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Flanieren verboten: Florenz untersagt Abendspaziergänge in beliebten Vierteln

  • Die Touristinnen und Touristen kehren zurück nach Italien – doch das kommt nicht überall gut an.
  • Die Stadt Florenz hat jetzt eine Verordnung erlassen, die das Flanieren am Abend in den beliebten Ausgehvierteln verbietet, um Überfüllung während der Pandemie zu vermeiden.
  • Bei Verstoß droht eine Geldstrafe.
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Am Abend durch die Straßen von Florenz zu schlendern, ist ab sofort nur noch eingeschränkt möglich. Die Hauptstadt der Toskana hat ein Verbot eingeführt, dass es Menschen verbietet, abends in den beliebten Vierteln der Innenstadt spazieren zu gehen. Um Menschenansammlungen und eine Ausbreitung des Coronavirus zu vermeiden, sei der Zugang zu sechs Bereichen des historischen Stadtzentrums am Donnerstag, Freitag und Samstag zwischen 21 und 6 Uhr nicht gestattet, berichtet CNN. Einzige Ausnahme: Wer eine Bar oder ein Restaurant aufsucht, darf die Gebiete betreten. Die Quittung dient dabei als Nachweis.

Zu den Bereichen, die von der Regelung betroffen sind, zählen unter anderem das beliebte Ausgehviertel Santo Spirito, die Piazza Strozzi, Santa Croce und die Piazza SS Annunziata – alles Orte, an denen sich abends häufig Menschen auf den Stufen von Kirchen und Palästen treffen. Auf den Stufen der Basilika von Santo Spirito ist das Essen und Trinken gar rund um die Uhr untersagt. Wer eine der Regeln missachtet, dem drohe eine Geldstrafe zwischen 400 und 1000 Euro, heißt es in dem Bericht. Das Verbot gelte bis zum Ende der Pandemie.

Anwohner und Anwohnerinnen reagieren verärgert auf das Ausgehverbot

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Doch Anwohnerinnen und Anwohner, die auch vom Tourismus leben, hätten verärgert auf die neue Verordnung reagiert. Es sei nicht richtig, die Menschen von öffentlichen Plätzen auszuschließen – und nur denen Zugang zu gewähren, die eine Quittung von einer Bar vorweisen können, dafür also bezahlen, sagte etwa Veronica Grechi gegenüber CNN. Gleichwohl sei es in Ordnung, dass die Menschen keine Getränke mitbringen dürfen.

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Das Essen zum Mitnehmen ist auch aus Sicht des Museumsdirektors der Uffizien, Eike Schmidt, ein großes Problem. Der aus Deutschland stammende Kunsthistoriker hat dem CNN-Bericht zufolge eine „Sandwichsteuer“ für die Essensstände gefordert. Hintergrund sei weniger der Müll, der dabei zurückbleibe. Öl, Ketchup, Soße, Essensreste und Getränkeflecken griffen zunehmend den Stein der Bänke im Hof der Uffizien an. Sie bestehen seit der Renaissance aus dem Sandstein Pietra Serena. „Der Stein absorbiert alles und wird mit der Zeit beschädigt, daher müssen wir ihn ständig reinigen, um ihn zu schützen“, so Schmidt gegenüber CNN. Ein Beitrag, der beim Verkauf erhoben wird, soll dies erleichtern, so die Idee.

Kritik an Sandwichsteuer: „Absurd“

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Doch auch die stößt teilweise auf Kritik. Vertreter der Branche mahnten, es sei nicht der richtige Moment, nach 18 Monaten einer Pandemie über neue Steuern nachzudenken. Das Gastgewerbe sei eine der von der Corona-Krise am stärksten betroffenen Branchen – und die Idee einer neuen Steuer deshalb „absurd“, sagte Paolo Gori vom Handelsverband Confartigianato Imprese Firenze. Sein Vorschlag: Die Stadt solle stattdessen die Personen bestrafen, die ihren Müll wegwerfen und Florenz verschmutzen. „Wir wollen Touristen, verlangen aber, dass sie sich respektvoll verhalten.“

RND/cs

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