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Gericht urteilt: Kontakt mit infiziertem Hotelmitarbeiter ist kein Reisemangel

Urlauber mussten im Sommer 2020 ihre Reise vorzeitig abbrechen, weil sie Kontakt mit einem infizierten Hotelmitarbeiter hatten (Symbolbild).

Der Kontakt mit einem Hotelmitarbeiter, der sich mit dem Coronavirus infiziert hatte, stellt laut dem Amtsgericht Hannover keinen Reisemangel dar. Das Gericht behandelte den Fall einer Familie, die auf Rückzahlung des Reisepreises klagte. Außerdem forderte sie Schadensersatz wegen der verlorenen Urlaubszeit sowie Erstattung der Fahrtkosten.

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Die Familie habe für den Zeitraum vom 26. Juni bis zum 6. Juli 2020 einen Cluburlaub in Österreich gebucht. In der Anlage seien bei Mitarbeitern regelmäßig Tests auf das Sars-CoV-2-Virus durchgeführt worden, hieß es. Bis zur Anreise der Familie fielen alle Tests der Angestellten negativ aus. Doch danach sei ein Mitarbeiter des Clubs, der vermutlich im Fahrradverleih tätig war, positiv auf das Coronavirus getestet worden.

Urlauber hatten die Wahl: Quarantäne im Hotelzimmer oder Heimreise

Dadurch sei der Verdacht aufgekommen, dass sich auch die Familie angesteckt haben könnte. Daraufhin seien die Urlauber laut dem Reiseunternehmen von den lokalen Behörden vor die Wahl gestellt worden: entweder den Rest des Urlaubs im Hotelzimmer in Quarantäne zu verbringen oder nach Hause zu fahren. Da die Familie eine Quarantäne ablehnte, habe sie am 29. Juni die Heimreise angetreten, heißt es in einer Mitteilung des Amtsgerichts.

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Der Reiseveranstalter wollte aber nur einen Teil des Reisepreises zurückzahlen, weshalb die Urlauber vor Gericht zogen. Doch das Amtsgericht entschied, dass kein Reisemangel vorgelegen habe. Hierfür hätte vorher konkret vereinbart werden müssen, dass im Reisezeitraum kein Mitarbeiter der Anlage an Covid-19 erkranken dürfe oder dass keine behördlichen Maßnahmen gegen die Urlauber verhängt werden dürften. Deshalb müsse der Veranstalter auch nicht für die Ereignisse einstehen.

Gericht: Kontakt mit Corona-Infizierten gehört zum allgemeinen Lebensrisiko

Außerdem müsse der Reiseanbieter nicht für Ereignisse haften, die dem allgemeinen Lebensrisiko zuzuordnen sind und außerhalb der von ihm geschuldeten Leistung geschehen. Die Familie habe nicht erwarten können, während ihrer Reise auf keine mit Corona infizierte Person zu treffen. Und damit habe sie auch nicht damit rechnen können, den daraus resultierenden Beeinträchtigungen nicht ausgesetzt zu werden. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

RND/bv

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