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Trotz Lichtblicksommers: Reisebranche rechnet erst 2023 mit Erholung

  • Die Corona-Krise hat die Reisebranche das zweite Jahr in Folge fest im Griff – trotz eines Lichtblick­sommers.
  • Auf den Winter blickt der Deutsche Reiseverband (DRV) zwar verhalten optimistisch.
  • Doch Reisebüros und Veranstalter rechnen damit, frühestens 2023 in etwa das Vorkrisen­niveau zu erreichen.
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Die schon mehr als eineinhalb Jahre andauernde Corona-Pandemie trifft die Reisebranche das zweite Jahr in Folge hart – das zeigt der Blick zurück auf das in wenigen Tagen endende Touristikjahr 2020/2021: Mit einem Umsatzrückgang von 69 Prozent gegenüber dem Vor-Corona-Jahr 2019 zeigen sich erneut dramatische Einbrüche. „Das ist ein Minus von fast 12 Milliarden Euro“, sagte der Präsident des Deutschen Reiseverbandes (DRV), Norbert Fiebig, anlässlich der Jahrestagung in Griechenland.

Vor allem der annähernde Totalausfall der Wintersaison mit einem Umsatzrückgang von 94 Prozent gegenüber dem Winter 2019/2020 schlage hier zu Buche, so Fiebig. Fernreisen seien lange Zeit nicht oder kaum möglich gewesen. Die Zahlen stammen aus einer Analyse des Marktforschungs­unternehmens Travel Data + Analytics (TDA) und beziehen sich auf die Buchungs­entwicklungen zwischen November 2020 und Ende September 2021.

Beliebteste Sommerziele: Griechenland und Spanien

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Erfreulicher sei der Blick auf den Sommer – zwar verzeichnen die Veranstalter­reisen auch hier noch einen Umsatzrückgang von 56 Prozent gegenüber dem Vor-Corona-Sommer 2019 auf. Doch im Vergleich zu 2020 sei die Urlaubs­nachfrage deutlich angestiegen. „Einige Wochen lang lag das Buchungs­aufkommen sogar deutlich über dem Niveau von 2019 – ein Indiz für ein großes Urlaubsbedürfnis nach monatelangem Lockdown“, so Fiebig. Besonders gefragt waren klassische Mittelmeer­ziele wie Spanien, Griechenland und die Türkei. Auch die mit Auto, Bus oder Bahn erreichbaren Ziele in Deutschland, Österreich und anderen angrenzenden Ländern seien stark nachgefragt gewesen.

Norbert Fiebig, Präsident des Deutschen Reiseverbands (Archivfoto). © Quelle: imago images/STPP

Dabei hätten die Deutschen so kurzfristig gebucht wie nie: Vielfach hätten sie sich erst „last minute“ bis kurz vor Abflug für die konkrete Reise entschieden. Das zeigen auch die TDA-Zahlen: Im Juli wurden 55 Prozent und im August 61 Prozent aller Reisen weniger als vier Wochen vor Abreise gebucht. Auch im September blieben kurzfristig gebuchte Urlaubsreisen für die Herbstmonate mit einem Umsatzanteil von 55 Prozent hoch.

Mit Blick auf die kommende Wintersaison zeigt sich der DRV-Präsident vorsichtig optimistisch: „Wir stehen aktuell an einem Wendepunkt.“ Denn einige Fernreiseziele bereiten sich darauf vor, zeitnah wieder Reisende aus Deutschland zu empfangen. Nach den Öffnungs­ankündigungen der USA und Thailand würden die Buchungen „steil nach oben“ gehen.

Besonders gefragt für Reisen zwischen November und April seien die Kanaren – die spanische Inselgruppe vereint rund ein Drittel der Buchungen bei den organisierten Veranstalter­reisen. Ebenfalls gefragt sind Fernreiseziele wie die Malediven, die Dominikanische Republik (plus 6 Prozent im Vergleich zu 2019) und die Vereinigten Arabischen Emirate sowie die Türkei und Ägypten.

Wie wird der Reisesommer 2022?

Eine klare Prognose für das Jahr 2022 wollte Fiebig nicht geben. Denn: „Das Buchungs­verhalten und ‑geschäft sind extrem von der Pandemie­entwicklung in Deutschland und den ausländischen Zielen abhängig.“ Als „Buchungskiller“ bezeichnet Fiebig weiterhin eine „drohende Quarantäne“ nach der Rückkehr in Deutschland. Der DRV-Präsident forderte auch ein Überdenken des Instruments Reisewarnung. Hier habe die Politik in der Pandemiezeit mit „Kopflosigkeit und Hektik“ agiert.

Die meisten Reise­unternehmen erwarten zwar bereits nächstes Jahr eine deutliche Erholung. Bei einer Befragung unter 550 Reise­unternehmen gab die Mehrheit (fast 60 Prozent) aber an, dass sie das Umsatzniveau des Vor-Corona-Jahres 2019 erst 2023 erreichen werde. Rund ein Drittel der Befragten erwartet dies erst 2024.

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