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Corona-Infektionen nehmen zu: Südtirol zittert um die Skisaison

  • Südtirol ist nationales Schlusslicht bei der Impfrate und Spitzenreiter bei den Covid-Fallzahlen.
  • Im Hinblick auf die nächstes Wochenende offiziell beginnende Skisaison ist die Provinz nicht gut aufgestellt.
  • Sollte es zu weiteren Einschränkungen kommen, hoffen die Liftbetreiber auf die 2G-Regel – und keine Schließung.
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Rom. „Die Schließung der Anlagen wäre ein Desaster“, betont Andy Varallo, Präsident des Skigebiets Dolomiti Superski Alta Badia. Er erinnert daran, dass schon die gesamte Wintersaison 2020/21 ausgefallen ist und in der autonomen Provinz die Lifte und Seilbahnen seit März 2020, also seit 20 Monaten, stillstehen. Ein neuer Ski-Lockdown, so Varallo, würde „die Wirtschaft in den Alpen zerstören“. Ähnlich besorgt ist der ehemalige Skirennfahrer und Hotelier Gustav Thöni: „Ein weiteres Jahr ohne Skifahren wäre eine Katastrophe. Ohne das Weihnachtsgeschäft würden wir einen Drittel unserer Einnahmen verlieren“, erklärte Thöni gegenüber dem Onlinemedium „Huffington Post“.

Noch ist es allerdings nicht so weit: Im italienischen Corona-Ampelsystem ist Südtirol nach wie vor weiß, so wie der Rest des Landes, und auch die Ski-Konkurrenz im Friaul, im Veneto, in der Lombardei, im Piemont und im Aosta-Tal. Das könnte sich aber in Südtirol schon in der kommenden Woche ändern: In den vergangenen Tagen hat die Sieben-Tage-Inzidenz in der autonomen Region die Marke von 400 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner geknackt. Das ist der mit Abstand höchste Wert in Italien; landesweit liegt die Zahl noch knapp unter 100 Fällen. Die europäische Präventions- und Kontrollbehörde ECDC hat Südtirol diese Woche bereits wieder als Problemzone ausgewiesen und dunkelrot eingefärbt.

Zahl der Impfgegnerinnen und Impfgegner ist in Südtirol relativ hoch

„Aus den vergangenen Corona-Wellen wissen wir, wie schnell die Situation entgleisen kann. Wir befinden uns mitten in der vierten Welle“, bestätigt der für die Gesundheitspolitik zuständige Südtiroler Landesrat Thomas Widmann in Bozen. Ein wichtiger Grund für das rasante Infektionsgeschehen ist die im Vergleich zu anderen italienischen Regionen relativ hohe Zahl von Impfgegnerinnen und Impfgegnern in Südtirol. In der autonomen Provinz sind nur knapp 68 Prozent aller Personen vollständig geimpft; der Landesdurchschnitt liegt um 10 Prozent höher. „Bei uns war die Skepsis gegenüber Impfstoffen schon vor dem Ausbruch der Pandemie größer als im übrigen Italien“, erklärte der Südtiroler Landeshauptmann Arno Kompatscher gegenüber der Zeitung „Corriere della Sera“. Und man sei wohl auch weniger diszipliniert gewesen.

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Mehr Infektionen, mehr Krankenhaus-Aufenthalte: Südtirol fürchtet die vierte Corona-Welle

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Kompatscher ist sich bewusst, dass es wohl nur noch eine Frage der Zeit ist, bis Südtirol von der Regierung in Rom zur gelben Zone erklärt wird. Für die Skigebiete hätte dies zunächst noch keine gravierenden Folgen – erst wenn die autonome Provinz zur orangen oder roten Zone erklärt würde, müssten die Anlagen ihren Betrieb einstellen. Ob es dazu kommt, wird hauptsächlich von der Belegung der Intensivstationen und der medizinischen Abteilungen in den Südtiroler Spitälern abhängen. Noch liegt die Auslastung knapp unter den Grenzwerten, bei denen es automatisch zur Einteilung in eine höhere Gefahrenstufe kommt – aber die Tendenz bei den Neuinfektionen und bei den Hospitalisierungen ist weiterhin steigend.

Angesichts der schwerwiegenden wirtschaftlichen und sozialen Folgen, die ein erneutes Ausfallen der Skisaison mit sich bringen würde, will Kompatscher ein solches Szenario unter allen Umständen vermeiden. Um die vierte Welle im letzten Moment zu brechen, appellieren die Behörden eindringlich an alle Ungeimpften, sich doch noch immunisieren zu lassen. Aufgrund eines entsprechenden Beschlusses der Provinzregierung wird seit Donnerstag außerdem allen vollständig geimpften Bürgerinnen und Bürger eine dritte Dosis angeboten. „Die Lage ist nicht gut – wir riskieren, sehenden Auges einer Überlastung der Krankenhäuser entgegenzugehen“, warnte in diesen Tagen der Landeshauptmann seine Landsleute.

Provinzregierung hofft auf 2G-Regelung und keine komplette Schließung der Skigebiete

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Für den Fall, dass sich die Einstufung in Orange oder gar Rot nicht vermeiden lassen sollte, fordert die Provinzregierung in Bozen, dass die Skigebiete dennoch geöffnet bleiben – zumindest für Geimpfte und Genesene. „Wir müssen sicherstellen, dass diejenigen, die sich haben impfen lassen, nicht unter den neuen Restriktionen leiden müssen“, betont Kompatscher.

Mit dieser Forderung befindet er sich auf der gleichen Linie wie die Präsidenten der anderen italienischen Regionen, die ebenfalls verlangen, dass eventuelle künftige Lockdowns nur für Ungeimpfte gelten sollen. Auch in Regionen, in denen nicht Ski gefahren wird, bangt man angesichts überall steigender Fallzahlen ums Weihnachtsgeschäft.

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