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Osterurlaub auf Mallorca: Leere Strände und Warteschlangen vor Corona-Testzentren

  • Tausende deutsche Urlauber waren über Ostern auf Mallorca.
  • Sie genossen Sonne, 21 Grad und vergleichsweise leere Strände, mussten sich aber vor dem Rückflug auf Corona testen lassen.
  • Daher ging es in den deutschen Arztpraxen hoch her – ein Arzt hat es offenbar nicht so genau genommen.
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Madrid. Der Mann hat wahrscheinlich seine Karriere ruiniert: Ein deutscher Arzt soll auf Mallorca falsche Corona-Atteste ausgestellt haben. Ein RTL-Reporter hatte ihn auf die Probe gestellt, sich weinerlich gegeben – dass er sich vor dem Stäbchen in der Nase fürchte – und den Arzt offenbar erweicht: Der soll dem Reporter (von dem er nicht wusste, dass er ein Reporter ist) eine Bescheinigung über einen negativen Corona-Test ausgestellt haben, ohne ihn zu testen. Und das offenbar nicht zum ersten Mal. Polizei und Ärztekammer ermitteln jetzt gegen den Arzt. „Ich kann mir nichts anderes vorstellen, als dass dies ein absoluter Ausnahmefall ist“, sagt Peter Berghoff, der bis vor einem Jahr das deutsche Ärztezentrum an der Playa de Palma auf Mallorca betrieb.

Mit einem Mal werden die deutschen Arztpraxen auf der Insel, die zwölf Monate lang nicht viel zu tun hatten, von Patienten überrannt, die für die Rückkehr nach Deutschland einen negativen Corona-Test brauchen. Vor vielen Praxen bildeten sich lange Schlangen. „Bis zum Ostermontag war sehr viel los, seit diesem Dienstag hat es sich etwas beruhigt“, berichtet Berghoff. Der plötzliche Ansturm hat diesen einen, von RTL erwischten Arzt, offenbar sein Berufsethos vergessen lassen.

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Testpflicht für Urlaubsrückkehrer startet auf Mallorca
1:03 min
Seit heute Nacht gilt eine generelle Testpflicht für alle Flugreisen nach Deutschland. Auf Mallorca gab es am ersten Tag keine größeren Probleme.  © dpa
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Urlauberwelle löst vorerst keine neue Infektionswelle aus

Kein Grund zur Panik: Die Wahrscheinlichkeit, sich auf Mallorca mit dem Virus anzustecken und es danach ungewollt nach Deutschland einzuschleppen, ist eher gering. Die Sieben-Tage-Inzidenz auf der Insel ist über Ostern von 31,58 auf 26,67 gesunken (in Deutschland liegt sie bei 123). Von den knapp 2700 Menschen, die zwischen Montag und Dienstag auf das Virus getestet wurden, war nur gut ein Prozent infiziert. Die „Lawine von Deutschen“ – so titelte die Lokalzeitung „Última Hora“ –, die sich über Mallorca ergoss, hat vorerst keine neue Infektionswelle ausgelöst.

Es war auch weniger eine Lawine, die über die Insel niederging, als ein erfrischender Regenschauer nach langer Dürre. Der Deutsche Reiseverband (DRV) schätzt, dass 40.000 Deutsche ihren Osterurlaub auf Mallorca verbringen oder verbracht haben: „Etwa die Hälfte ist vermutlich mit einem Reiseveranstalter unterwegs, die andere Hälfte individuell organisiert.“ Zum Vergleich: Im Vor-Corona-Jahr 2019 waren Anfang April rund 450.000 Urlauber aus Deutschland auf Mallorca. Der mallorquinische Hotelverband Fehm berichtet, dass von sämtlichen Hotelbetten auf der Insel 13 Prozent für Besucher zur Verfügung stehen, die meisten davon an der Playa de Palma, einige weitere in Capdepera, Sóller und Cala Millor. Der Rest Mallorcas ist vom Tourismus weiterhin recht unberührt.

Erfahrungsberichte von „Chaos“ bis zu „guter Organisation“

Doch nun müssen die vergleichsweise wenigen Touristen alle zum Arzt, um sich dem seit Dienstag vergangener Woche verpflichtenden Corona-Test zu unterziehen. Im Großen und Ganzen haben die Praxen den plötzlichen Andrang ordentlich bewältigt. Die deutschsprachige „Mallorca-Zeitung“ bat ihre Leser um Erfahrungsberichte, und da war von „Chaos“ bis „guter Organisation“ alles zu lesen. Manche verbrachten einen halben Tag in der Warteschlange, andere keine halbe Stunde.

Besonders gut lief es offenbar am Testzentrum im Flughafen, bei dem keine vorherige Anmeldung erforderlich war. Einige größere Hotels boten ihren Gästen die Möglichkeit zum Test im Hotel selbst an. Ob hier oder dort, einig waren sich die Urlauber darin, dass in den Testzentren „alle sehr nett und bemüht“ seien.

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