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Datenflut vor Abflug: Piloten kritisieren unübersichtliches Informationssystem

  • Vor jedem Start müssen Piloten eine Vielzahl an Informationen sichten, die über das sogenannte Notam-System bereitgestellt werden.
  • Die Datenflut führe dazu, dass wichtige Hinweise übersehen würden, sagen Kritiker.
  • Eine Initiative will das System nun verbessern – und Tausende irrelevante Hinweise über Bord werfen.
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Vor jedem Flugzeugstart flattert ein Stapel Papier ins Cockpit. Piloten und Flugdienstberater erhalten seitenweise Informationen, die sie berücksichtigen müssen: zu Änderungen an Start-, Ziel- und Ausweichflughäfen etwa oder zu Abweichungen der Flugroute. Notice to Airmen, kurz: Notams, heißen diese Anordnungen der Luftfahrtbehörden, die einen sicheren und geordneten Flugverkehr gewährleisten sollen. Innerhalb des vergangenen Jahres wurden je nach Schätzung zwischen 1,7 und 1,9 Millionen davon veröffentlicht. Die Regelungen, die ein Pilot oder eine Pilotin beachten muss, sollen nicht älter als drei Monate sein – eigentlich.

Jedes fünfte Informationspaket ist veraltet

Von rund 35.000 aktiven Notams weltweit sei jedes Fünfte veraltet, kritisieren Piloten. 7000 Informationspakete seien älter als drei Monate, 2700 sogar älter als ein Jahr. „Wir ertrinken in Daten, verpassen aber die Botschaft“, sagt ein Sprecher der Ops Group, eine Vereinigung von Piloten, Fluglotsen und weiteren Luftraum-Fachleuten, gegenüber dem Fachmagazin „Aerotelegraph“. Die Masse könne gar nicht vollständig vor dem Flug gelesen werden, kritische Hinweise könnten deshalb leicht übersehen werden.

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So wie am 7. Juni 2017. Damals steuerte ein Airbus A320 von Air Canada im Landeanflug auf San Francisco nicht die Lande-, sondern die Rollbahn an – und direkt auf mehrere vollgetankte Jets zu. Erst im letzten Moment zogen die Piloten das Flugzeug wieder hoch und verhinderten eine Katastrophe. Sie hatten die Piste unter anderem deshalb verwechselt, weil sie die Notam nicht aufmerksam gelesen hatten. Der Co-Pilot gab hinterher sogar an, er könne sich gar nicht an die entsprechende Information erinnern.

Die Informationen seien auch deshalb leicht zu übersehen, weil sie in einem Telegrammstil verfasst sind. Das System wurde im Jahr 1920 entwickelt und seit 1924 nicht mehr verändert, schreibt die Ops Group auf ihrer Website. Die Nachrichten bestehen aus einem speziellen Code aus Großbuchstaben und Abkürzungen. „Es ist in einer Sprache geschrieben, die nur ein Computerprogrammierer verstehen kann – nur ein Haufen Müll, dem niemand Beachtung schenkt“, sagte Leiter der US-Amerikanischen Transportsicherheitsbehörde NTSB, Robert Sumwalt, Medienberichten zufolge bereits 2018.

Eine Initiative der Ops Group, der Internationalen Zivilluftfahrtorganisation Icao und anderen Organisationen will das Notam-System verbessern. Hinter der weltweiten Kampagne stehen etwa 10.000 Piloten und Dispatcher, so Icao. An diesem Donnerstag, 8. April, fiel der Startschuss, bis zum Jahresende ist der Prozess vorgeplant. Als Erstes sollen sämtliche veraltete Notams entfernt werden: Innerhalb eines Jahres könnte sich die Zahl der Informationspakete allein dadurch um 400.000 reduzieren. Anschließend soll eine verständlichere Form der Aufbereitung entwickelt und etabliert werden.

RND/cs

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