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„Großer Nachholbedarf“: Griechenland träumt vom Tourismuscomeback im Sommer

Eine Condor-Maschine landet auf Korfu. Das Reiseziel hat Mallorca bei Tui-Kunden überholt.

Alles ist bereit. Drei Monate vor dem Zeitplan hat Fraport Greece jetzt die Modernisierung von 14 griechischen Regionalflughäfen abgeschlossen. Zwölf Landebahnen wurden saniert, fünf brandneue Terminals gebaut, darunter auf den Inseln Mykonos, Korfu und Kos. 440 Millionen Euro hat der deutsche Flughafenbetreiber investiert. Fraport betreibt seit fast vier Jahren 14 griechische Airports, von Thessaloniki und Kavala im Norden über Zakynthos im Westen und Samos im Osten, Santorin und Mykonos im Herzen der Ägäis bis nach Chania auf Kreta und Rhodos im Süden. Jetzt sind die früher oft nur rudimentär ausgestatteten und wenig passagierfreundlichen griechischen Ferienflughäfen auf dem neuesten Stand der Technik, mit modernen Abfertigungsanlagen, mehr Gastronomie und neuen Einkaufsmöglichkeiten. Aber kommen die Passagiere?

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Kreta von Tui-Kunden stärker gebucht als Mallorca

Sie wollen, so viel ist sicher. Beim Reiseveranstalter Tui liegt die griechische Insel Kreta jetzt bei den Buchungen in Deutschland erstmals vor dem Klassiker Mallorca auf dem ersten Platz der gefragtesten Reiseziele. Mit Rhodos und Kos sind zwei weitere griechische Inseln unter den fünf beliebtesten Destinationen.

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Auch aus Österreich und der Schweiz melden Reisebüros eine steigende Nachfrage nach Zielen in Hellas. „Griechenland startet mit dem Rückenwind des vergangenen Sommers in die neue Saison“, sagt Marek Andryszak, der Vorsitzende der Geschäftsführung bei Tui Deutschland. Bereits 2020 war Griechenland dank niedriger Infektionszahlen und schlüssiger Hygienekonzepte das beliebteste ausländische Reiseziel der Deutschen. Der Wunsch, spätestens im Sommer wieder zu reisen, sei groß, sagt der Tui-Manager. „Mit dem europaweiten Hochfahren der Impfungen wächst die Zuversicht, dass Reisen schon bald wieder möglich sind“, meint Andryszak.

Reisebeschränkungen: Urlaub in Griechenland ist aktuell kompliziert

Noch sind Urlaubsreisen nach Griechenland aber kompliziert. Für Bürger der meisten Länder außerhalb des Schengen-Raums gelten Einreiseverbote. Besucher aus der EU und den Schengen-Staaten müssen ihre Reise elektronisch anmelden, bei der Ankunft einen negativen PCR-Test vorweisen, der nicht älter sein darf als 72 Stunden, und zusätzlich für sieben Tage in Selbstisolation. Das reizt nicht zum Reisen, sondern schreckt ab.

Mit den verschärften Einreisebestimmungen will die griechische Regierung vor allem verhindern, dass mutierte Varianten des Coronavirus eingeschleppt werden. Überdies gelten Ausgangssperren, wochentags zwischen 21 und 5 Uhr, an den Wochenenden sogar schon ab 18 Uhr. Restaurants und Cafés sind geschlossen. Die Regierung verhängte den Lockdown, nachdem die Infektionszahlen in jüngster Zeit wieder deutlich angestiegen waren. Die Sieben-Tage-Inzidenz, die noch Ende Januar bei 30 lag, bewegt sich aktuell auf den Wert von 80 zu.

Griechenland schreibt Tourismus zu Ostern ab

Weil auch Deutschland und andere europäische Länder die Reisebeschränkungen derzeit verschärfen, hat die griechische Reisebranche das Ostergeschäft mittlerweile abgeschrieben. Damit setzt sich die Flaute des vergangenen Jahres erst einmal fort. 2020 ging die Zahl der ausländischen Besucher um 81,1 Prozent zurück. Die Umsätze der Hotels brachen um 78 Prozent ein.

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Vom Comeback des Tourismus hängt nicht nur für Hoteliers, Tavernenwirte und Mietwagenunternehmen viel ab, sondern für die griechische Wirtschaft insgesamt. Der Fremdenverkehr steuerte 2019 über 20 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt bei und stellte jeden vierten Arbeitsplatz. Premierminister Kyriakos Mitsotakis hofft, dass die griechische Tourismusbranche in diesem Jahr ihr Geschäft gegenüber 2020 verdoppeln kann. Dann wäre man allerdings immer noch erst bei der Hälfte des Geschäftsvolumens aus dem Rekordjahr 2019. Damals brachten 34 Millionen Urlauber 18,2 Milliarden Euro ins Land.

Griechenland wirbt für EU-Impfpass

Mitsotakis wirbt seit Wochen für ein einheitliches, europaweit anerkanntes Impfzertifikat. Es soll Reisen erleichtern. Geimpfte könnten beispielsweise von der jetzt noch in vielen Ländern bestehenden Testpflicht und Quarantäne befreit werden. So will es Zypern bereits ab 1. April für geimpfte Reisende aus Israel machen. Israel und Großbritannien sind zwei für den griechischen Tourismus wichtige Märkte und zugleich Staaten, die bei der Durchimpfung der Bevölkerung weltweit in der Spitzengruppe liegen. Mit beiden Regierungen verhandelt Griechenland deshalb jetzt über die Anerkennung von Impfzertifikaten.

Mitsotakis sieht nach den Lockdowns und Kontaktbeschränkungen der vergangenen zwölf Monate einen „großen Nachholbedarf“ bei Urlaubsreisen. Auch viele Branchenexperten erwarten einen Reiseboom, sobald die Infektionszahlen zurückgehen, mehr Menschen geimpft sind und die Beschränkungen aufgehoben werden. Die griechische Fluggesellschaft Aegean Airlines stellt sich bereits darauf ein. Sie will in diesem Sommer mehr Inselziele als je zuvor nonstop mit Flughäfen in Deutschland, Österreich und der Schweiz verbinden.

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