• Startseite
  • Reise
  • Kritik an Übernachtungsverbot: Reiseverband warnt vor Pleitewelle

Kritik an Übernachtungsverbot: Reiseverband warnt vor Pleitewelle

  • Die drastischen Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie betreffen auch Reisen innerhalb Deutschlands.
  • Touristische Übernachtungen werden ab dem 2. November verboten.
  • Der Deutsche Reiseverband warnt vor schwerwiegenden Folgen.
|
Anzeige
Anzeige

Dem Beschluss aus der Bund-Länder-Konferenz zufolge sollen ab Montag, 2. November, Übernachtungsangebote nur noch für notwendige und ausdrücklich nicht touristische Zwecke zur Verfügung gestellt werden. Diese Maßnahme kommt einem Verbot touristischer Reisen in Deutschland gleich.

Für die ohnehin angeschlagene Tourismusbranche ist das ein Schock: „Das angekündigte Übernachtungsverbot für innerdeutsche touristische Reisen ist für die deutsche Reisewirtschaft, den Deutschland-Tourismus und die Hotellerie erneut ein schwerer Schlag und für die Kunden sehr bedauerlich“, so Norbert Fiebig, Präsident des Deutschen Reiseverbandes (DRV), gegenüber dem RedaktionsNetzwerk Deutschland. Viele Anbieter hätten bereits in den vergangenen Monaten aufgegeben. Durch die neuen Maßnahmen würden weitere gezwungen sein, ihr Geschäft einzustellen.

Reiseverband rechnet mit Umsatzrückgang von 80 Prozent

Weiterlesen nach der Anzeige
Anzeige

Finanzminister Olaf Scholz hatte angekündigt, Unternehmen Umsatzausfälle in großen Teilen zu ersetzen und dafür Gelder in Milliardenhöhe lockermachen zu wollen. Fiebig bezeichnete es als „überlebenswichtig“, dass die Umsatzerstattung schnell und unbürokratisch erfolge. In der Zeit von März bis zum Jahresende rechnet der DRV mit einem Umsatzeinbruch von mehr als 28 Milliarden Euro bei Reiseveranstaltern und Reisebüros, das entspreche einem Umsatzrückgang von rund 80 Prozent.

Anzeige

Auch der Tourismusverband Niedersachsen warnte: „Jetzt könnte es für viele Betriebe zu einem wirtschaftlichen Kollaps kommen und für die Tourismusbranche insgesamt zu großen Schäden“, erklärte Verbandschef Sven Ambrosy am Donnerstag in Jever. Der Tourismus sei ein bedeutender Wirtschaftsbereich im Land. Nach dem Lockdown im Frühjahr habe man gehofft, die Umsatzverluste im Laufe des Jahres wieder aufzuholen.

Die Pandemie und wir In unserem Newsletter ordnen wir die Nachrichten der Woche, erklären die Wissenschaft und geben Tipps für das Leben in der Krise – jeden Donnerstag.
Anzeige

Einschränkungen seien zwar nötig, sagte Ambrosy, aber die Maßnahmen beträfen auch Gebiete, in denen die Zahl der Neuinfektionen unter den kritischen Werten liege. Zudem sei bis heute wissenschaftlich nicht erwiesen, dass das innerdeutsche touristische Reisen zur Verbreitung des Virus beitrage. Die Sommerferien in Deutschland hätten nach heutiger Erkenntnis nicht zur Erhöhung des Infektionsgeschehens beigetragen.

„Damit die Diskussion über Verbote für das Gastgewerbe nicht immer wieder von vorne geführt wird, fordern wir, dass jetzt wissenschaftlich geprüft wird, ob innerdeutsche Reiseaktivitäten überhaupt epidemiologische Auswirkungen auf die Verbreitung des Coronavirus haben“, sagte Ambrosy.

Welche Rolle spielen Reisen bei der Ansteckung?

Zwar heißt es vom Robert-Koch-Institut (RKI), dass derzeit viele Fälle auf private Treffen und Gruppenveranstaltungen zurückgehen, das gilt aber nur für die Fälle, bei denen der Ursprung der Ansteckung bekannt ist. Derzeit lässt sich jedoch für den überwiegenden Teil gar nicht nachvollziehen, wo die Infektion passiert ist. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte am Mittwoch gesagt, die Entwicklung sei inzwischen an einem Punkt, bei dem man bei 75 Prozent der Infektionen nicht mehr wisse, woher sie kämen.

mit dpa

“Staat, Sex, Amen”
Der neue Gesellschaftspodcast mit Imre Grimm und Kristian Teetz
  • Laden Sie jetzt die RND-App herunter, aktivieren Sie Updates und wir benachrichtigen Sie laufend bei neuen Entwicklungen.

    Hier herunterladen