Digitaler und klimaschonender: So will die EU den Tourismus verändern

Eine Passagiermaschine zieht vor dem blauen Himmel Kondensstreifen hinter sich her.

Eine Passagiermaschine der spanischen Fluggesellschaft Plus Ultra zieht vor dem blauen Himmel Kondensstreifen hinter sich her.

Der Tourismus in Europa soll sich verändern, ökologischer und digitaler soll er sein. Damit das gelingt, hat die EU-Kommission gemeinsam mit Akteurinnen und Akteuren aus der Reisebranche einen „Übergangspfad für den Tourismus“ mit konkreten Handlungsanweisungen erarbeitet. „Mit diesem Pfad wird die Agenda für den europäischen Tourismus für das kommende Jahrzehnt festgelegt“, sagte EU-Binnenmarktkommissar Thierry Breton bei der Vorstellung des Plans am Dienstag.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Konkret umfasst der Katalog Maßnahmen aus insgesamt 27 Bereichen. Unter anderem soll es mehr Investitionen in der Kreislaufwirtschaft geben, um Energie- und Wasserverbrauch, Abfallerzeugung sowie Umweltverschmutzung zu verringern und der steigenden Nachfrage nach nachhaltigem Tourismus besser gerecht zu werden. Außerdem sollen verstärkt Daten ausgetauscht werden. So sollen nicht nur Innovationen vorangetrieben werden, sondern auch das nachhaltige Management von Reisezielen verbessert werden.

Der „Übergangspfad für den Tourismus“ soll zum Modell werden für weitere entsprechende Pfade in anderen Branchen wie Mobilität, Bauwesen und energieintensive Industrien. Ziel der EU-Kommission ist es, über alle Branchen hinweg den ökologischen und digitalen Wandel zu beschleunigen und dabei zugleich die Widerstandskraft der europäischen Wirtschaft zu stärken.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Was macht die Branche schon für das Klima?

Die Herausforderung des Klimawandels war in der Reisebranche in den vergangenen zwei Jahren ein wenig hinter die Pandemiesorgen gerutscht. Doch mit steigenden Buchungszahlen rückt das Thema wieder in den Vordergrund. Laut einer Studie, auf die das Bundesumweltamt hinweist, verursacht der Tourismus rund 5 bis 8 Prozent der globalen Treibhausgasemissionen. „Achillesferse“ der Branche ist dabei die Mobilität, derzeit vor allem das Fliegen, sagte Norbert Fiebig, Präsident des Reiseverbandes DRV auf der Branchentagung im November. „Das Ziel heißt: CO2-neutrale Mobilität.“ Was passiert hier bereits konkret?

Derzeit setzen viele Veranstalter vor allem auf einen Ausgleich der CO2-Belastung über Atmosfair, Myclimate oder andere Anbieter, bei denen Reisende Flüge, Kreuzfahrten und anderes quasi kompensieren können, indem sie Geld spenden. Damit werden weltweit Projekte etwa zum Energiesparen oder zur Erzeugung von Ökostrom gefördert. Bei manchen Veranstaltern ist der Beitrag im Reisepreis enthalten, andere bieten Urlaubern eine freiwillige Kompensation bei der Buchung an.

Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Spotify Ltd., der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

 

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.

Tourism Watch: „Brauchen Verringerung der Flüge“

Doch das reicht aus Sicht von Antje Monshausen von Tourism Watch bei Brot für die Welt nicht: „Im Fernreisesegment, wo sich Flüge meist nicht vermeiden lassen, sollten Urlaube seltener, dafür länger stattfinden, um so die Zahl der Flüge zu reduzieren.“ In den letzten Jahren habe sich die Aufenthaltsdauer verkürzt, zugleich sei die Zahl der Reisen pro Person gestiegen. „Wir stellen fest, dass alle Einsparungen aufgezehrt werden durch das Wachstum des Luftverkehrs. Wir brauchen technologische Lösungen und zugleich eine Verringerung der Flüge“, sagt Monshausen.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Um schädliche Emissionen zu verringern, sollten Veranstalter zudem auf der Mittelstrecke in Europa andere Produkte anbieten, zum Beispiel vermehrt Anreisen mit dem Zug, mahnt Monshausen. Umweltexperten plädieren generell für eine möglichst kurze Anreisestrecke, wenn möglich mit Bus oder Bahn.

Die Realität sieht bislang allerdings anders aus: Der Anteil der beiden Verkehrsmittel bei Urlaubsreisen liegt nach DRV-Daten seit Jahren bei jeweils etwa 6 Prozent. Dabei ließe sich sogar die Lieblingsinsel der Bundesbürger, Mallorca, ohne Flugzeug erreichen. Mit der Bahn und mit Fähren, die von wenigen Ausnahmen abgesehen allerdings mit fossilen Brennstoffen betrieben werden, brauchen Urlauber beispielsweise aus dem Süden Deutschlands 11 bis 14 Stunden, wie Atmosfair vorrechnet.

Mehrheit der Reisenden nicht bereit für höhere Preise

Doch wie steht es mit der Bereitschaft, Klimaschutz im Urlaub stärker zu berücksichtigen? Bei einer Umfrage im Auftrag des DRV gaben im vergangenen Jahr zwar 62 Prozent der Befragten an, dass die Klimafreundlichkeit einer Reise für sie wichtig oder sehr wichtig sei. 46 Prozent wären bereit, für eine Flugreise einen höheren Preis zu bezahlen, wenn damit CO2-Emissionen kompensiert werden. 42 Prozent würden sogar eine verlängerte An- und Abreisezeit in Kauf nehmen. Allerdings haben sich erst 23 Prozent konkret über Möglichkeiten informiert, die Reise möglichst umweltschonend zu gestalten.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

An diesem Punkt setzt der Reisekonzern DER Touristik an: „Durch die Erhebung eines CO2-Abdrucks, den wir den Kunden transparent vermitteln wollen, wollen wir das Buchungsverhalten steuern“, sagte Zentraleuropachef Ingo Burmester unlängst. Auch der Branchenverband DRV spricht sich dafür aus, alle Reisen mit einem nachvollziehbaren CO2-Abdruck zu versehen.

Umweltschutz am Urlaubsziel

Neben der An- und Abreise belasten auch die Unterbringung sonnenhungriger Menschen und ihre Aktivitäten am Urlaubsort das Klima. Zudem verschlingen der Bau und die Instandhaltung von Hotels, Straßen, Freizeitparks und Co. Ressourcen.

Branchenprimus Tui will in Zusammenarbeit mit der Regierung der südlichen Ägäis die beliebte griechische Urlaubsinsel Rhodos zu einem Zukunftslabor für nachhaltigen Tourismus machen und damit Blaupausen für andere Ziele schaffen. So soll zum Beispiel der ökologische Fußabdruck des Tourismus auf Rhodos durch neue Konzepte für das Energie-, Wasser- oder Müllmanagement deutlich verringert werden.

„Wir brauchen ein Verständnis dafür, wie alle Bestandteile zusammenkommen können“, sagte Tui-Chef Fritz Joussen bei der Vorstellung des Projektes. „Nachhaltigkeit ist nicht nur ökologische Nachhaltigkeit. Sie muss auch in einem wirtschaftlichen und sozialen Sinn betrachtet werden.“ Daher soll auch die Teilhabe der Menschen vor Ort gefördert werden, zum Beispiel durch neue Jobchancen.

Am Ende könnten nach Einschätzung des griechischen Tourismusministers Vassilis Kikilias alle Akteure profitieren – „vom einzelnen Anbieter, der seinen Kunden Kaffee verkauft, bis zu den Leuten, die Autos und Boote vermieten, bis zu den Winzern, bis zu den Urlaubern selbst“.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

RND/gei/dpa

Mehr aus Reise

 
 
 
 
 
Anzeige
Anzeige
Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Outbrain UK Ltd, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

 

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.

Letzte Meldungen

 
 
 
 
 
 
 
 
 

Spiele entdecken