• Startseite
  • Reise
  • Kanaren: Tourismus bricht ein - Angst vor deutscher Reisewarnung

Tourismus auf Kanaren bricht ein – die Furcht vor der Reisewarnung

  • Die Kanaren zittern vor der Einstufung als Risikogebiet.
  • Bereits im Juli kamen knapp 80 Prozent weniger Touristen als im Vorjahr – bei einer deutschen Reisewarnung würden noch mehr Reisen wegbrechen.
  • Viele Einwohner sind aufgrund der Situation verzweifelt.
|
Anzeige
Anzeige

Am Montag wollten Ana und David zurück nach Madrid fliegen. Jetzt hängt das junge Paar im Hotel auf Fuerteventura fest: David fühlte sich nicht wohl, für alle Fälle hat er die Gesundheitsbehörden informiert. Nun wartet er darauf, auf das Coronavirus getestet zu werden. “Wir sind eigentlich kaum mit anderen Leuten in Kontakt gewesen”, berichtet Ana, “immer nur vom Hotel raus auf den Strand zum Kitesurfen.” Könnte auch ein Sonnenstich sein, glaubt sie. Aber sicher ist sicher. Mit dem Virus spaßt man nicht.

Ana und David gehören zu denen, die die trotzdem gewagt haben, in den Urlaub aufzubrechen. Aber in ihrem Hotel, sagt Ana, “sind ziemlich wenig guiris”. Gemeint sind nordeuropäische Touristen, Deutsche und Engländer zum Beispiel.

++++ Update: Die Kanaren gelten seit Mittwochabend, 2. September, als Corona-Risikogebiet. Zum aktuellen Artikel geht es hier. ++++

Weiterlesen nach der Anzeige
Anzeige

Ein Viertel der Kanaren-Urlauber sind Deutsche

Die bleiben dieses Jahr meistenteils zu Hause – “aus Angst”, vermutet Ángel Víctor Torres, der Regionalpräsident der Kanaren. Im Juli kamen 215.600 ausländische Touristen auf die Atlantikinseln (gut ein Viertel davon Deutsche), das ist ein Einbruch um 79,1 Prozent im Vergleich zum Juli 2019. Für den August gibt es noch keine Zahlen, aber sie dürften noch schlechter aussehen.

Britische Regierung warnt bereits vor Reisen auf die Kanaren

Anzeige

Schon seit Ende Juli warnt die britische Regierung vor Reisen nach ganz Spanien, Kanaren eingeschlossen. Die deutsche Bundesregierung macht dagegen immer noch eine Ausnahme mit den Inseln vor der afrikanischen Westküste – obwohl es Zeit für eine Neubewertung wäre.

Die Kanaren gehörten lange Zeit – auch während der schlimmsten Phase der Epidemie Ende März/Anfang April – zu den eher gering betroffenen Regionen Spaniens. Das hat sich in den letzten Wochen geändert. Am Montag vergangener Woche übertraf die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb der vorangegangenen sieben Tage erstmals den Wert von 50. Bis zu diesem Montag war er auf 95,62 geklettert und übertraf damit deutlich die Balearen mit 57,16 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner. Während auf den Mittelmeerinseln die Ansteckungsrate sinkt, steigt sie auf den Kanaren im Atlantik.

Ein Beispiel ist die kleine Insel El Hierro, auf der sich bis Ende April nur drei Menschen angesteckt hatten. Nun aber haben sich in den sieben Tagen der vergangenen Woche 29 Menschen auf der Insel infiziert, was eine Ansteckungsrate pro 100.000 von 260 ergibt – schlimmer als in Madrid, der derzeit am schwersten betroffenen spanischen Region.

Tui-Urlauber fliegen auf Kanaren statt auf Balearen

Es wäre demnach vernünftig, auch die Kanarischen Inseln derzeit zu meiden. Als die Bundesregierung Mitte August eine Reisewarnung für das gesamte spanische Festland und die Balearen aussprach, “sind viele unserer Gäste auf die Kanaren, aber auch nach Portugal und Griechenland ausgewichen”, berichtet Tui-Sprecher Aage Dünhaupt.

Anzeige

Über die momentane Lage auf den Kanaren will er nichts sagen, nur so viel: Das Geschäft sei zurzeit “äußerst kurzfristig”. Das kann man auch positiv wenden: Sobald sich die Infiziertenzahlen deutlich verringern, könnten auch wieder die Touristen zurückkehren.

Jetzt gerade aber ist die Lage zum Verzweifeln schlecht. “Der Tourismus liegt auf der Intensivstation”, sagt der Präsident des Hotelverbandes von Teneriffa, Jorge Marichal, “sediert mit Kurzarbeit.” Sollten die derzeitigen, großzügigen Regeln für die Anmeldung und Verlängerung von Kurzarbeit in der spanischen Tourismuswirtschaft auslaufen, würde die Arbeitslosenrate explodieren – “auf 35 bis 40 Prozent”, schätzt Victoria López vom kanarischen Hotelverband Ashotel. Solange die Touristen fortbleiben, hängen Unternehmer und Arbeiter am Subventionstropf.

Video
Neue Regeln für Corona-Urlauber
2:09 min
Bund und Länder erhöhen angesichts steigender Coronavirus-Infektionen den Druck auf Urlauber.  © Reuters

Hotelverbände fordern Corona-Tests für Urlauber bei Einreise und Ausreise

“Die Kanaren haben große Chancen”, wagte der kanarische Ministerpräsident Torres an diesem Dienstag in einem Radiointerview zu sagen. “Wir haben im September entscheidende Wochen vor uns, um die Lage umzukehren.” Die Frage ist, wie. Die Hotelverbände fordern Tests bei der Ein- und bei der Ausreise – und so viele Tests wie möglich unter den Einwohnern der Kanaren selbst, um “Sicherheit und Glaubwürdigkeit” zurückzugewinnen, sagte der Hotelier Marichal am Montag vor dem Tourismusausschuss des kanarischen Parlaments.

Sein Kollege José María Mañaricúa aus Las Palmas klagte bei derselben Gelegenheit, dass alle bisherigen Corona-Maßnahmen offenbar nicht ausreichend gewesen seien. Er rechnete deswegen damit, dass bald auch Deutschland seine Flüge zu den Kanaren einstellen werde.

“Staat, Sex, Amen”
Der neue Gesellschaftspodcast mit Imre Grimm und Kristian Teetz
  • Laden Sie jetzt die RND-App herunter, aktivieren Sie Updates und wir benachrichtigen Sie laufend bei neuen Entwicklungen.

    Hier herunterladen