausgemalt und dann ist der Sturz tief.“

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Wenn Enttäuschung zu Depressionen führt

In einigen Fällen sei die Enttäuschung so groß, dass Besucherinnen und Besucher Halluzinationen, Panikattacken oder Depressionen entwickelten. Die Forscher glauben, dass auch Sprachbarrieren, kulturelle Unterschiede sowie Erschöpfung beim Syndrom eine Rolle spielen könnten. Helfen soll Bettruhe – in schweren Fällen müssen die Patienten ins Krankenhaus oder sofort die Heimreise antreten.

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Soziale Medien sind an derart überhöhten Erwartungen nicht unschuldig: Instagram ist eine der größten Inspirationsquellen für Reisende geworden und macht den Urlaub zur Kulisse für die Selbstdarstellung. Auf Instagram erscheint jede Sehenswürdigkeit schöner als in der Realität: Influencerinnen und Influencer posieren in perfekt abgestimmten Outfits allein vor einem glänzenden Eiffelturm. Sitzen als einziger Gast im angesagten Straßencafé in Montmartre. Schauen verträumt zu einer strahlend weißen Sacré-Cœur.

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Wer sich zur Reisevorbereitung diese inszenierte Scheinwirklichkeit ansieht, fördert nicht nur die generelle Unzufriedenheit, sondern erhöht auch die Anfälligkeit für das Paris-Syndrom. Dabei sind Eiffelturm, Sacré-Cœur und Louvre auch in der Realität trotz Touristenmassen ziemlich beeindruckend. Und das Croissant im kleinen Café schmeckt auch trotz Großstadtlärms.

Andersherum geht es übrigens auch, wie die Untersuchung zeigte: Von Stockholm waren die meisten Reisenden positiv überrascht. Vielleicht werde die schwedische Hauptstadt nicht so romantisiert wie Paris und daher seien die Erwartungen nicht so hoch, mutmaßt Radical Storage. Auch von Kapstadt, Dubai, Amsterdam und Kuala Lumpur waren Rezensentinnen und Rezensenten angetan.

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