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„Absolute Sauerei“: Madeira-Urlauber müssen in Quarantäne – trotz niedriger Inzidenz

  • Ganz Portugal gilt seit Dienstag als Virusvariantengebiet. Das bedeutet: zwei Wochen strikte Quarantäne für zurückkehrende Reisende.
  • Das gilt selbst dann, wenn sie auf der Insel Madeira waren, wo die Inzidenz nur bei 22 liegt.
  • Viele der betroffenen Urlauberinnen und Urlauber sind sauer.
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Die Stimmung am Flughafen Hannover-Langenhagen war aufgebracht am Dienstagabend: Etwa 100 Urlauberinnen und Urlauber waren von Madeira zurückgekehrt. Die Insel liegt vor der Nordwestküste Afrikas, ist aber eine autonome Region Portugals. Und deshalb gilt Madeira auch seit Dienstag als Virusvariantengebiet. Obwohl gut 850 Kilometer Ozean zwischen Insel und Festland liegen. Und obwohl die Sieben-Tage-Inzidenz auf Madeira nur bei 22 liegt.

Für die Reiserückkehrerinnen und Reiserückkehrer bedeutet das: Sie müssen vom Flughafen auf direktem Weg nach Hause fahren und dort für 14 Tage in Quarantäne. Eine Verkürzung durch einen Corona-Test ist nicht möglich, Ausnahmen für Geimpfte und Covid-19-Genesene gibt es nicht. Als „eine absolute Sauerei“ bezeichnete Thomas Ros das nach dem Auschecken gegenüber der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“ (HAZ).

Madeira: 1388 Euro für früheren Rückflug

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Er war im Urlaub von der Einstufung als Virusvariantengebiet überrascht worden – wie wohl die meisten Reisenden. Schätzungen des Deutschen Reiseverbandes (DRV) machten etwa 1000 Deutsche in dem Land Urlaub. „Es sind noch nicht so viele, weil Portugal erst seit Kurzem wieder leicht zugänglich ist“, sagte DRV-Sprecherin Kerstin Heinen.

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Viele der Reisenden hatten versucht, vor Dienstag zurück nach Deutschland zu kommen. Doch das gestaltete sich in zahlreichen Fällen als schwierig bis unmöglich. Etliche Flugverbindungen am Sonntag und Montag waren innerhalb kürzester Zeit ausverkauft. Bei der Lufthansa gab es die günstigsten Resttickets für frühere Direktflüge vom Festland Portugals nach Frankfurt ab 650 Euro, Madeira-Reisende mussten bis zu 1388 Euro zahlen.

Mehrere Fluggäste berichten gegenüber der HAZ außerdem, dass der Service des Reiseveranstalters „unterirdisch“ und „mangelhaft“ gewesen sei. Teilweise wurden Alternativen angeboten, jedoch mit absurden Reiserouten: „Uns ist eine frühere Rückreise angeboten worden – aber quer durch Europa mit 50 Stunden Flugzeit“, sagt Nicole Ronneberger der HAZ, die mit ihrer Mutter Ursula neun Tage auf Madeira gewesen war.

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Ursula (l.) und Nicole Ronneberger hätten einen die Quarantäne umgehen können. Doch die Alternative hätte 50 Stunden Flugzeit quer durch Europa umfasst. © Quelle: Samantha Franson

Vor allem aber die Quarantänepflicht sorgt für heftige Kritik bei den Heimkehrern und Heimkehrerinnen. „Quarantäne für Reiserückkehrer aus Lissabon verstehe ich – aber bei Madeira ist es wirklich unbegreiflich“, sagte Ursula Ronneberger. Die Delta-Variante hat sich binnen kurzer Zeit massiv in Portugal verbreitet, vor allem in der Hauptstadtregion und an der Algarve. Lag die Sieben-Tage-Inzidenz in der Urlaubsregion am 5. Juni noch bei 31, schnellte sie in die Höhe – und liegt inzwischen bei 224,2. In Lissabon wird für Dienstag ein Wert von 233,3 angegeben.

Unverständnis gibt es nicht nur bei Reisenden, sondern auch in der Tourismusbranche: „Wir wünschen uns, dass die Zielgebiete differenziert angeschaut werden“, sagte DRV-Sprecherin Kerstin Heinen am Montag. Sie verwies hier ebenfalls auf Madeira und die niedrige Inzidenz von aktuell 22. Dass die Insel dennoch wie ganz Portugal als Virusvariantengebiet gelistet wird, sei „nur schwer nachzuvollziehen“.

RND/gei

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