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  • Nach Winterberg auch Willingen: Wintersportort schließt Parkplätze und Zugänge - Appelle an Ausflügler in Bayern und Baden-Württemberg

Willingen macht dicht, Appelle an Ausflügler in Bayern und Baden-Württemberg

  • Um den Ansturm von Tagestouristen und Winterfans abzuwehren, schottet sich Willingen ab.
  • Wie in der Nachbargemeinde Winterberg werden Parkplätze und Zugänge geschlossen.
  • In Bayern und Baden-Württemberg setzt man vor dem Feiertag auf Appelle.
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Willingen. Wegen des Ansturms der Schneetouristen sind im nordhessischen Wintersportort Willingen Skipisten, Rodelhänge und Parkplätze am Wochenende für Besucher gesperrt. Ein entsprechendes Verbot hat am Dienstag der Landkreis Waldeck-Frankenberg beschlossen. Es ist die erste Sperrung von Skipisten und Rodelhängen dieser Art in Hessen. Aus Gründen des Infektionsschutzes habe man sich für die zunächst dreitägige Einschränkung entschieden, sagte eine Sprecherin in Korbach. Sie soll von Freitag bis Sonntag gelten.

Nachdem die Wintersport-Region Winterberg im benachbarten Nordrhein-Westfalen am Wochenende Pisten und Parkplätze geschlossen hatte, waren Tausende Ausflügler nach Nordhessen ausgewichen.

Corona-Regeln nicht einhaltbar: Betretungsverbot als einzige Option

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„Mindestabstände sind bei der Masse an Tagestouristen weder einhaltbar, noch kontrollierbar gewesen - sogar im Freien“, sagte der Gesundheitsdezernent des Landkreises, Karl-Friedrich Frese. Man habe daher keine andere Möglichkeit als das Betretungsverbot gesehen, um die Besucherströme zu verringern. Ordnungsbehörden und Polizei würden die Einhaltung kontrollieren. Danach hofft der Kreis auf eine Entspannung der Lage wegen des Ferienendes.

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Wintersportort nach hohem Andrang gesperrt
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Mehrere Tage in Folge war Winterberg von Tagestouristen regelrecht überrannt worden. Nun ist der Ort für den Tagestourismus gesperrt.  © Reuters

Gleichzeitig lassen die Kreisbehörden eine Ausgangsbeschränkung auslaufen. Durch die war seit dem 21. Dezember zwischen 21.00 und 5.00 Uhr das Verlassen der eigenen Wohnung nur in begründeten Ausnahmefällen möglich.

Andere Ausflugsregionen setzen auf Appelle statt Verbote

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Unterdessen versuchen es andere Kommunen erneut mit Appellen an Schneetouristen. Im Lahn-Dill-Kreis riefen am Dienstag Landrat Wolfgang Schuster (SPD) und Bürgermeister dazu auf, Wintersportgebiete nicht zu „überrennen“. „Wir möchten niemandem das Schlittenfahren verbieten, aber auch im Freien sollten die Menschen sich an die AHA-Regeln halten und vor allem den Abstand wahren“, sagte Schuster. „AHA“ steht für „Abstand halten“, „Hygiene“ und das Tragen einer Alltagsmaske bei zu geringem Abstand.

Viele Ausflugsorte fürchten vor allem den morgigen Feiertag in einigen Bundesländern, etwa in Bayern. Die besonders beliebten Ausflugsregionen im Freistaat wappnen sich deshalb für den Fall eines weiteren Besucheransturms. Die Polizeipräsidien Oberbayern Süd, Niederbayern und Schwaben Süd/West kündigten am Dienstag verstärkte Kontrollen an. Im Nationalpark Bayerischer Wald achten auch die Ranger auf die Einhaltung der Regeln. Betroffene Gemeinden fordern von der Politik strenge Maßnahmen, um der Situation Herr zu werden.

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RND-Videoschalte: Bürgermeister Michael Beckmann: "Sowas haben wir in Winterberg noch nicht erlebt"
5:12 min
Winterberg wurde von Tagestouristen überrannt und mittlerweile abgeriegelt. Der Bürgermeister der Stadt, Michael Beckmann, über die aktuelle Situation.  © RND

Bayern: Polizei will dort sein, wo viele Besucher sind

„Wo viele Besucher hinfahren, werden wir auch sein“, sagte ein Sprecher der Polizei in Rosenheim. Als Beispiele nannte er Garmisch-Partenkirchen sowie Eibsee, Spitzingsee und Walchensee. „Wir haben dort in den vergangenen Wochen viele Hundert Strafzettel verteilt. Das werden wir auch weiter so praktizieren.“ Ein Sprecher der Polizei in Niederbayern ergänzte: Es gehe vor allem auch darum, dass Rettungswege frei blieben.

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Im Allgäu will die Polizei vor allem in Oberstdorf, Immenstadt, Gunzesried und im Königswinkel Präsenz zeigen. „Die Leute müssen dort damit rechnen, dass die Parkplätze für einen gewissen Ansturm nicht ausgelegt sind“, sagte ein Polizeisprecher. Die Anreise bleibe aber - trotz aller Appelle, zuhause zu bleiben - erlaubt.

Baden-Württemberg: Politik mahnt zu Vernunft, Regionen wollen strenge Regeln

Auch in Baden-Württemberg setzt man auf Appelle statt Verbote. „Bei allen Regeln gilt: Ohne Eigenverantwortung, Rücksicht und die Einsicht, dass es unsere gemeinsame Aufgabe und Pflicht als Gesellschaft ist, Gesundheit und Leben zu schützen, wird es nicht funktionieren“, erklärte eine Sprecherin von Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) am Dienstag.

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In den betroffenen Regionen wächst derweil die Wut auf die Ausflügler. Hans-Jürgen Decker, Bürgermeister der Gemeinde Ottenhöfen nahe der regelmäßig besonders überfüllten Schwarzwaldhochstraße (B500), sagte: „Alle stürmen hier hoch!“ Er habe am Wochenende diverse fremde Nummernschilder gesehen. Die Anwohner kämen angesichts der Fahrzeugkarawane kaum mehr aus ihren Einfahrten. „Es ist ein Auto nach dem anderen!“ Selbst bei „Sauwetter“ herrsche Chaos. Punktuelle Straßensperrungen wie zuletzt bringen Deckers Meinung nach nichts. Dann wichen die Leute einfach aus. Er forderte, dass vorerst nur noch Anlieger die Straßen Richtung Berge benutzen dürfen.

RND/dpa/msk

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