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Nordsee: Kreuzfahrten im Wattenmeer bedrohen das Weltnaturerbe

  • Wegen der Corona-Pandemie erlauben nur wenige Häfen weltweit das Anlegen von Kreuzfahrtschiffen.
  • Die Reedereien suchen daher nach neuen Zielen in der europäischen Umgebung – das Wattenmeer ist eines davon.
  • Naturschützer sehen das Weltnaturerbe aber durch Kreuzfahrten bedroht.
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Husum. Erst seit Kurzem finden Kreuzfahrten wieder statt. Wegen der Einschränkungen durch die Corona-Pandemie suchten große Reedereien nach neuen Zielen in der näheren europäischen Umgebung, sagte Katharina Weinberg, Naturschutzreferentin der Schutzstation Wattenmeer. „Offenbar rückt jetzt auch der Nationalpark Wattenmeer mit seinen Inseln und Halligen zunehmend in den Fokus.“ Erste Touren habe es bereits gegeben, weitere würden beworben.

Die Reederei Hapag Lloyd steuerte laut Weinberg im Oktober die ostfriesische Insel Borkum an und auch Sylt stehe auf ihrem Tourenplan. Andere Reedereien sollen ebenfalls in den Startlöchern stehen. So kündige Hurtigruten die Gründung einer separaten Einheit für Expeditionskreuzfahrten an, sagte Weinberg.

Aus diesen Gründen sehen Naturschützer das Wattenmeer durch Kreuzfahrten bedroht

„Kreuzfahrttourismus ist kein nachhaltiges Geschäftsmodell“, sagte Dennis Schaper, Stationsleiter der Schutzstation Wattenmeer auf Sylt. Die Schiffe führen überwiegend noch mit Schweröl und hätten selbst mit Katalysatoren oder Alternativtreibstoffen eine schlechte CO2-Bilanz. „Dazu kommen die Auswirkungen auf Inseln und Halligen, die jetzt schon von touristischen Aktivitäten überlastet sind. Da bedarf es keiner zusätzlichen Tagesgäste“, sagte Schaper. Große Schiffe können die Kais der Nordseeinseln wegen ihres Tiefgangs nicht direkt anlaufen. Passagiere müssten mit Schlauchbooten durch den Nationalpark Wattenmeer an Land gebracht werden, was zusätzlich Unruhe in schützenswerte Bereiche bringen könne.

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„Wir sollten auf den Inseln im Nationalpark Wattenmeer ein Zeichen setzen und den großen Kreuzfahrtunternehmen signalisieren, dass sie hier unerwünscht sind“, forderte Schaper. Er verwies auf Eckernförde an der Ostsee: Dort sind ab 2022 keine Kreuzfahrtschiffe mehr in der Bucht zugelassen.

RND/dpa

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