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Corona-Tests für Rückkehrer aus Risikogebieten: Wie sinnvoll sind sie?

  • Wer aus einem Risikogebiet zurückkehrt, hat künftig die Möglichkeit, sich auf das Coronavirus testen zu lassen.
  • Darauf haben sich die Gesundheitsminister der Länder geeinigt.
  • Doch wie sinnvoll sind solche Tests? Diese Frage wird kontrovers diskutiert.
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Berlin. Corona-Test statt Quarantäne: Wer aus sogenannten Risikogebieten im Ausland einreist, soll sich künftig unmittelbar nach der Rückkehr in Deutschland auf das Coronavirus testen lassen. Dazu sollen an Flughäfen entsprechende Stellen eingerichtet werden, so der Beschluss der Gesundheitsminister von Bund und Ländern. Doch entgegen der allgemeinen Erwartungshaltung sollen die Tests nicht verpflichtend sein. Stattdessen müssen diejenigen, die kein negatives Ergebnis vorweisen, in Quarantäne.

Virologe Alexander Kekulé ist für die Pflichttests

Virologe Alexander Kekulé hält Corona-Tests für Reiserückkehrer aus Risikogebieten für sinnvoll. “Wenn man an einen gefährlichen Ort reist und zurückfährt, dann sollte man sich dringend testen lassen”, sagte der Direktor des Instituts für Medizinische Mikrobiologie des Universitätsklinikums Halle am Freitag im Interview mit dem Radiosender Bayern2. “Da glaube ich, wäre es sinnvoll, das verpflichtend zu machen.”

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Verpflichtende Tests sollten dann gelten, wenn ein Nachbarland von Deutschland zum Risikogebiet erklärt wird, so Kekulé. Denn dann sei dieses Land genauso gefährlich wie Ägypten. Auch die Behörden im Urlaubsland müssten verstärkt kontrollieren. Aktuell gilt das zum Beispiel für Luxemburg: Das Nachbarland gilt derzeit als Corona-Hotspot. Das Auswärtige Amt warnt aktuell vor nicht notwendigen, insbesondere touristischen Reisen dorthin, da die Neuinfiziertenzahl von 50 Fällen pro 100.000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen überschritten wurde.

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Kostenlose Corona-Tests für Urlaubs-Rückkehrer
2:08 min
Die Bundesländer wollen allen Rückkehrern aus dem Auslandsurlaub kostenlose Corona-Tests anbieten.  © Reuters

Was ist mit Urlaubern aus Nicht-Risikogebieten?

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Aber: Auch in Nicht-Risikogebieten besteht das Risiko einer Infektion. Jüngstes Beispiel ist eine vierköpfige Familie aus Cottbus, die nach ihrer Rückkehr von einem Mallorca-Urlaub positiv auf das Virus getestet wurde. SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach hatte sich daher für Corona-Tests bei allen Urlaubsrückkehrern ausgesprochen. Dem WDR sagte er: “Jeder, der aus dem Ausland zurückkommt, zumindest mit dem Flugzeug, müsste am Flughafen getestet werden.”

Der Präsident der Bundesärztekammer, Klaus Reinhardt, teilt diese Ansicht. Er hat sich für die Einrichtung der Corona-Testzentren am Flughafen ausgesprochen. “Der aktuelle, erneute Anstieg der Infektionszahlen in vielen europäischen Ländern zeigt, wie schnell auch bei uns die Pandemie wieder aufflammen kann.” Darauf müsse Deutschland sich vorbereiten. “Testzentren an Flughäfen können helfen, eine zweite Corona-Welle nach den Sommerferien zu verhindern”, sagte Reinhardt. “Jeder, der aus einem Corona-Hotspot zurückkommt, sollte sich testen lassen”, so der Ärztepräsident.

Corona-Infektion trotz negativem PCR-Test

Gängige Tests auf eine akute Corona-Infektion sind die sogenannten PCR-Tests. Dabei nehmen Helfer in der Regel mit einem Stäbchen Abstriche aus Nase oder Rachen, die dann auf Erbgut des Erregers Sars-CoV-2 untersucht werden. Diese Tests bieten allerdings nur eine Momentaufnahme. Es kann vorkommen, dass das Virus bei einem erst kürzlich Infizierten zum Testzeitpunkt noch nicht nachweisbar ist, wenn die sogenannte Viruslast in seinem Rachen noch zu gering ist.

Genau das ist bei einem Arzt aus Schwerin passiert. Er kehrte mit seinen Kindern aus einem Corona-Risikogebiet, dem Kosovo, zurück und ließ sich testen. Das Ergebnis am Dienstag war negativ. Zwei Tage später am Donnerstag war dann klar: Die drei haben sich doch mit dem Coronavirus infiziert. Und auch Kontaktpersonen der Familie haben sich angesteckt.

Prof. Dr. Emil Reisinger, Infektionsmediziner an der Uni Rostock, kritisiert die Einführung der Tests daher: “Wir wissen schon seit Monaten, dass die Abstrichtests keine verlässlichen negativen Ergebnisse liefern”, sagte er gegenüber der “Ostsee Zeitung”. Das Problem: “Der Test sagt dann, die Person ist gesund. Am nächsten Tag könnte das Ergebnis aber schon anders sein”, so Reisinger.

Schwerins Oberbürgermeister Rico Badenschier (SPD) bezeichnete die Tests von Reiserückkehrern aus Risikogebieten an Flughäfen gegenüber der “Ostsee Zeitung” als “Aktionismus, der die Menschen in falscher Sicherheit wiegt”. Besser wäre die reine Einhaltung einer ein- bis zweiwöchigen Quarantäne. “Die Erfassung der Rückreisenden an den Flughäfen und die anschließende Verhängung von Quarantäne ist möglich – und für mich alternativlos”, so Badenschier.

Gesundheitsexperte Karl Lauterbach regte zudem an, einige Tage nach dem Test am Flughafen bei Hausärzten oder Gesundheitsämtern einen weiteren Test durchzuführen.

Wer übernimmt die Kosten für die Corona-Tests?

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Ein weiterer Streitpunkt waren die Kosten für die Corona-Tests. Nun ist klar: Die Passagiere müssen nicht für sie aufkommen. Das Verfahren ist für Reiserückkehrer generell kostenlos – unabhängig davon, aus welchem Land sie kommen. Nur bei der Nutzung der Testzentren gibt es Einschränkungen. Dort sind nur Urlauber aus Risikogebieten willkommen.

Bereits jetzt ist es an mehreren deutschen Flughäfen möglich, sich freiwillig testen zu lassen. Die Kosten dafür an den Airports München, Frankfurt und Köln/Bonn liegen zwischen 59 und 190 Euro – und müssen von den Passagieren übernommen werden.

RKI-Liste der Risikogebiete umfasst mehr als 100 Länder

Das Robert Koch-Institut (RKI) hat weltweit mehr als 100 Staaten als Gebiete eingestuft, in denen ein erhöhtes Risiko für eine Infektion mit dem Coronavirus besteht. Aktuell gehören dazu unter anderem Ägypten, Israel, die Türkei, Südafrika und die USA. Bisher müssen Menschen, die aus den Ländern zurückkehren, in Deutschland zunächst 14 Tage in häusliche Quarantäne – sofern sie nicht einen negativen Corona-Test vorweisen können, der höchstens 48 Stunden alt ist. Außerdem müssen sie sich bei ihrem Gesundheitsamt melden. Ob die Rückkehrer tatsächlich immer in Quarantäne gehen, ist jedoch fraglich. Deshalb will die Politik hier nachjustieren.

Mit dpa/epd

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