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“Nie da gewesene Nachfrage”: Camping erlebt Corona-Boom

  • Deutschland ist im Camping-Fieber.
  • Der Bundesverband der Campingwirtschaft jedenfalls sieht die Branche im historischen Aufwind.
  • Das heißt für spontane Urlauber allerdings auch: Wer einen freien Platz ergattern will, der muss schnell sein.
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Cottbus. Zelten oder mit der Familie im Wohnmobil unterwegs sein - viele Urlauber haben in diesem Sommer Lust aufs Campen. "Camping hat eine nie da gewesene Nachfrage", bestätigt der Vizepräsident des Bundesverbands der Campingwirtschaft in Brandenburg (BVCD), Jörg Klofski, der Deutschen Presse-Agentur.

Zwar hätten die Betreiber durch die Corona-Pandemie mit Ostern, Himmelfahrt und Pfingsten große Teile des Kerngeschäfts verloren. Die Entwicklung danach sei aber “mehr als positiv”. “Wenn überhaupt, haben wir nur Blechschaden”, beschreibt Klofski die Umsatzverluste.

Der Juni 2020 sei besser als der Vorjahresmonat, im Juli zeichne sich eine ähnliche Entwicklung ab. Ein Großteil der Plätze sei weitestgehend ausgebucht, darunter im Spreewald, dem Lausitzer Seenland, um Potsdam herum und auch an der Mecklenburgischen Seenplatte.

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Wegen Corona: Camping als Alternative zum üblichen Urlaub

Klofski erklärt sich das unter anderem damit, dass in Corona-Zeiten nicht wenige Urlauber in Deutschland blieben - auch jene Gästegruppe, die zum Campen sonst ins Ausland fahre. Dazu komme, dass in den vergangenen drei Monaten seinen Angaben nach etwa 40.000 neue Reisemobile zugelassen wurden.

“Viele Menschen haben Alternativen zu ihrem üblichen Urlaub gesucht und gesagt: Lass uns campen.” Eine große Hoffnung der Branche sei, dass dieser Trend anhalte und das Camping nicht nur eine “Corona-Erscheinung” sei, sagt Klofski.

Sterne-Campingplatz: Betreiber lassen Campingplätze zertifizieren

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Birgit Kunkel, Sprecherin Tourismus-Marketing Brandenburg (TMB) sieht noch einen anderen Grund für den Camping-Boom: die gestiegene Qualität der Campingplätze. Die Betreiber hätten an ihren Angeboten gearbeitet und sie auf Zielgruppen zugeschnitten, sagte Kunkel.

So würden zusätzlich Ferienhäuschen für Familien vermietet oder Hygienekonzepte überarbeitet. “Wenn man keinen attraktiven Platz hat, kommen die Urlauber auch nicht”, so ihre Einschätzung. Betreiber ließen ihre Plätze inzwischen zertifizieren. Die Branche vergebe Sterne.

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Der Campingplatz am Deulowitzer See in der Lausitz beispielsweise setzt auf Familien mit Kindern. So gibt es Familientoiletten mit Duschen, Spielplätze und einen Kinoraum, den Familien mieten können. “Wir legen großen Wert auf Kinderfreundlichkeit, die Familien sollen sich hier wohlfühlen und vor allem wiederkommen”, sagt Betreiber Steffen Krautz.

Er stellt seinen Platz regelmäßig auf Messen vor und begrüßt mittlerweile auch zahlreiche Gäste aus Hessen und Bayern.

Camping-Boom bereits im Jahr 2019 erkennbar

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Der Naturcampinglatz am Springsee bei Storkow (Oder-Spree) hat sich auf den Urlaub von Hundebesitzern spezialisiert. Die vergangenen zwei Monate seien komplett ausgebucht gewesen, berichtet Mitarbeiterin Anke Zilske. Für die Vierbeiner stehen auf dem Platz eine eingezäunte Hunde-Badesstelle und 6000 Quadratmeter Hundeauslauf zur Verfügung.

“Die Leute freuen sich, dass sie mit all ihren Hunden kommen dürfen, auf anderen Plätzen ist das reglementiert”, berichtet Mitarbeiterin Anke Zilske. So seien schon Urlauber mit zehn Hunden angereist. Auch Bungalows und sogenannte Schlaf-Fässer für vier Personen werden vermietet. Die seien mit Heizungen ausgestattet und auch im Winter buchbar.

2019 wurden nach Angaben des Tourismus Marketing Brandenburg (TMB) auf den Campingplätzen rund 1,4 Millionen Übernachtungen gezählt - ein Zuwachs von 7,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Im vergangenen Jahr wurden 172 Campingplätze im Land betrieben mit rund 42.000 Schlafgelegenheiten. Der überwiegende Teil der Campingplätze in Brandenburg liegt laut TMB am Wasser.

Verband fordert Überdenken der Ferienzeiten

Die Campingbranche freut sich in dieser Saison noch über einen anderen Vorteil, der den Betreibern zu Gute kommt: der günstige Ferienkorridor. In Brandenburg sind die Ferien zwar zu Ende, in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen aber dauern sie noch drei Wochen an. Das bedeute auch drei Wochen mehr Geschäft für die Betreiber, sagt Klofski und hofft, dass damit ein Teil des Verlustes wettgemacht werden kann.

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In diesem Zusammenhang übt der BVCD-Vizepräsident deutliche Kritik an den Bildungsministerien, die für die Planung der Ferienzeit zuständig seien. Es gebe immer wieder Jahre, in denen die Ferien der Bundesländer übereinander liegen würden und Campingplätze und Hotels so überlastet seien, dass sie Gäste nicht mehr aufnehmen könnten. Das sei unsinnig, findet Klofski und fordert eine andere Regelung.

Die Strukturen seien sehr starr und müssten aufgeweicht werden, zum Wohle der Tourismuswirtschaft. In diesen schwierigen Zeiten helfe das über die Krise.

RND/dpa

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