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  • Kanaren: Noch keine Reisewarnung trotz steigender Corona-Infektionszahlen – Inseln auf dem Weg zum Risikogebiet

Auf dem Weg zum Risikogebiet: Corona breitet sich auf den Kanaren aus

  • Die Kanarischen Inseln sind die letzte Region Spaniens, für die noch keine Reisewarnung gilt.
  • Doch die Corona-Infektionen steigen.
  • Was läuft falsch in dem beliebten Urlaubsland?
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Las Palmas. “Wir fühlen uns im Moment noch sicher”, sagt Klaus-Dieter Knode. Der Düsseldorfer Rentner ist seit Montag vergangener Woche mit seiner Frau in Maspalomas auf Gran Canaria. Am kommenden Montag soll es wieder nach Hause gehen. Wenn das Virus nicht alle Pläne über den Haufen wirft. Die Kanarischen Inseln vor der westafrikanischen Atlantikküste waren am Donnerstagmorgen die einzige spanische Region, für die die Bundesregierung noch keine Reisewarnung ausgesprochen hatte. Doch am Dienstag verwies das Auswärtige Amt auf seiner Website erstmals darauf, dass auch dort “die Infektionszahlen zuletzt angestiegen” seien.

Corona auf Kanaren: Kritischer Wert überschritten

Konkret: Am Montag wurde dort erstmals der kritische Wert von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb der vergangenen sieben Tage überschritten; am Mittwochnachmittag vermeldete das spanische Gesundheitsministerium einen Wert von 72,91. Eine Reisewarnung für die Kanaren dürfte kurz bevorstehen. “Ach du lieber Gott”, sagt Knode, als er das hört.

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Die Kanaren waren in den vergangenen beiden Wochen die letzten spanischen Inseln der Glückseligen. Während fast überall auf dem Festland und auf den Balearen die Warnlichter wegen unaufhaltsam zunehmender Coronavirus-Infektionen angingen, konnte man sich auf den Atlantikinseln – so wie die Knodes – sicher fühlen. Doch jetzt sind auch hier die Zahlen sprunghaft angestiegen, vor allem auf Gran Canaria und dort in erster Linie in der Inselhauptstadt Las Palmas.

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Spanien an der Spitze der Neuinfektionen

Spanien ist mit großem Abstand das europäische Land mit den meisten Neuinfektionen. Die europäische Seuchenschutzbehörde ECDC gibt jeden Vormittag die Vergleichswerte auf 100.000 Einwohner innerhalb der letzten 14 Tage bekannt: Dort steht Spanien mit 183,1 Fällen einsam an der Spitze vor Malta mit 120,1 und Luxemburg mit 97,1. Italien, das Sorgenland zu Beginn der Krise in diesem Frühjahr, steht bei 16,5 und Deutschland bei 20,7 Fällen.

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“Im Schlepptau des Virus”

Was läuft falsch in Spanien? Es gibt nicht die eine gute Erklärung – aber ein paar Indizien, die für ein allgemeines Politikversagen sprechen. Weder die nationale spanische Regierung unter Ministerpräsident Pedro Sánchez noch die 17 Regionalregierungen haben sich nach Ende des ersten Alarmzustandes am 21. Juni gut genug auf die Zeit danach vorbereitet. “Wir haben beschlossen, immer im Schlepptau des Virus zu handeln”, schreibt der Biologe José Antonio López Guerrero von der Madrider Universidad Autónoma bissig, “immer hinterher.”

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Regierung stuft Mallorca als Corona-Risikogebiet ein
2:31 min
In Regierungskreisen wurde betont, dass die Einstufung als Risikogebiet kein Reiseverbot für Spanien darstellt.  © Reuters

Sowohl Politiker als auch einige Ärzte waren nach dem glücklichen Niederringen der Infektionskurve durch eine der härtesten Ausgangssperren der Welt davon überzeugt, dass danach ein entspannter Sommer mit wenigen Neuinfektionen auf Spanien warte. Es kam anders. Während die Infiziertenzahlen nach nur wenigen Wochen wieder anstiegen, fehlten in den Gesundheitsämtern die Mitarbeiter, um die Ansteckungsketten schnell und gründlich nachzuvollziehen. Und sie fehlen immer noch.

Madrid ist das Zentrum der Seuche

Nach Erfahrungen der Epidemiologen bräuchte es in dieser Pandemie um die 25 rastreadores (was in etwa mit “Spurensucher” zu übersetzen wäre) pro 100.000 Einwohner. Auf Gran Canaria (mit gut 865.000 Einwohnern) sollten also 215 Leute für die Spurensuche zuständig sein. Es sind aber nur 158. Anfang des Monats waren es erst 100. Immer im Schlepptau des Virus.

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In Madrid sieht es nicht besser aus. Die Hauptstadtregion mit gut 6,6 Millionen Einwohnern ist heute wieder, wie während der ersten Welle, eines der Zentren der Seuche: Es gab gut 13.000 Neuinfektionen innerhalb der letzten sieben Tage, das sind etwa 198 Fälle auf 100.000 Einwohner.

Das Gesundheitssystem ist damit restlos überfordert. Die Tageszeitung “El Mundo” ließ in ihrer Mittwochsausgabe Betroffene zu Wort kommen. Eine junge Mutter namens Laura berichtete, wie sie ihr zuständiges Gesundheitszentrum über eine mögliche Ansteckung durch einen Verwandten informierte. “Kein rastreador rief mich an. Die Nachverfolgung der Infektionen ist null.” Das Virus breitet sich aus.

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