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„Die Reichen und Schönen zittern bereits“

9-Euro-Ticket: Linke Gruppen rufen zu Chaostagen auf Sylt auf

Kommen auf Sylt Chaostage zu?

Kommen auf Sylt Chaostage zu?

Die Menschen auf Sylt hatten sich besorgt gezeigt: Wird die Insel durch die vielen Reisenden mit dem 9‑Euro-Ticket überlastet? Im Internet führte das zum Eklat, weil viele sich auf der oft zitierten „Insel der Reichen und Schönen“ zu Zweite-Klasse-Touristinnen und -Touristen degradiert fühlten. Jetzt rufen Linke Gruppen in den sozialen Medien satirisch zu den „Chaostagen Sylt 2022“, einer Art Klassenkampf, auf – doch aus Spaß könnte Ernst werden.

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Schließlich ist die Provokation da, die Fahrkarte günstig und die Lust auf Party nach den Corona-Jahren groß. Unter anderem auf Facebook haben sich etliche Gruppen gegründet, die zur gemeinsamen Fahrt nach Sylt aufrufen. „Kommt alle mit dem 9 Euro Ticket nach Sylt und lasst es krachen“, heißt es dort in einer Veranstaltung namens „Chaostage Sylt 2022“, und weiter: „Die Fete geht vom 1.6.2022 bis zum 31.8.2022.“ Die Veranstaltenden fordern: „Sylt für alle, sonst gibt’s Krawalle! Erfrecht sich doch die Sylter Bourgeoisie eines direkten Angriffs gegen die proletarischen Massen und damit gegen uns alle.“

Über 11.000 Menschen haben bereits Interesse an dieser Veranstaltung bekundet, über 3300 zugesagt. Am Sonntag seien laut „Welt“ erste Gruppen bei Telegram und Discord entstanden, in denen entsprechende Touren mit dem 9‑Euro-Ticket für jedes Wochenende im Juni, Juli und August genauer geplant werden. Auch die Treffpunkte stehen schon fest, darunter Lieblingsorte der „High Society“, Polizeistationen und Notaufnahmen.

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Friedrichstadt: Ein Inter-City-Zug fährt auf der Marschbahnstrecke in Richtung Westerland. Verantwortliche befürchten, dass die ohnehin überlastete Strecke zu voll werden könnte, wenn viele Menschen mit dem 9‑Euro-Ticket anreisen.

Friedrichstadt: Ein Inter-City-Zug fährt auf der Marschbahnstrecke in Richtung Westerland. Verantwortliche befürchten, dass die ohnehin überlastete Strecke zu voll werden könnte, wenn viele Menschen mit dem 9‑Euro-Ticket anreisen.

Punkband kündigt Festival an

Auch die Inselstrände haben die Kommentatorinnen und Kommentatoren bereits unter sich aufgeteilt: Wer Reggae-Musik hören will, muss die Strände im Norden aussuchen, Metall läuft bei Westerland und Rave bei Hörnum.

Darüber hinaus hat die Punkband Alarmsignal scherzhaft mit einem fingierten „Konzertflyer“ eine Art Festival angekündigt. Angeblich sollen dabei auch berühmte Bands wie Slipknot, Rage against the Machine, Die Toten Hosen und Die Ärzte auftreten, heißt es da. Dazu die Band: „Die Reichen und Schönen zittern bereits, denn die Pöbler*innen sitzen auf gepackten Bierkisten. (…) Wenn wir mit Sylt fertig sind, ist da nur noch Nordsee und sonst nichts.“

Sylt erwartet einen Ansturm an Besucherinnen und Besuchern wegen des 9‑Euro-Tickets.

Sylt erwartet einen Ansturm an Besucherinnen und Besuchern wegen des 9‑Euro-Tickets.

Die Band selbst kündigte ein Sylt-Konzert für den 6. August an, Karten dafür können Fans in den bekannten Onlinevorverkaufsstellen allerdings nicht kaufen. Ob es tatsächlich stattfinden wird oder wie das „Festival“ nur ein Spaß ist, bleibt fraglich.

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Ob aus den Partywitzen am Ende Wirklichkeit wird? Das wird wohl das erste Wochenende mit dem 9‑Euro-Ticket am 4. und 5. Juni zeigen. Einige Ersteller der Facebook-Veranstaltungen weisen darauf hin, dass die angekündigte Party „reine Satire“ sei und „keinerlei Aufruf, nach Sylt zu reisen“ darstelle.

So reagieren die Politiker auf Sylt

Die Politiker und Politikerinnen auf der Insel reagieren jetzt auf den drohenden Ansturm von Partytouristinnen und -touristen sowie herkömmlichen Urlaubenden. Sicherheitsdienst und Ordnungsamt bereiten sich auf den großen Ansturm vor, vor allem an den langen Wochenenden über Himmelfahrt und Pfingsten erwartet die Insel großen Andrang, berichtet die „NOZ“.

Chef der Sylt Marketing GmbH, Moritz Luft, hatte kürzlich gesagt, die Insel sei für einen Ansturm von 9‑Euro-Ticket-Besucherinnen und -Besuchern nicht gerüstet. In den sozialen Medien legten Nutzerinnen und Nutzer die Aussage so aus, als wolle die als teuer geltende Insel keine Low-Budget-Gästinnen und -Gäste empfangen. Im Nachhinein betonte Luft, er habe sich mit seiner Aussage auf die ohnehin überlastete Bahninfrastruktur, die die Insel mit dem Festland verbindet, bezogen.

RND/vh

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