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Nach dem Urlaub in Quarantäne: Was für Arbeitnehmer und Schulkinder gilt

Wer weder geimpft noch genesen ist, muss bei der Rückkehr aus einem Hochrisikogebiet in Quarantäne. (Symbolfoto)

Wer weder geimpft noch genesen ist, muss bei der Rückkehr aus einem Hochrisikogebiet in Quarantäne (Symbolfoto).

Die Türkei, mehrere Regionen Spaniens inklusive Mallorca und seit diesem Dienstag auch zahlreiche griechische Inseln: Auf der Liste des Robert Koch-Instituts werden aktuell einige beliebte Urlaubsziele als Hochrisikogebiete klassifiziert. Für Reisende, die weder geimpft noch genesen sind, bedeutet das: Quarantäne für mindestens fünf Tage. Und das zu einer Zeit, in der in Hessen, Rheinland-Pfalz, dem Saarland, Niedersachsen, Bremen, Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen die Sommerferien entweder in dieser oder der kommenden Woche enden – und damit viele Urlaubende die Rückreise nach Deutschland antreten.

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Was also bedeutet es, wenn Angestellte nach ihrem Urlaub nicht direkt an den Arbeitsplatz zurückkehren, sondern noch eine Zwangspause zu Hause einlegen? Und welche Folgen hat die Quarantänepflicht für schulpflichtige Kinder?

Quarantäne im Urlaub: Was sind die Folgen für die Arbeit?

Wer sich während seines Erholungsurlaubs mit dem Coronavirus infiziert und deshalb in Quarantäne muss, bekommt diese Tage nicht als Urlaubstage gewertet und kann sie bei Arbeitgeber oder Arbeitgeberin zurückverlangen. Das gilt jedoch nur, wenn Betroffene für diese Tage eine Krankschreibung vorlegen können. So steht es im Paragraf 9 des Bundesurlaubsgesetzes (BurlG).

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Wer jedoch während des Erholungsurlaubs ohne Arbeitsunfähigkeits­bescheinigung einer Quarantäne­anordnung unterliegt, kann auch keine Urlaubstage zurückverlangen. Das betrifft unter anderem Kontaktpersonen, die sich zur Sicherheit ebenfalls in Quarantäne begeben müssen, oder Reiserückkehrende aus Hochrisikogebieten. Diesen Personen wird empfohlen, schnellstmöglich das Gespräch mit den Arbeitgeberinnen oder Arbeitgebern zu suchen. Eventuell ist eine einvernehmliche Verschiebung des Urlaubs möglich. Einen Anspruch darauf gibt es jedoch nicht.

Nach dem Urlaub in Quarantäne statt zur Arbeit: Habe ich trotzdem Anspruch auf Gehalt?

Nein. Wer keine Arbeitsleistung erbringt, kann dafür auch keinen Lohn erwarten. Unter Umständen könnte aber ein Anspruch auf Entschädigungs­zahlungen bestehen. Wird das Urlaubsland erst während der Reise als Hochrisikogebiet eingestuft, sodass Reisende von der Quarantänepflicht nach der Rückkehr überrascht wurden, erhalten Beschäftigte zwar keinen Lohn, aber eine Entschädigung. Dieser Anspruch ist in Paragraf 56 des Infektions­schutzgesetzes geregelt. So ging es zum Beispiel Ende Juni Tausenden deutschen Urlauberinnen und Urlaubern in Portugal: Wegen der sich ausbreitenden Delta-Variante wurde das Land zum Virus­varianten­gebiet hochgestuft, was eine 14-tägige Quarantäne für alle Reiserückkehrenden nach sich zog, auch geimpfte.

Die Entschädigung fällt in Höhe des Nettolohns aus und wird vom Arbeitgeber oder von der Arbeitgeberin ausgezahlt. Dieser kann sich das Geld vom Staat erstatten lassen. Arbeitnehmerinnen oder Arbeitnehmer müssen dafür keinen Antrag stellen.

Keinen Anspruch auf eine Entschädigung haben jedoch Beschäftigte, die schon vor Reiseantritt wissen, dass sie nach dem Urlaub in Quarantäne müssen. Sie haben den Arbeitsausfall selbst verschuldet. Maßgeblich sei dabei nicht das Datum der Buchung, sondern das Datum der Abfahrt, erklärte die Fachanwältin für Arbeitsrecht, Nathalie Oberthür, gegenüber dem Redaktions­Netzwerk Deutschland. Ob in diesem Fall zudem eine Abmahnung durch den Arbeitgeber oder die Arbeitgeberin droht, sei rechtlich umstritten. „Das bewusste Reisen in ein Risikogebiet in dem Wissen, dass anschließend eine 14-tägige Quarantäne einzuhalten ist, kann nach meiner Auffassung im Einzelfall einen Verstoß gegen diese Treuepflicht beinhalten, der mit Abmahnung und im Wiederholungsfall mit Kündigung sanktioniert werden könnte“, sagte Oberthür und bezog sich auf die Rückkehr aus Virusvarianten­gebieten. Für eine Kündigung sei aber eine grobe Verletzung der Interessen des Arbeitgebers nötig, die angesichts der derzeitigen Unsicherheit die Ausnahme sein dürfte, so die Anwältin.

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Kann ich während der Quarantäne im Homeoffice arbeiten?

Ja. Können Beschäftigte ihren Job grundsätzlich auch im Homeoffice erledigen, so ist dies auch während der Quarantänezeit möglich. In einem solchen Fall wird auch das Gehalt regulär weitergezahlt – denn die Arbeitsleitung wird ja erbracht. Beschäftigte, die hingegen zwingend im Betrieb sein müssen, können unter Umständen einen Anspruch auf Entschädigung geltend machen, wie in der vorherigen Antwort erläutert.

Muss ich für die Quarantäne zusätzlichen Urlaub nehmen?

Nein, das sei gesetzlich nicht erlaubt, so Rechtsanwältin Oberthür. Höchstens könnten sich Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer und Arbeitgeberinnen und Arbeitgebern einvernehmlich darauf einigen, dass Beschäftigte Urlaubstage für die Zeit einsetzen, in der sie wegen der vorgeschriebenen Quarantäne nicht ihrer Arbeit nachgehen können.

Quarantäne statt Schule: Was bedeutet das für Kinder – und die Eltern?

Bei der Rückkehr aus einem Hochrisikogebiet gilt die Quarantänepflicht auch für (ungeimpfte) Kinder. Bei unter Zwölfjährigen endet die Quarantäne nach fünf Tagen automatisch. Für ältere Kinder gelten dieselben Regeln wie für Erwachsene, und zwar: zehn Tage Quarantäne, die sich aber durch einen negativen Corona-Test auf fünf Tage verkürzen lässt, das sogenannte Freitesten. Reist eine Familie erst zum Ferienende zurück, kann es daher passieren, dass das Kind die ersten Schultage statt im Präsenz­unterricht zu Hause in Isolation verbringen muss.

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Doch auch für die Eltern kann dies folgenreich sein, nämlich dann, wenn eine Verletzung der Schulpflicht vorliegt. Insbesondere, wenn die Familie wissentlich in ein Hochrisikogebiet gereist sei und damit die Quarantäne des Kindes in Kauf genommen habe, könne ein Bußgeld drohen, erklärt Arndt Kempgens, Rechtsanwalt aus Gelsenkirchen, gegenüber dem „Spiegel“. Geldbußen von bis zu 5000 Euro sähen die Schulgesetze der Länder bei unentschuldigten Fehltagen vor, üblicherweise würden 100 Euro pro Kind und Tag verhängt. Aber: Ob auch tatsächlich eine Geldbuße fällig wird, ist damit noch nicht gesagt. So zeigten sich dem Bericht zufolge etwa das bayerische Kultusministerium und die Bezirksregierung Arnsberg in Nordrhein-Westfalen kulant. Insbesondere bei einem einmaligen Verstoß gegen die Schulpflicht werde oftmals auf ein Bußgeld verzichtet.

RND/cs/dpa

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