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  • Griechenland-Urlaub: Delta-Variante bedroht das Comeback der Reisebranche

Sorge in Griechenland: „Die Corona-Maßnahmen zerstören den Tourismus“

  • Der vergangene Sommer war für die griechische Tourismusindustrie ein Desaster.
  • Dieses Jahr hofften Hoteliers, Tavernenwirte und Autovermieter auf ein Comeback.
  • Aber jetzt verhagelt die aggressive Delta-Variante des Coronavirus das Urlaubsgeschäft.
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Mykonos. „Insel der Winde“ heißt Mykonos im griechischen Volksmund, wegen des Meltemis, eines stürmischen Nordwindes, der im Sommer häufig über das felsige Eiland fegt. Das Pfeifen des Meltemis war in den vergangenen Tagen die einzige Musik auf Mykonos. Nachdem die Sieben-Tage-Inzidenz auf der Insel vergangene Woche fast den Wert 400 erreichte, zog die Regierung die Notbremse.

Seit dem vergangenen Wochenende sind die Gassen der malerischen Inselhauptstadt fast so still wie in den 1960er-Jahren, als Mykonos noch ein Geheimtipp war. Zwischen 1 Uhr und 6 Uhr gilt auf der Partyinsel eine nächtliche Ausgangssperre. Die Polizei kontrolliert das Verbot mit Fußstreifen, 40 Überwachungskameras und einem Dutzend Drohnen. Musik und Tanzen sind verboten. Beschäftigte in der Gastronomie müssen sich zweimal in der Woche testen lassen. Bei Verstößen drohen den Gastwirten und Gastwirtinnen Geldstrafen von 50.000 Euro, im Wiederholungsfall 200.000 Euro.

„Diese Maßnahmen zerstören den Tourismus“

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So hatten sich die meisten der 20.000 Touristen und Touristinnen, die derzeit auf Mykonos sind, ihre Ferien wohl nicht vorgestellt. „Damit hat keiner gerechnet, wir sind aus allen Wolken gefallen“, sagt Alexandros Koukas, der Vizebürgermeister der Inselgemeinde. „Diese Maßnahmen zerstören den Tourismus“, klagt der Lokalpolitiker. Er hält die Einschränkungen für „ungerecht“, weil 90 Prozent der örtlichen Bevölkerung vollständig geimpft seien. Das stimmt zwar. Aber die meisten Beschäftigten in der Gastronomie, die von auswärts kommen, und viele Touristen sind nicht geimpft. Hoteliers auf Mykonos berichten bereits von überstürzten Abreisen und Stornierungen.

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Das einzige Quarantänehotel der Insel, wo Infizierte auf Staatskosten ihre zehntägige Quarantäne verbringen sollen, ist überfüllt. Griechische Medien berichten von einem 18-jährigen italienischen Touristen, der positiv getestet wurde, aber in dem Quarantänehotel kein Zimmer mehr fand und deshalb auf einem Strand übernachten musste.

60 Prozent der Neuinfektionen entfallen auf die Delta-Variante

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Ausgangssperre und Musikverbot zeigen offenbar Wirkung. Die epidemiologische Lage auf Mykonos habe sich „stabilisiert“, sagte am Donnerstag die griechische Regierungssprecherin. Die Corona-Expertenkommission beriet über eine vorzeitige Aufhebung der Beschränkungen. Die Maßnahmen waren wohl auch als ein Warnschuss für andere Ferieninseln gedacht. Denn nicht nur auf Mykonos breitet sich das Virus wieder aus. Auch auf Paros, Ios, Santorin sowie in Heraklion und Rethymnon auf Kreta steigen die Neuinfektionen stark an.

Landesweit stieg die Inzidenz von 25 Ende Juni auf aktuell 180. Jeden Tag werden in Griechenland zwischen 75.000 und 90.000 Tests ausgewertet. Fast 4 Prozent der Getesteten sind positiv. Der Anstieg sei „beängstigend“, sagt Panagiotis Arkoumaneas, der Chef der staatlichen Gesundheitsbehörde EODY. „60 Prozent der neuen Infektionen entfallen auf die Delta-Variante, bald werden es 70 Prozent sein“, so Arkoumaneas.

Regierung lockt Impfmuffel mit Prämien

Das Robert Koch-Institut führt Griechenland seit dem vergangenen Sonntag wieder als Risikogebiet. Für die griechische Reisebranche ist das ein Alarmsignal. Dabei ließ sich die Saison recht gut an. „Im Juni sind die Touristenzahlen gegenüber dem Vorjahr um 40 bis 50 Prozent gestiegen“, berichtet Tourismusminister Charis Theocharis.

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Die Bundesregierung betont, dass es weiterhin strenge Regeln für Reiserückkehrer aus Hochinzidenzgebieten gibt.  © Reuters

Die griechische Regierung versucht gegenzusteuern. Impfmuffel werden mit Anreizen an die Nadel gelockt. Junge Leute zwischen 18 und 25 bekommen vom Staat eine vorbezahlte Guthabenkarte mit 150 Euro, wenn sie sich jetzt impfen lassen. Die Prämie kann man für Reisen und Kulturveranstaltungen ausgeben. Über 130.000 Berechtigte haben den „Freedom Pass“ bereits beantragt. Privatunternehmen ziehen mit: Aegean Airlines legt bei Flugbuchungen noch einmal 150 Euro drauf. Die Fährschiffreedereien Blue Star Ferries und Hellenic Seaways gewähren auf den „Freedom Pass“ 50 Prozent Rabatt.

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Impfpflicht für Beschäftigte im Gesundheitswesen und der Pflege

Menschen, die nicht mobil sind oder weitab der Impfzentren wohnen, können sich seit Donnerstag zu Hause impfen lassen. In den nächsten Tagen plant die Regierung auch, Zwölf- bis 15-Jährige zu impfen. Ab August gilt außerdem eine Impfpflicht für Beschäftigte im Gesundheitswesen und der Pflege. Wer sich nicht impfen lässt, wird in unbezahlten Urlaub geschickt. Premierminister Kyriakos Mitsotakis richtete am Donnerstag einen eindringlichen Appell an alle Lehrerinnen und Lehrer: „Ich bitte Sie, lassen Sie sich impfen, damit wir im September die Schulen wieder öffnen können!“

Aber bis die Impfkampagne wirkt, wird es dauern. Bis dahin setzt die Regierung auf Beschränkungen. Reisen vom Festland zu den Inseln sind nur noch mit einer abgeschlossenen Impfung oder einem aktuellen, negativen Test möglich. Die Kontrollen sind strikt. In Piräus weisen die Beamten der Hafenpolizei Tag für Tag Hunderte Reisende ab, weil sie keinen Impf- oder Testnachweis haben.

Das gilt für Reisen nach Griechenland

Wer nach Griechenland reisen will, muss sich spätestens 24 Stunden vor der Einreise elektronisch auf dem Internetportal travel.gov.gr anmelden. Er erhält dann am Tag der Einreise per E-Mail einen QR-Code, den er bei der Einreise auf dem Smartphone oder Tablet vorzeigen muss. Wer keinen Code hat, riskiert eine Geldbuße von 500 Euro.

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Bei Einreisen gilt die 3G-Regel: Besucher müssen nachweisen, dass sie geimpft, genesen oder negativ getestet sind. Ein PCR-Test darf nicht älter als 72 Stunden sein, ein Rapid-Antigentest höchstens 48 Stunden. Bei Impfungen gilt: Die zweite Dosis muss mindestens 14 Tage zurückliegen. Kinder unter sechs Jahren brauchen keinen Test. Unabhängig von Impfzertifikat oder Testnachweis gilt: Die griechischen Behörden können bei der Einreise stichprobenartig einen Schnelltest vornehmen. Wer dabei positiv getestet wird, muss für zehn Tage in Quarantäne.

Im Land selbst gelten einige Beschränkungen. So sind die Innengastronomie, Theater und Kinos nur mit einem Impfnachweis zugänglich. Ein Test reicht nicht. Bis Ende August gilt außerdem ein Tanzverbot in Bars und Clubs. Weil Griechenland Risikogebiet ist, müssen sich Reisende vor der Rückkehr nach Deutschland online registrieren. Außerdem ist für den Rückflug ein negativer Test erforderlich. Ausgenommen von der Testpflicht sind Geimpfte und Genesene.

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