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UN-Umweltpreisträger erklärt: So können Hotels klimaneutral werden

  • Die Vereinten Nationen haben zum ersten Mal einem Hotel ihren Umweltpreis verliehen.
  • Das Bucuti & Tara Beach Resort auf Aruba ist das erste klimaneutrale Hotel der Karibik.
  • Im Interview erzählt Betreiber Ewald Biemans, wie er das geschafft hat – und wie das Resort die Coronavirus-Pandemie erlebt.
Leonie Zimmermann
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Das Bucuti & Tara Beach Resort auf Aruba ist ein Vorbild, wenn es um nachhaltigen Tourismus geht. Es ist das erste klimaneutrale Hotel der Karibik und dafür als erstes Resort weltweit mit dem „Global United Nations Climate Action Award“ ausgezeichnet worden. Für den österreichischen Inhaber Ewald Biemans ist das aber nur die Spitze des Eisbergs. Er setzt sich bereits seit Gründung seines Unternehmens im Jahr 1987 für mehr Umweltschutz im Tourismus ein. Und er hat noch große Pläne. Wie die aussehen und was das Coronavirus für sein Resort bedeutet, erzählt er im Interview.

Sie haben Ihr Geschäftskonzept komplett auf Nachhaltigkeit aufgebaut, Gäste bekommen wiederverwendbare Flaschen, das Wasser wird wieder aufbereitet und Ihr Fitnessstudio produziert Strom, um nur einige der Maßnahmen in Ihrem Resort zu nennen. Warum ist Ihnen Nachhaltigkeit so wichtig?

Ich sage oft zu anderen Menschen, dass wir nicht im Tourismusgeschäft, sondern im Naturgeschäft sind. Gäste aus der ganzen Welt kommen nach Aruba wegen unserer atemberaubenden weißen Sandstrände und des klaren türkisfarbenen Wassers. Die Karibik hat den Klimawandel nicht verursacht, aber wir gehören zu den am stärksten gefährdeten Ländern der Welt, was seine verheerenden Folgen betrifft. Wie viele karibische Inseln liegt Aruba kaum über dem Meeresspiegel. Wenn der Klimawandel – oder, wie ich es nenne, die globale Erwärmung – anhält, werden in nur 20 bis 30 Jahren die Wellen an den Hintertüren unseres Urlaubsortes schlagen, und doch befinden wir uns am breitesten Strand von Eagle Beach. Die Gäste werden schnorcheln müssen, nur um unseren Strand zu sehen!

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Und um das zu verhindern, verändern Sie die Regeln des Hotelbusiness in Ihrem Unternehmen und haben damit auch andere Bewohner der Insel bereits inspiriert. In welchem Bereich ist die Umstellung auf nachhaltige Alternativen dabei am schwierigsten?

Der schwierigste Teil ist die Denkweise der Regierungsstellen und das Unverständnis für den Schaden, den wir anrichten. Kurzfristiges Einkommen oder ein schneller Gewinn untergräbt die Nachhaltigkeit unserer Natur. Und das wird zukünftige Generationen schwer behindern.

Sie gehen mit gutem Beispiel voran. Aber was können andere Hoteliers weltweit von Ihnen lernen?

Es ist durchaus möglich, ein finanziell erfolgreiches Hotel zu führen, den Gästen einen unvergesslichen Urlaub zu bieten und gleichzeitig nachhaltig Verantwortung zu übernehmen. Bucuti & Tara beweist jeden Tag, dass denkwürdige Ferien und Nachhaltigkeit sich gegenseitig einschließen. Der Klimawandel betrifft jeden, daher hat jeder Hotelier weltweit ein Interesse daran, ihn zu korrigieren.

Apropos unvergesslicher Urlaub: Wie reagieren Ihre Gäste denn auf ihr doch recht unkonventionelles Konzept?

Sie schätzen den schuldfreien Urlaub. Seit Jahren laden wir zum Beispiel Gäste zu unseren wöchentlichen Strandsäuberungen ein. Das kommt immer sehr gut an, sie lieben es, die Meerestiere und den Strand zu schützen, die sie im Urlaub erleben wollen.

Für diese und weitere Aktionen wurden Sie nun ja auch ausgezeichnet. Was bedeutet der Award für Sie?

Erstens bedeutet er, dass wir bewiesen haben, dass es möglich ist, und zweitens, dass es jeder tun kann und sollte. Er bedeutet, dass es Hoffnung für unsere Zukunft gibt. Und dass wir alles in unserer Macht stehende tun werden, um auch andere davon zu überzeugen, unseren Erfolg zu wiederholen. Und es motiviert uns für unser nächstes großes Ziel: Wir arbeiten daran, kohlenstoffnegativ zu werden.

Sie setzen sich große Ziele – wie schaffen Sie es, diese auch umzusetzen?

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Wir haben vor 28 Jahren mit einem Teamleiter für Nachhaltigkeit begonnen, seit etwa zwölf Jahren beschäftigen wir einen Vollzeit-Nachhaltigkeitsmanager, der maßgeblich an der Erreichung unserer Ziele beteiligt war. Jeder Aspekt muss und wird in der gesamten Organisation sorgfältig verfolgt und verwaltet. Obwohl jede Führungskraft die Verantwortung für den Umweltschutz teilt, haben wir ein extra Greenteam.

Wie wirkt sich die Coronavirus-Pandemie auf Ihren derzeitigen Alltag aus?

Als die Corona-Pandemie in diesem Frühling die Welt dazu veranlasste, die Grenzen zu schließen, haben wir uns dazu entschieden, nicht zu schließen. Wir wollten unsere Mitarbeiter weiter beschäftigen und haben die Zeit genutzt, um neue Angebote zu entwickeln und den Poolkomplex und das Restaurant zu renovieren. Außerdem hatten wir trotz Pandemie einige Gäste und haben auch Notärzte und Krankenschwestern aufgenommen, die uns bei unserem neuen Hygienekonzept unterstützt haben. Und jetzt warten wir gespannt darauf, dass der normale Betrieb weitergehen kann.

Aktuell ist ja kaum absehbar, wann internationale Reisen wieder uneingeschränkt möglich sind. Was wünschen Sie sich denn für die Zeit nach der Pandemie für die Tourismusbranche?

Es gibt keinen besseren Zeitpunkt als jetzt, um verantwortungsbewusstes Reisen zum Standard zu machen. Vielen Menschen ist nicht bewusst, dass zwischen COVID-19 und dem Klimawandel ein enger Zusammenhang besteht. Es ist die sechste Pandemie seit dem Grippeausbruch von 1918, die ausschließlich durch menschliche Aktivitäten ausgelöst wurde.

Was muss sich denn im Hotelgewerbe konkret verändern, um genau das zu erreichen?

Viele Hoteliers müssen anfangen, eines zu verstehen: Rentabilität und Nachhaltigkeit schließen sich nicht aus, sie existieren nebeneinander. Bei der Nachhaltigkeit geht es nicht nur darum, ein schönes Stück Land zu schützen oder Emissionen zu reduzieren. Als Menschen sind wir negativ betroffen von Umweltverschmutzung, vom Anstieg des Meeresspiegels, der uns weiter ins Landesinnere drängt, von zerstörerischen Wirbelstürmen und Wettersystemen, die Eigentum zerstören, und so vielem mehr. Als Hoteliers müssen wir erkennen, dass Nachhaltigkeit kein Zusatznutzen ist, wir müssen unsere Verantwortung wahrnehmen und unsere Teams, unsere Gäste und unseren Planeten schützen.

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