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Kein Ende des Reisestillstands: Tourismusverband wirft Politik Wortbruch vor

  • Die Hotels müssen geschlossen bleiben, Millionen Urlauber weiterhin auf Reisen verzichten.
  • Die aktuellen Corona-Beschränkungen werden bis in den März verlängert.
  • Die fehlende Perspektive für ein Ende des Stillstands sorgt in der Reisebranche für heftige Kritik.
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Der Reisestillstand wird bis mindestens zum 7. März verlängert, das ist das Ergebnis des Corona-Gipfels am Mittwoch. Trotz der Appelle aus der Tourismusbranche für schrittweise Lockerungen sind vorerst keine Erleichterungen vorgesehen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) begründete die Verlängerung des Lockdowns unter anderem mit der Ausbreitung von ansteckenderen Varianten des Coronavirus: „Wir wollen alles tun, damit wir nicht in eine Wellenbewegung hoch und runter, auf und zu kommen.“

Damit dürfen die knapp 44.000 Hotels, Pensionen, Gasthöfe und andere Unterkünfte in Deutschland weiterhin keine Urlauber beherbergen, das touristische Übernachtungsverbot gilt seit dem 2. November. Nicht notwendige private Reisen und Besuche sollen weiterhin unterlassen werden. Das Tragen von OP-Masken oder Masken mit FFP2- oder einem vergleichbaren Standard in Bussen und Bahnen bleibt Pflicht.

Keine Perspektive für Hotels und Reisebüros

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Weitere Öffnungsschritte soll es laut dem Beschluss von Bund und Ländern aber erst geben, wenn die Zahl der Neuinfektionen weiter sinkt. Sollte die sogenannte Sieben-Tage-Inzidenz der Neuinfektionen bis zum 7. März stabil unter 35 gesunken sein, sollen die Beschränkungen von den Ländern danach schrittweise gelockert werden können. Dann sollten zunächst der Einzelhandel, Museen und Galerien sowie Betriebe mit körpernahen Dienstleistungen unter konkreten Auflagen wieder aufmachen können. Momentan liegt die Zahl pro 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen bundesweit im Schnitt bei 68 bestätigten Neuinfektionen täglich.

Offen bleibt, wie genau es für Restaurants, Hotels, Museen, Clubs, Theater und Konzerthäuser sowie den Amateursport weitergehen soll. In dem Beschluss heißt es dazu lediglich, Bund und Länder arbeiteten „weiter an der Entwicklung nächster Schritte der sicheren und gerechten Öffnungsstrategie“.

Reisebranche fordert Öffnungsperspektive

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In der Tourismusbranche sorgt der Beschluss für heftige Kritik. Der Deutsche Tourismusverband (DTV) wirft der Politik gar Wortbruch vor: „Die Tourismusakteure erwarten zu Recht ein planbares, bundeseinheitliches und nachvollziehbares Konzept für den Neustart, zumal genau das in der vorhergehenden Bund-Länder-Runde angekündigt wurde“, so DTV-Geschäftsführer Norbert Kunz.

Auch der Deutsche Reiseverband (DRV) hat kein Verständnis für den Beschluss: „Wer ganze Wirtschaftszweige in den Lockdown schickt, muss auch Konzepte für den Restart vorlegen“, sagt Präsident Norbert Fiebig. Die Branche befinde sich, von einer kurzen Phase der Erholung im Sommer abgesehen, de facto seit einem Jahr im Lockdown – ohne eine Perspektive. Aber, so Fiebig weiter: „Die Menschen in der Reisebranche brauchen aber nichts dringender als eine Perspektive.“ Viele Reisebüros, Reiseveranstalter und weitere Dienstleister im Tourismus hätten bereits ihr Geschäft aufgeben müssen oder würden kurz vor der Insolvenz stehen.

Dürfen Hotels und Ferienwohnungen erst ab Inzidenz unter 20 öffnen?

Womöglich ist eine Lockerung für das Hotelgewerbe erst ab einer stabilen Inzidenz von 20 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in sieben Tagen geplant – das deutete zumindest ein Dreistufenplan an, der im Vorfeld zur Videoschaltkonferenz an alle Länderchefs und Kanzlerin Merkel ging. Für den Deutschen Ferienhausverband völlig unverständlich: „Es gibt keine plausible Begründung, warum Ferienwohnungen und Ferienhäuser erst ab einer Inzidenz von unter 20 im Zielgebiet öffnen sollten“, kritisiert Geschäftsstellenleiterin Michelle Schwefel.

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Die Ansteckungsgefahr bei dieser Art des Urlaubs sei gering – denn Ferienwohnungen seien autark, Urlauber können sich selbst versorgen, die Anreise erfolge meist mit dem eigenen Pkw. Zudem würden Ferienhausgäste in der Regel mit der eigenen Familie, mit Personen des eigenen Haushalts, reisen. Daher, so Schwefel weiter, werde „der Grundsatz der Verhältnismäßigkeit über Bord geworfen“. Die Politik müsse in diesem Punkt stärker differenzieren, sonst würden „massive Konsequenzen“ drohen: „Ein Vermietungsverbot bis womöglich in den Sommer kann die Branche nicht abfedern.“

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