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Mallorca ist Hochinzidenzgebiet – und am Ballermann wird weitergefeiert

  • Die deutsche Bundesregierung hat Spanien zum Hochinzidenzgebiet hochgestuft.
  • Schlecht für ungeimpfte und nicht genesene Urlauber und Urlauberinnen.
  • Aber kein Grund, sich den Spaß verderben zu lassen, finden die fröhlichen Ballermänner auf Mallorca.
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Playa de Palma. Mitten auf der Straße steht ein sehr blonder Mensch, in dem Alter, in dem man nicht weiß, ob er noch Junge ist oder schon ein junger Mann. Jedenfalls ist er gerade so betrunken, dass er Lust hat, sich mit der Polizei anzulegen. Vielleicht ist er aber auch schon so betrunken, dass er einfach nicht mehr von der Stelle kommt. Ein Freund zerrt ihn am Ärmel, einmal, zweimal, dreimal. Endlich bewegt er sich und macht dem Streifenwagen den Weg frei. Die Beamten und Beamtinnen drinnen tun so, als wäre nichts. Sie ahnen, dass ihre Autorität hier beschränkt ist. Sie fahren weiter.

An der Playa de Palma ist die Pandemie schon lange vorbei, jedenfalls in den Köpfen. „So geht das hier jeden Abend seit Ende April“, sagt Christian Lafourcade, der uruguayische Wirt der deutschen Kneipe Zur Krone ganz in der Nähe vom Balneario 6, den die Deutschen Ballermann nennen. „Von dort unten am Balneario 2 bis hinauf zum Balneario 8, das sind 1800 Meter. Am vergangenen Donnerstag waren hier zwei- bis dreitausend Leute, am Wochenende fünf- bis sechstausend.“ Die allermeisten von ihnen sind Deutsche, Leute um die 20. In der Nähe der „Krone“ steht eine kleine Gruppe junger Spanier. Man erkennt sie daran, dass sie Masken tragen.

Der uruguayische Wirt Christian Lafourcade. © Quelle: Martin Dahms
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Deutsche am Ballermann: „Leute, denen es gut geht“

Die Deutschen auf der Uferpromenade sind „Leute, denen es gut geht“, sagt eine junge Frau aus Bayern. Sie und ihre Freundin tragen neonblinkende Plastikkrönchen. Die sieht man hier überall, als feierte die ganze Welt Junggesellinnenabschied. „Nö“, sagt die Bayerin, „die Kronen verkauft jemand dahinten.“

Die beiden Freundinnen stehen noch etwas abseits der Massen. Sie schauen sich das an: die Leute dicht an dicht, die quatschen, lachen, grölen, singen; aus irgendwelchen Lautsprechern kommt Musik; irgendjemand hat ein kleines Megafon dabei und verbreitet damit Unsinn. Dies ist nicht der Ort und der Moment für vernünftige Gespräche.

Versuchen wir’s trotzdem. „Ja, haben wir gehört, das vom Robert Koch-Institut“, sagt die eine der beiden Bayerinnen. „Da kann man nichts machen. Da müssen wir in Quarantäne.“ Noch ist es nur ein Gerücht, das sich einen halben Tag später, am Freitagmittag, bestätigt: Ab Dienstag gilt ganz Spanien aus deutscher Sicht als Hochinzidenzgebiet.

Sieben-Tage-Inzidenz liegt in Spanien bei 333

Ist es auch, mit einer Sieben-Tage-Inzidenz von 338,9 und einer 14-Tage-Inzidenz von 700,1 – auf Mallorca 775,1. Man kann sich leicht anstecken, gerade wenn man feiert, wie die Leute am Strand feiern. Aber das Virus ist hier vergessen. Bei der Rückreise wird man ab diesem Dienstag wieder dran erinnert: Wer nicht geimpft ist, muss für mindestens fünf Tage in Quarantäne. Kein Grund, sich die gute Laune verderben zu lassen. „Später diesen Sommer hätten wir auch gar nicht reisen können“, sagen die beiden mit den blinkenden Krönchen. Sie sind jung und deswegen sorglos und noch nicht geimpft.

© Quelle: Martin Dahms

„Irgendwann hat man Verantwortung für sich selbst“, sagen Alex, Daniel und Markus, die an einem Tisch draußen vor der „Krone“ Kniffel spielen. Sie haben die Feiernden auf der anderen Straßenseite im Blick, schließen sich aber nicht an. „Im Vergleich zu denen ist es wahrscheinlich sehr unspektakulär, wie wir hier den Abend verbringen.“ Sie sind aber auch nicht mehr so jung: 26 bis 32, stehen schon im Berufsleben und sind alle geimpft. „Man muss ja irgendwann in die Normalität zurückkommen. Und wenn nicht durch die Impfung – dann gar nicht.“ Ob Spanien nun Hochinzidenzgebiet ist oder nicht, tangiert sie eher wenig.

Die Mallorquiner sind besorgt

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Sorgen machen sich aber die mallorquinischen Hoteliers und Kneipiers. Der Reservierungen seien in dieser Woche um rund 30 Prozent im Vergleich zur Vorwoche zurückgegangen, sagt María Frontera, die Präsidentin des mallorquinischen Hotelierverbandes. Auch Christian Lafourcade von der „Krone“ rechnet mit weniger Umsatz nach der deutschen Entscheidung.

„Aber wir sollten nicht auf diesen oder den nächsten Monat schauen, sondern darauf, dass wir die Pandemie überwinden“, sagt er. „Und das wird mit den Impfungen geschehen.“ Mehr als die Hälfte der Spanier sind komplett geimpft, fast zwei Drittel mindestens einmal. Lange wird Spanien kein Hochinzidenzgebiet sein.

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