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Overtourism: Amsterdam begrenzt Anzahl an Touristen und Touristinnen

  • Die niederländische Hauptstadt Amsterdam hat seit Jahren mit Massentourismus zu kämpfen.
  • Als erste Stadt führt sie nun eine Höchstgrenze bei der Zahl von Übernachtungsgästen ein.
  • Aber auch eine Untergrenze wird definiert, bei deren Unterschreiten die Gemeinde handeln muss.
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Amsterdam. Amsterdam hat als erste Stadt weltweit eine Begrenzung für Touristen und Touristinnen eingeführt. Zwischen zehn und 20 Millionen Übernachtungsgäste sind pro Jahr noch erlaubt, heißt es in dem von der Stadt beschlossenen Papier „Toerisme i Balans“, übersetzt: „Tourismus in Balance“. Demnach muss die Stadt handeln, wenn der Wert von zehn Millionen Übernachtungen unterschritten oder der Wert von 20 Millionen Übernachtungen überschritten wird.

Die Initiative geht auf eine Petition von Anwohnerinnen und Anwohnern zurück. Sie forderten eine Höchstgrenze von zehn bis 14 Millionen Besuchenden pro Jahr, um die Lebensqualität in Amsterdam für Einheimische wieder zu verbessern, berichtet das Magazin „NH Nieuws“. 30.000 Bürgerinnen und Bürger hatten die Forderung unterschrieben, weshalb der Gemeinderat sich damit beschäftigen musste. „Es ist historisch, dass Menschen in Amsterdam es geschafft haben, dass solch eine Regelung verabschiedet wird. Die Stärke ist, dass wir uns gemeinsam darauf geeinigt haben, wie viele Touristen wir für gut empfinden – sowohl minimal als auch maximal“, sagte der linksliberale Politiker Reinier van Dantzig von der Fraktion D66 der Zeitung.

Stadt und Anwohner erarbeiten 88 Vorschläge gegen Overtourism

Auch Signalwerte wurden verabschiedet. Wird die Marke zwölf Millionen unterschritten oder die Marke 18 Millionen überschritten, sollen bereits Maßnahmen ergriffen werden. Definiert sind sie nicht, allerdings will man sich an den bereits erarbeiteten Katalog „Stad i Balans“ halten, in dem 88 Vorschläge festgehalten sind. Dazu gehören etwa höhere Gebühren für Billigflieger und Kreuzfahrtschiffe, Erhöhung der Touristensteuer, Verbote von privaten Ferienvermietungen und eine gezielte Besucherstromlenkung von der Innenstadt in andere Stadtviertel. Auch Junggesellen- und Junggesellinnenabschiede sollten durch strengere Regelungen unattraktiv gemacht werden.

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Während das Festlegen einer Obergrenze zwar historisch, aber nicht allzu überraschend ist, ist es eine Regulierung zum minimalen Touristenaufkommen durchaus. Das sei eine Lehre aus der Corona-Pandemie und dem Einbruch des Tourismus geschuldet, heißt es. Damit solle verhindert werden, dass erneut viele Menschen, die im Tourismussektor arbeiten, vor dem Existenzverlust stehen.

Hotelverband kritisiert Plan, Touristen und Touristinnen zu vertreiben

Wie „Spiegel Online“ schreibt, soll der Gemeinderat eine jährliche Prognose abgeben, wie viele Besuchende für das laufende und die kommenden zwei Jahre zu erwarten seien. Sollten die Prognosen die Signalwerte von zwölf und 18 Millionen Übernachtungen unter- beziehungsweise überschritten sehen, hat der Gemeinderat sechs Monate Zeit, um ein Strategiepapier zu erarbeiten. Zudem solle die Zahl der Tagesgäste erhoben werden.

Kritik an dem Vorhaben kommt vom niederländischen Hotelverband KHN. Es sei „nicht nötig“, dass man Touristinnen und Touristen durch „hemmungslose“ Steuererhöhungen vertreibe, so Direkt Dirk Beljaarts in der Zeitung „Het Parool“. Er glaubt, dass Reisende dann außerhalb der Stadt übernachten und nur tagsüber nach Amsterdam kommen – das Problem also nur verlagert werde.

RND/msk

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