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  • Im Urlaub mit Corona infiziert: Kosten, Versicherung, Arbeit – was Reisende wissen sollten

Im Urlaub mit Corona infiziert – und was nun?

  • Anfang Juli fällt in Deutschland die Reisewarnung für alle Länder, deren Inzidenz unter 200 liegt und die nicht als Virusvariantengebiet gelten.
  • Die Testpflicht für Flugreisende in Deutschland bleibt aber weiterhin bestehen.
  • Wer im Urlaubsland ein positives Corona-Testergebniss erhält, muss auch dort in Quarantäne. Wer zahlt dann den Aufenthalt?
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Ob nun Alpha, Beta, Gamma oder Delta – mittlerweile grassieren unterschiedliche Corona-Varianten verschieden stark in Urlaubsländern. Besonders die Delta-Variante soll ansteckender sein. Doch unabhängig davon, welche Corona-Mutation in einem Land vorherrscht, können sich Reisende am Urlaubsort mit Corona infizieren – und zwar trotz Hygienekonzepten und Corona-Maßnahmen in Flugzeugen, Hotels und anderen Unterkünften. Aber wer zahlt den Quarantäneaufenthalt und die Behandlungskosten bei einem positiven Corona-Test im Urlaub? Welche Rechte haben Arbeitnehmer bei einer Erkrankung? Ein Überblick.

Muss ich mich am Reiseziel auf Corona testen lassen?

Ab dem 1. Juli hebt die Bundesregierung zwar die Reisewarnung für Risikogebiete auf, wenn die Inzidenz dort unter 200 liegt, aber noch bis September gilt für Flugreisende eine Testpflicht vor der Rückreise. Mit Ausnahme von Geimpften und Genesenen müssen sich also alle Personen ab sechs Jahren vor dem Rückflug nach Deutschland mit einem PCR- oder Antigentest auf Corona testen lassen. Wenn dabei eine Infektion festgestellt wird, müssen Reisende noch am Urlaubsort in Quarantäne. Sie dürfen erst nach Hause fliegen, wenn ein erneuter Covid-Test negativ ausfällt und die lokalen Behörden zustimmen. Denn Airlines nehmen nur Gäste mit negativem Testergebnis mit, heißt es von Tui auf Anfrage des RedaktionsNetzwerks Deutschland (RND). Gleiches gilt, wenn bei der Einreise in das Urlaubsland stichprobenartig Fiebermessungen oder Corona-Tests durchgeführt werden und daraufhin das Testergebnis positiv ausfällt.

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Wer kommt bei einer Corona-Infektion für die Kosten auf?

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In diesen Fällen hängt es von der Reiseart ab, wer die Kosten für den Quarantäneaufenthalt und mögliche medizinische Behandlungen trägt. Bei Pauschalreisen können Touristinnen und Touristen direkt vor Ort über eine Minderung des Reisepreises verhandeln, wenn die Quarantäne in die eigentliche Urlaubszeit fällt. Dabei kommt es allerdings auf die Kulanz der einzelnen Veranstalter und die genauen Reiseumstände vor Ort an. In jedem Fall muss sich der Reiseveranstalter um alternative Rückflüge nach dem Ende der Quarantäne kümmern.

Wenn die Quarantäne über den Reisezeitraum hinausreicht, wird das Ganze etwas schwieriger. Denn dann muss der Veranstalter nicht automatisch haften. Doch Reisende müssen sich keine Sorgen machen: Da es sich um eine staatliche Quarantänepflicht handelt, muss laut einer gängigen Auffassung der Rechtslage am Ende derjenige zahlen, der die Quarantäne anordnet. Das ist in dem Fall der jeweilige Staat. Für mögliche Behandlungskosten müssen EU-Reisende gegebenenfalls zunächst selbst aufkommen, können sich diese aber mit der Europäischen Krankenversicherungskarte (EHIC) zurückholen. Welche Leistungen bezahlt werden, regelt das Recht des entsprechenden Reiselandes. So wird in manchen Fällen deutlich weniger übernommen als in Deutschland, wodurch Urlaubende dennoch auf Teilen ihrer Kosten sitzen bleiben können.

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Deutsche Ärztekammer warnt vor Reisen in Delta-Risikogebiete
1:08 min
Die Bundesärztekammer rät von Reisen in Urlaubsgebiete ab, in denen die ansteckendere Delta-Variante des Coronavirus grassiert.  © dpa

Reiseveranstalter und Airlines bietet Corona-Reiseschutz an

Einige Reiseveranstalter wie Tui, FTI, DER Touristik und Alltours bieten allerdings im Falle einer Corona-Infektion am Urlaubsort einen zusätzlichen Reiseschutz an, der entweder dazubuchbar oder schon im Reisepreis enthalten ist. Bei Tui sind Betroffene beispielsweise derzeit durch eine Covid-Protect-Versicherung abgesichert, die es ohne Aufpreis zum Reisepaket dazu gibt. Für sie werden bis zu 14 Tage zusätzlicher Aufenthalt bei positivem Corona-Test übernommen. Außerdem sei der Krankenhausaufenthalt für Menschen, die Symptome zeigten, in der Versicherung abgedeckt.

Auch Individualreisende müssen nicht für einen Quarantäneaufenthalt aufkommen, sie können für die Unterkunft eine Entschädigung vom Staat einfordern. Jedoch bittet die Airline in der Regel die Passagiere zur Kasse, wenn diese den Flug verpassen und keine zusätzliche Versicherungspakete abgeschlossen haben. Doch auch die Lufthansa, Austrian Airlines und Swiss beispielsweise bieten durch AIG Europe Versicherungspakete an. „Travel care Basic“, „Travel care“ und „Travel care Plus“ können auf den Websites der Airlines dazu gebucht werden. Das Leistungsspektrum umfasst je nach Paket eine Reiserücktritts- und Reiseabbruchversicherung aufgrund einer Covid-19-Erkrankung, eine Ausgleichszahlung für eine Quarantäne am Zielort sowie zusätzlich Behandlungskosten und einen medizinischen Notfallrücktransport.

Experten raten: Corona-Versicherungen genau prüfen

Unabhängige Experten raten jedoch dazu, genau zu prüfen, welche Risiken tatsächlich abgedeckt sind. Die Corona-Versicherungen der Reiseanbieter seien eher als Ergänzung zum bestehenden Versicherungsschutz zu sehen, sagt etwa Robert Bartel von der Verbraucherzentrale Brandenburg. Denn diese übernehmen nur eine gewisse Summe der entstehenden Kosten. Eine gute Auslandsreisekrankenversicherung zum Beispiel sei daher wichtig – auch unabhängig von der Corona-Pandemie. Denn zu den üblichen Leistungen gehören etwa der Rücktransport im Krankheitsfall oder die medizinische Versorgung am Reiseziel.

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Problematisch könne es allerdings werden, wenn die Reisekrankenversicherung die Leistung verweigert, da noch bei der Buchung eine Reisewarnung für das Zielland galt. Außerdem schließen einige Versicherungen Krankheitsfälle durch eine Pandemie aus. Daher rät Tiana Preuschoff, Rechtsreferentin bei der Verbraucherzentrale Niedersachsen, dazu, den Vertrag dahingehend zu prüfen.

Quarantäne im Urlaub – was sind die Folgen für die Arbeit?

Und mit welchen Folgen müssen Reisende bei ihr Arbeitsstelle rechnen? Was passiert mit Lohnzahlungen und den Urlaubstagen, wenn eine infizierte Person in Quarantäne muss? Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die in ihrem Erholungsurlaub krankheitsbedingt einer Quarantäneanordnung unterliegen, bekommen die Krankheitstage nicht als Urlaubstage gewertet – auch bei einer Corona-Infektion. So steht es im Paragraf 9 des Bundesurlaubsgesetzes (BurlG). Dies gilt allerdings nur, wenn die Betroffenen eine Krankschreibung vorlegen.

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Wer also während des Erholungsurlaubs ohne Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung einer Quarantäneanordnung unterliegt, kann auch keine Urlaubstage zurückverlangen. Das betriFft unter anderem Kontaktpersonen, die sich zur Sicherheit ebenfalls in Quarantäne begeben müssen. Diesen Personen wird empfohlen, schnellstmöglich das Gespräch mit den Arbeitgeberinnen oder Arbeitgebern zu suchen. Eventuell ist eine einvernehmliche Verschiebung des Urlaubs möglich. Einen Anspruch darauf gibt es jedoch nicht.

Gute Nachrichten gibt es aber für diejenigen, die aufgrund der Quarantäneanordnung nicht arbeiten können und dadurch Verdienstausfall erleiden: Sie haben grundsätzlich das Recht auf eine staatliche Entschädigungszahlung. „Diese Entschädigung gilt für maximal sechs Wochen in Höhe des ausgefallenen Lohnes. Diese Zahlung streckt der Arbeitgeber für die Dauer der Quarantäne vor und beantragt die Erstattung von der zuständigen Behörde“, schreibt der Deutsche Gewerkschaftsbund.

Wer hingegen bewusst zum Beispiel in ein Virusvariantengebiet reist und anschließend in Deutschland in Quarantäne muss, sollte unbedingt zusätzlichen Urlaub einplanen. Sonst droht die Einstellung der Lohnfortzahlung oder sogar die Kündigung, wenn die Arbeit nicht im Homeoffice erledigt werden kann.

Positiver Corona-Test vor der Reise – was passiert dann?

Natürlich gibt es auch den Fall, dass Urlauberinnen und Urlauber schon vor der Reise positiv auf Corona getestet werden. Immerhin verlangen viele Länder ein negatives Corona-Testergebnis vor der Einreise. Dann heißt es für die Reisenden: Quarantäne statt Urlaubsreise. In diesem Fall kommt es auf die Kulanz des Reiseveranstalters an. Da aus gesundheitlichen Gründen die Reise abgesagt wird, können Reiseveranstalter die üblichen Stornierungsgebühren verlangen. Nur wer eine Reiserücktrittsversicherung abgeschlossen hat, die Pandemiefälle abdeckt, bekommt die Gebühren erstattet.

Angesichts der Corona-Pandemie bieten aber viele Veranstalter ohnehin kostenloses Umbuchen auf einen späteren Zeitpunkt an. Andere haben spezielle Flextarife, die zwar etwas mehr kosten, aber den Reisenden ermöglichen, die Reise kurzfristig und ohne Stornierungsgebühren abzusagen. Über die genauen Bedingungen sollten sich jeder vor dem Buchen informieren.

RND/bv/dpa

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