• Startseite
  • Reise
  • Corona-Virusvariantengebiet Portugal: Welchen anderen Ländern droht die Einstufung?

Portugal ist plötzlich Virusvariantengebiet: Welchen anderen Reisezielen droht das auch?

  • Die Delta-Variante breitet sich in Portugal aus – das Land gilt ab Dienstag als Virusvariantengebiet.
  • Urlauberinnen und Urlauber verlassen vorzeitig das Land, um die Quarantänepflicht zu umgehen.
  • Wird es bald auch in anderen Ländern so sein? Bei einigen Zielen sollten Reisende aufpassen.
|
Anzeige
Anzeige

Die Infektionszahlen in Deutschland sinken weiter, der digitale Impfpass gilt ab 1. Juli in der EU, viele Deutsche haben ihre Reise gebucht: Eigentlich könnte es entspannt losgehen – wäre da nicht die Delta-Variante, die sich anschickt, den Sommerurlaub zu gefährden. Die hochansteckende Mutation des Coronavirus, die erstmals in Indien nachgewiesen wurde, breitet sich inzwischen auch in beliebten europäischen Urlaubsregionen aus.

Wie schnell sich die Situation drehen kann, zeigt das Beispiel Portugal: Das Land wurde vom Vorbild zum Sorgenkind.

Noch im Frühjahr konnten sich die Portugiesinnen und Portugiesen über die niedrigsten Infektionszahlen Europas freuen. Doch inzwischen verzeichnet das Land die höchste Ansteckungsrate in der gesamten EU. Lag die landesweite Sieben-Tage-Inzidenz am 27. Mai noch bei 31,0, so steht sie nur einen Monat später wieder bei 90,3. Zum Vergleich: Deutschland meldete an diesem Sonntag einen Wert von 5,6.

Video
Delta-Variante: Ruf nach strengeren Kontrollen für Urlaubsrückkehrer
1:17 min
Mit Blick auf die rasche Ausbreitung der ansteckenderen Delta-Variante dringen immer mehr Länderregierungschefs darauf, Einreiseregeln zu verschärfen.  © dpa

Portugal: Quarantänepflicht gilt ab Mitternacht

Ab Dienstag gilt Portugal als Virusvariantengebiet. Für Urlauberinnen und Urlauber bedeutet das: Sie haben noch bis heute, 23.59 Uhr, Zeit, ohne größere Konsequenzen zurückzukehren. Ab Mitternacht greift dann eine Quarantänepflicht für Reiserückkehrerinnen und Reiserückkehrer: Wer dann aus Portugal in Deutschland einreist, muss 14 Tage in Quarantäne. Ein Freitesten ist nicht möglich, Ausnahmen für Geimpfte und Genesene gibt es nicht. Die Einstufung als Virusvariantengebiet erfolgt zunächst für zwei Wochen, eine Verlängerung ist aber möglich.

Anzeige

Für die meisten Reisenden vor Ort kam die Entscheidung der deutschen Bundesregierung völlig überraschend. Viele von ihnen waren in das Land gereist, als die Sieben-Tage-Inzidenz noch unterhalb des kritischen 50er-Wertes lag – wonach zumindest bis Ende Juni Reisewarnungen für Länder und Regionen ausgesprochen werden. Ab dem 1. Juli gelten sie erst ab einer Inzidenz von 200 und für Gebiete, in denen sich Virusvarianten stark verbreitet haben.

Anzeige

In Portugal werden offiziellen Angaben zufolge inzwischen bereits mehr als die Hälfte aller Ansteckungen auf Delta zurückgeführt. Vor allem in den beiden meistbesuchten Tourismusregionen schnellen wegen der Coronavirus-Variante die Ansteckungen in die Höhe: In der Hauptstadtregion Lissabon stieg die Sieben-Tage-Inzidenz am Sonntag auf 221,1 an, an der Algarve auf 192,9. Andere Regionen hingegen stehen sehr gut da, so wie Madeira. Dort sinken die Infektionszahlen sogar, die Sieben-Tage-Inzidenz liegt bei nur 16,8.

Spanien: Corona-Zahlen steigen wieder

Doch nicht nur das Beispiel Portugal zeigt, dass der Sommerurlaub 2021 in Europa nicht frei von Corona-Sorgen ist. Auch im Nachbarland Spanien steigt die Sieben-Tage-Inzidenz und liegt inzwischen wieder bei 53,5 (Stand: 28. Juni). In Spanien lag der Anteil der Delta-Variante an den gesamten Infektionen Mitte Juni bei 11,4 Prozent.

Anzeige

Allerdings sequenziert das Land, wie viele weitere Staaten in Europa, nur wenige Virenproben. Sie zählen die Corona-Infektionen generell und unterscheiden nicht nach nachgewiesenen Varianten.

Die Pandemie und wir Der neue Alltag mit Corona: In unserem Newsletter ordnen wir die Nachrichten der Woche, erklären die Wissenschaft und geben Tipps für das Leben in der Krise ‒ jeden Donnerstag.

Vor allem in Touristengebieten gibt es eine starke Zunahme. Die Sieben-Tage-Inzidenz auf der Ferieninsel Teneriffa beispielsweise hat sich vom 31. Mai bis zum 26. Juni mehr als verdoppelt, von 43 auf 103, auf Fuerteventura liegt er bei 67,6. Dadurch kletterte der gesamte Wert der Kanaren erstmals seit Wochen wieder über die kritische 50er-Marke, er lag am Samstag bei 56,44.

Video
Delta-Variante könnte bis Ende August 90 Prozent der Neuinfektionen ausmachen
1:49 min
Der Anteil der ansteckenderen Variante an den Infektionen in Deutschland hat sich nach Daten des Robert Koch-Instituts innerhalb einer Woche verdoppelt.  © Reuters

Auch auf Mallorca ist die Delta-Variante auf dem Vormarsch, ihr Anteil an Corona-Infektionen wird dort auf etwa 25 Prozent geschätzt. Und auch der Partytourismus wird dort offenbar erneut zur Virenschleuder: Mehr als 700 Schülerinnen und Schüler sollen sich auf Abifahrten auf der Baleareninsel mit dem Coronavirus infiziert haben, wie die „Mallorca Zeitung“ berichtet. Bislang sind aber offenbar keine ausländischen Reisenden auf Mallorca betroffen.

Corona: Reisende müssen Situation am Zielort verfolgen

Alleine an am ersten Tag der Wiederaufnahme des Flugverkehrs reisten mehr als 12.000 Menschen aus Russland nach Antalya. Damit besteht das Risiko, dass sich die Delta-Variante in beliebten türkischen Urlaubsgebieten verbreitet.

In anderen Ländern wie Griechenland, Frankreich, Italien oder Kroatien ist die Lage derzeit entspannt. Dort sinken die Infektionszahlen, und die Delta-Variante scheint dort noch nicht weit verbreitet zu sein – das lassen zumindest die Zahlen vermuten. Doch die Beispiele Türkei, Spanien und Portugal zeigen: Urlauberinnen und Urlauber müssen auch im zweiten Pandemiesommer aufmerksam sein, sich an die Corona-Regeln halten und die Situation am Reiseziel verfolgen.

  • Laden Sie jetzt die RND-App herunter, aktivieren Sie Updates und wir benachrichtigen Sie laufend bei neuen Entwicklungen.

    Hier herunterladen