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Virologin bei „Hart aber fair“: „Wir impfen nicht, um Urlaub zu ermöglichen“

  • Wann wird Urlaub in diesem Jahr wieder möglich sein? Über diese Frage haben die Gäste am Montagabend bei „Hart aber fair“ diskutiert.
  • Im Mittelpunkt stand der mögliche Einfluss der Impfung.
  • Virologin Corinna Pietsch mahnte: Reisen seien nicht der Sinn und Zweck des Impfprogramms.
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Urlaub trotz Corona-Pandemie – über dieses Thema wird in Deutschland emotional gestritten. Besondere Sprengkraft hat in der Branche und bei Reisefans aktuell die Frage: „Echter Urlaub nur mit Impfung?“ Darüber diskutierten auch Frank Plasbergs Gäste am Montagabend in der ARD-Sendung „Hart aber fair“. Dass viele aufgrund der aktuellen Entwicklungen mit steigenden Infektionszahlen bei der Themenwahl fragen könnten „Sind die verrückt?“, räumte Plasberg direkt zu Beginn ein. Doch dann nahm er möglichen Kritikern direkt den Wind aus den Segeln: Er sei „auf der Suche nach Hoffnung“ – angesichts eines Lockdowns, der „immer nerviger“ werde.

Über die Fragen nach den Urlaubsaussichten diskutierten im Studio die Virologin Corinna Pietsch, der Präsident des Deutschen Reiseverbands (DRV) Norbert Fiebig, Reisebuchautor Manuel Andrack und die Journalistin Andrea Zschocher. Zugeschaltet per Video waren Bremens Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD) und zunächst auch Extrembergsteiger Reinhold Messner aus Bozen. Die Ansichten der Abenteuerlegende zum Thema Reisen wären sicherlich spannend gewesen – doch die Videoverbindung brach bereits zu Beginn der Sendung zusammen.

„Wir impfen ja auch nicht, um jemanden lustig in den Urlaub zu schicken“

Angesichts der Pläne des Reiseveranstalters Alltours, ab dem Herbst nur noch Geimpfte in die eigenen Hotels zu lassen, wollte Plasberg wissen, wie sich die Impfsituation auf die Urlaubspläne der Deutschen auswirken könnte. Virologin Pietsch dämpfte die Urlaubshoffnungen und mahnte davor, falsche Zusammenhänge zu erstellen: „Wir impfen ja auch nicht, um jemanden lustig in den Urlaub zu schicken. Das ist ja nicht der Sinn und Zweck des Impfprogramms.“ Vielmehr gehe es darum, die Sterblichkeit zu senken und die vulnerablen Gruppen zu schützen. Urlaub wäre dabei eher ein netter Nebeneffekt.

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Auch DRV-Präsident Fiebig hält die Diskussion um Impfprivilegien für „verfrüht“, schließlich würden Familien bis zum Sommer kaum komplett geimpft sein. Deshalb dürfe man ihnen den Urlaub aber nicht versagen. Er forderte ein Ende der Reisesperre: „Wir müssen die Chance kriegen, wo immer es aus gesundheitlichen Gründen möglich ist, unser Geschäft wieder zu starten.“ Die Politik sei daher gefordert: „Die Konzepte liegen auf dem Tisch. Da gibt es Möglichkeiten und die müssen genutzt werden“, forderte Fiebig.

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Wird Urlaub zu Ostern möglich?

Eingeblendet zu dem Thema wurde auch die viel diskutierte Aussage von Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer: „Osterurlaub in Deutschland kann es in diesem Jahr nicht geben.“ Dieser Satze habe ihn „auf die Palme gebracht“, wetterte Fiebig. Er stellte fest: „Die Leute wollen verreisen, und da ist auch sehr viel Nachholbedarf. Darum ist es so wichtig, dass wir uns das nicht alles wieder kaputtquatschen lassen.“

Der DRV-Präsident betonte, dass gerade organisierte Pauschalreisen ein niedriges Infektionsrisiko bärgen, weil die Urlauber mehrheitlich unter sich blieben und es kaum Interaktion mit den Einheimischen gebe. Dies tat er möglicherweise mit Blick auf eine aktuelle Studie des Robert-Koch-Institutes, das den Einfluss von Reisen auf die Corona-Infektionen in Deutschland untersucht hat und dabei die Rolle der Pauschalreisen relativiert hatte.

Bovenschulte hingegen nahm Kretschmer in Schutz: „Er hat seine Äußerung getätigt vor dem Hintergrund seiner Erfahrung in Sachsen“, beschwichtigte er, „wo er gemerkt hat, wie schnell es gehen kann, dass die Pandemie droht, außer Kontrolle zu geraten.“ Auch Virologin Pietsch dämpfte Hoffnungen auf einen frühen Urlaub, nachdem gerade erst wieder die Grundschulen und Kitas in vielen Bundesländern geöffnet worden seien. Daher könne man man heute noch keine klare Beurteilung für die Lage zu Ostern vornehmen. „Wir brauchen sicherlich drei Wochen, um gut einschätzen zu können, was an Mehr an Kontakten und Infektionen dadurch stattfindet. Und das bringt natürlich irgendwelche Osterpläne schon ganz arg ins Wanken.“ Daher halte sie Warnungen vor verfrühter Euphorie für richtig.

Urlaub im Sommer – wo und wie?

Trotz ungewisser Corona-Situation hat Journalistin Zschoscher ihren Familienurlaub im Sommer nach eigenen Angaben bereits gebucht – und dafür ordentlich Kritik in den sozialen Netzwerken bekommen: „Ich persönlich sei jetzt verantwortlich für die dritte Welle, weil ich gesagt habe, ich möchte in den Urlaub“, berichtete sie. Fair finde sie das nicht, und von Reisescham wolle sie nichts wissen: „Ich kann meine Urlaubspläne nicht mehr davon abhängig machen, was mir irgendein Politiker rät.“ Sie plane eine Reise „auf eine einsame Hütte in den Bergen“.

Auch Reisebuchautor Manuel Andrack warb für den Urlaub in der Natur – der könne ja sicher sein, wenn sich „nicht alle am gleichen Ort auf den Füßen stehen“. Warum also nicht mit der eigenen Familie beispielsweise in ein Ferienhaus fahren? Für diese Art des Reisens konnte sich auch Virologin Pietsch mehr erwärmen als beispielsweise für Flugreisen, Kreuzfahrten oder den Partyurlaub am Strand. Allerdings gelte es auch in diesem Fall, die Anreise und die Unternehmungen vor Ort zu bedenken. Wandern im Wald also, wo man niemanden treffe, sei sicherlich weniger kritisch als Besuche in umliegenden Städten, so die Virologin.

RND/gei

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