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Osterurlaub trotz Lockdown? So funktioniert das Modellprojekt im Erzgebirge

  • Hotels, Restaurants und Museen an zwei beliebten Reisezielen im Erzgebirge dürfen bald wieder öffnen – trotz Lockdown und hoher Inzidenzzahlen.
  • Oberwiesenthal und Augustusburg haben für ein Modellprojekt grünes Licht von Sachsens Landesregierung bekommen.
  • Wie es funktioniert, haben die Verantwortlichen dem Redaktions­Netzwerk Deutschland erklärt.
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Osterurlaub im Erzgebirge statt auf Mallorca? In der aktuellen Zeit dürfte das für viele Deutsche zwar verlockend, aber gleichzeitig wie ein verfrühter Aprilscherz klingen. Denn die Hotels in Deutschland dürfen aufgrund des verlängerten Corona-Lockdowns weiter keine Touristen beherbergen, Restaurants und Museen müssen geschlossen bleiben. Das haben Bund und Länder am Montag beschlossen.

Für zwei Gemeinden in Sachsen soll es aber eine Ausnahme geben: Augustusburg und Oberwiesenthal im Erzgebirge haben von der Landesregierung grünes Licht für ihr Modellprojekt erhalten. Die Idee: testen, testen, testen. Und digitale Kontaktverfolgung. So sollen in Hotels, Gaststätten und Freizeit­einrichtungen nur Menschen aufeinandertreffen, die zuvor negativ auf das Coronavirus getestet worden sind. Dazu gibt es in beiden Orten Zentren.

Touristen müssen sich einmal pro Tag testen lassen

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Wenn alles klappt, sollen ab dem 1. April die ersten Touristen anreisen können, sagt der Bürgermeister von Augustusburg, Dirk Neubauer (SPD), dem Redaktions­Netzwerk Deutschland (RND). Das Vorhaben werde wissenschaftlich begleitet und solle zeigen, wie Öffnungen unter Pandemie­bedingungen möglich seien. Bisher hatte die Sieben-Tage-Inzidenz über der 100er-Marke einen Start verhindert, in Oberwiesenthal liegt sie aktuell bei 206,3 (Stand: 24. März). Aber dieser Passus werde aus der Corona-Schutzverordnung gestrichen, erklärte Gesundheits­ministerin Petra Köpping (SPD) in Dresden. Die Projekte seien gut vorbereitet und gut durchdacht, lobte sie. Deswegen sei entschieden worden, dass sie umgesetzt werden können.

Die Wetterwarte und das Fichtelberghaus ragen vom Plateau des Fichtelberges in den Himmel. © Quelle: Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/

Touristen, die dabei sein wollen, müssen sich vorab online anmelden und erhalten einen QR-Code aufs Handy, erklärt Bürgermeister Neubauer. Alternativ sei auch eine telefonische Anmeldung möglich, dann erhalten die Touristen den Code ausgedruckt. Wer dann nach Augustusburg kommt, muss zunächst ins Corona-Testzentrum – das Abstrich­ergebnis wird über den Code gespeichert.

„Der QR-Code ist dann als Eintrittskarte 24 Stunden lang gültig, dann muss erneut ein Test gemacht werden“, so Neubauer. Die Technik dafür liefert der IT-Dienstleister Theed Technology, eine Extra-App braucht es nicht. Bei jedem Besuch im Restaurant oder einer anderen Freizeit­einrichtung wird der Code gescannt. Diese Regel gilt auch für die Einwohner: Wer die Möglichkeiten nutzen will, muss sich täglich testen lassen.

Digitale Kontakt­nachverfolgung

In den Museen kommt ein zweites Element hinzu: Der „Corona-Warnbuzzer“ für die digitale Kontakt­nachverfolgung – dabei handelt es sich um ein Gerät, das in etwa so groß wie ein Schlüsselanhänger ist und das die Besucher bei sich tragen müssen. Es funktioniert ähnlich wie die Corona-Warn-App, nur ohne Smartphone: „Das Gerät registriert via Bluetooth, welche anderen Corona-Warnbuzzer ihm für eine bestimmte Dauer kritisch nahe waren“, erklärt Neubauer. Die gespeicherten Daten werden nach 14 Tagen wieder gelöscht. Meldet ein Tourist zwischenzeitlich eine Corona-Infektion, werden alle Nahkontakte unverzüglich dem Gesundheitsamt gemeldet und schnellstmöglich informiert.

Mit den Geräten sei man unabhängig vom Handy. „Denn das hat eine entscheidende Schwachstelle: Der Besitzer kann entscheiden, ob er Bluetooth aktiviert oder nicht“, so der Bürgermeister.

Der sächsische Kurfürst August ließ bis 1572 das Schloss Augustusburg errichten. Seitdem erhebt sich weithin sichtbar das Jagd- und Lustschloss auf einem 516 Meter hohen Quarzporphyrkegel über dem Zschopautal. © Quelle: imago images/Rainer Weisflog

Oberwiesenthal rechnet mit vielen Übernachtungs­gästen

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Er rechnet in Augustusburg vor allem mit Tagestouristen, anders sieht es in Oberwiesenthal aus. Der Ort am Fuße des Fichtelberges ist bei Urlaubern beliebt – im Winter zum Skifahren auf dem höchsten Gipfel Ostdeutschlands, im Sommer zum Wandern. Daher gibt es dort viele Übernachtungs­kapazitäten, und die Hoteliers rechnen mit einer Vielzahl an Buchungen, sagt Projekt­koordinator Erik Schulze dem RND. Insgesamt sollen zwischen 600 und 1000 Betten für Touristen zur Verfügung stehen – zu Nicht-Corona-Zeiten sind es bis zu 4000.

Mit dabei sind große Hotels wie das Ahorn am Fichtelberg oder das Hotel des ehemaligen Skispringers Jens Weißflog, aber auch Ferienhäuser und Pensionen. Die Betreiber müssen eine Selbstverpflichtung unterschreiben, maximal die Hälfte der Hotelbetten zu belegen. Denn neben den Corona-Tests und der digitalen Nachverfolgung müssen weiterhin alle gängigen Hygieneregeln und -konzepte beachtet werden. Mit dabei sind mehr als 60 Unternehmen – neben Unterkünften auch Restaurants, Museen, Wanderanbieter und die örtliche Sommer­rodelbahn.

Der Kurort Oberwiesenthal (Erzgebirge) im Sommerkleid – er ist die höchstgelegene Stadt Deutschlands auf 914 Metern. © Quelle: imago images/PEMAX

Der Plan fürs Testkonzept sieht in Oberwiesenthal ähnlich aus wie in Augustusburg: Urlauber können sich vor der Anreise anmelden, ein negatives Schnelltest­ergebnis online hochladen, dann bekommen sie den QR-Code als Eintrittskarte. Wer länger als eine Nacht bleiben will, muss spätestens alle drei Tage einen frischen Test machen. „Das ist der aktuelle Plan, vielleicht auch häufiger, wenn die Behörden es vorschreiben“, erklärt Schulze. Hauptsache, es gehe wieder los.

Entgegen dem Trend in Deutschland das Okay für das Modellprojekt bekommen zu haben, bezeichnen die Verantwortlichen als „sehr großen Vertrauensbeweis“. „Wir sind uns der Verantwortung bewusst“, sagt Bürgermeister Neubauer. Es sei extrem wichtig, unter Pandemie­bedingungen zu testen, ob das Konzept funktioniert. Das Modellprojekt soll mindestens vier Wochen dauern, um belastbare Daten zu erhalten.

„Wir wollen zeigen, wie auch in der Pandemie sicherer Urlaub möglich sein kann“, sagt Schulze. Im Fall einer möglichen vierten Welle könne man dann einen Plan aus der Schublade ziehen – „damit nicht noch eine Saison ausfällt“.

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