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Deutscher Tourismusverband: „Gerade Ferienwohnungsanbieter verzeichnen gute Nachfrage“

  • Kurz vor Pfingsten fahren immer mehr Bundesländer den Tourismus wieder hoch.
  • Diesen Moment hat die Reisebranche mehr als sechs Monate lang herbeigesehnt.
  • Norbert Kunz, Geschäftsführer des Deutschen Tourismusverbandes, spricht im RND-Interview über Hoffnungen und Erwartungen an den Sommer 2021.
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Die Reisebranche erwacht langsam aus dem Winterschlaf – hinter ihr liegt der zweite Lockdown der Pandemie, er dauerte mehr als sechs Monate. Kurz vor Pfingsten kündigen nun immer mehr Bundesländer an, dass Hotels, Ferienhäuser und -wohnungen sowie Campingplätze bei stabilen Inzidenzen unter 100 wieder öffnen dürfen. Welche Branchen profitieren davon aktuell besonders? Wie sehr kann eine stabile Sommersaison 2021 der gebeutelten Branche helfen? Und mit welchen Einschränkungen müssen Urlauber rechnen? Über diese Fragen spricht der Geschäftsführer des Deutschen Tourismus­verbandes, Norbert Kunz, im Interview.

Herr Kunz, immer mehr Bundesländer kündigen Tourismusöffnungen an – nach mehr als sechs Monaten Stillstand kann es langsam wieder losgehen. Wie ist die Stimmung bei Ihnen?

Die Stimmung hellt sich langsam auf. Die angekündigten Tourismus­öffnungen sind für die gesamte Branche ein überfälliges Signal. Sie sind mit großen Hoffnungen verbunden. Viele Betriebe stehen mit dem Rücken zur Wand und brauchen endlich diese Perspektive. Und auch die Beschäftigten, die so lange nichts machen durften, können endlich wieder hoffen, in dem Beruf zu arbeiten, den sie lieben.

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Der Geschäftsführer des Deutschen Tourismusverbandes (DTV) Norbert Kunz. © Quelle: Deutscher Tourismusverband

Wie steht‘s um die Buchungslaune der Deutschen, werden die Reiseziele in Deutschland stark nachgefragt?

In den Sommerferien und auch für den Herbst verzeichnen einige Reiseregionen schon einen guten Buchungsdurchschnitt. Mit der Öffnungsperspektive steigt auch die Nachfrage weiter. Die Menschen sehnen sich danach, wieder reisen zu können und Erholung zu finden.

Wo bekommen Urlauber zu Pfingsten noch gut Unterkünfte, wo könnte es knapp werden?

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Traditionell sind die Küstenregionen und Bayern die beliebtesten Reiseregionen der Deutschen im eigenen Heimatland. Daran hat sich trotz Corona nichts geändert. Gerade die Ferienwohnungsanbieter verzeichnen in diesen Regionen eine gute Nachfrage. Es sind aber noch Kapazitäten frei. Beliebt werden in diesem Jahr aber auch wieder die inländischen Seenregionen und die Mittelgebirge sein. In den einzelnen Segmenten freuen sich die Ferienwohnungsanbieter, die Anbieter von Urlaub auf dem Bauernhof und die Anbieter von Camping- und Wohnmobilstellplätzen über großes Interesse an ihrem Angebot.

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Bedingung ist, dass Tourismus wieder starten kann und touristische Übernachtungen erlaubt sind. Noch liegen einige Länder und Regionen über den Inzidenz von 100. Für sie gilt das Tourismusverbot des Bundes, bis sie stabil unter 100 liegen. Zudem haben noch nicht alle Bundes­länder Festlegungen getroffen, wenn die sogenannte Bundes­notbremse nicht mehr greift.

Auf welche Einschränkungen müssen sich deutsche Urlauber im Sommer 2021 einstellen?

Die Vorlage der Impf- oder Testnachweise, Kontaktnachverfolgung und Schutzmaßnahmen wie Maskenpflicht und Abstandhalten werden uns noch einige Zeit begleiten. Aber damit sind endlich wieder viele Freiheiten, wie das Reisen, verbunden. Die Destinationen und Touristen­informationen vor Ort sind gut vorbereitet auf ihre Gäste. Mit vielleicht etwas Geduld hier und da sollte dem vollen Urlaubserlebnis nichts im Wege stehen.

In puncto Besucherlenkungen probieren immer mehr Ziele neue Tools aus – wäre es nicht sinnvoll, eine deutschlandweit einheitliche Lösung für den Tourismus zu schaffen?

Der DTV hat vor Kurzem zum Thema „Besucherlenkung“ einen Handlungs­leitfaden für die Touristiker vor Ort erstellt, der Hilfestellung gibt und wesentliche Informationen und Fragestellungen beantwortet. Die Digitalisierung macht im Bereich der Besucherlenkung vieles möglich, was vorher nicht denkbar war.

Greifbares Beispiel ist der Strandticker an Nord- und Ostsee, eine innovative digitale Lösung zur Messung von Auslastungen und zur Besucherlenkung. Damit haben die Tourismusagentur Lübecker Bucht und die Tourismus­zentrale St. Peter-Ording im vergangenen Jahr den zweiten Platz beim Deutschen Tourismuspreis und zusätzlich den Publikumspreis erobert. Mit einem einfach verständlichen Ampel­system wird im Strandticker farblich dargestellt, in welchen Orten ein Strandzugang uneingeschränkt, nur noch eingeschränkt oder gar nicht mehr möglich ist. So ist es im vergangenen Sommer gelungen, die touristischen Besucherverkehre digital zu lenken und an den beliebten Hotspots Probleme in Bezug auf Abstand gar nicht erst entstehen zu lassen. Das System ist leicht adaptierbar und ist für einige touristische Hotspots, an denen Besucherlenkung unabdingbar ist, zum Vorbild geworden.

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Sommerurlaub in Europa: Tourismusbeauftragter macht Hoffnung
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Es gibt einen Hoffnungschimmer. Der Tourismusbeauftragte der Bundesregierung ist guter Dinge, dass im Sommer innerhalb Europas Urlaub möglich sein wird.  © dpa

Bei der flächendeckenden digitalen Besucherlenkung liegt aber noch eine große Aufgabe vor uns. Schließlich müssen die digitalen Informationen im nächsten Schritt in Echtzeit gebündelt verfügbar und abrufbar sein.

Welche Rolle wird der Tagestourismus nun zu Christi Himmelfahrt und Pfingsten spielen? Wie blicken sie auf einen möglichen Besucheransturm? Bereitet das Sorge?

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Nur geöffnete Tourismusbetriebe können Besucher lenken und für Sicherheit sorgen. Das haben die Modellregionen eindrucksvoll bewiesen. Hier hat das Zusammenspiel der Akteure bestens funktioniert. Auch die Gäste wissen das und verhalten sich verantwortungsvoll.

Wie steht es finanziell um den Deutschlandtourismus? Kann ein starker Sommer 2021 die Verluste aus den vergangenen Lockdownmonaten auffangen?

Es ist nicht zu erwarten, dass die Verluste aufgefangen werden können. Im letzten Jahr lagen die Verluste allein zwischen März und Dezember bei insgesamt 68,7 Milliarden Euro. Und auch seit Jahresbeginn stand der Deutschland­tourismus still. Das kann kein noch so guter Sommer auffangen. Die Hoffnung vieler Betriebe ist jetzt vor allem auf die Sommerferien und auf einem guten Herbst gerichtet. Mit jedem Betrieb, den wir verlieren, geht auch ein Stück der Vielfalt verloren, die das Urlaubsland Deutsch­land so besonders und einzigartig macht.

Haben Sie schon einen Urlaub für 2021 gebucht – wohin geht es?

Gebucht haben wir zwar noch nicht. Aber zu Pfingsten wollen wir nach Schleswig-Holstein und für den Sommer gibt es schon viele Ideen. Gerade jetzt gilt einmal mehr: Das Schönste am Urlaub ist die Vorfreude auf den Urlaub.

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