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Portugal verschärft wegen Delta-Variante Beschränkungen: Ist der Urlaub in Gefahr?

  • Portugals Regierung verschärft die Regeln: Der Einlass in Lissabon wird kontrolliert, Restaurants müssen am frühen Nachmittag schließen.
  • Grund dafür ist die Delta-Variante des Coronavirus, die einen wesentlichen Teil der Neuinfektionen ausmacht.
  • Was bedeutet das für geplante Reisen in das beliebte Urlaubsland?
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Bereits die letzte Corona-Welle hatte in Lissabon ihren Anfang genommen: Damals breitete sich die Alpha-Variante aus, die zuerst in Großbritannien festgestellt worden war. Nun musste die portugiesische Hauptstadt erneut in den Lockdown. Wegen eines starken Anstiegs der Corona-Zahlen war die gesamte Region Lissabon, zu der auch Orte wie Cascais, Setúbal und Sintra zählen, bereits am vergangenen Wochenende abgeriegelt worden. Diese Maßnahme wird erneut umgesetzt.

Der Großraum darf von Freitagnachmittag bis Montagfrüh nur dann betreten oder verlassen werden, wenn „triftige Gründe“ oder ein negativer Corona-Test, ein Nachweis über eine vollständige Impfung oder eine Genesung vorliegt. So soll die Ausbreitung der Delta-Variante im Rest des Landes verhindert werden.

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Für Touristinnen und Touristen waren die Einschränkungen am vergangenen Wochenende nicht ganz so hart, schreibt das Auswärtige Amt in seinen Reise- und Sicherheitshinweisen: „Die Fahrt international einreisender oder ausreisender Touristen zum Hotel beziehungsweise zum Flughafen in Lissabon bleibt erlaubt.“

Auch die für Montag eigentlich geplanten Lockerungen wurden für weite Teile des Landes zurückgezogen. „Wir befinden uns in einer kritischen Phase“, sagte Präsidentschafts-Ministerin Mariana Vieira da Silva in Lissabon mit Blick auf die Ausbreitung der Delta-Variante.

Corona: Könnte Lissabon zum Virusvariantengebiet werden?

Bis vor einigen Wochen war die Lage in Portugal entspannt, die Infektionszahlen waren stark gesunken – dank eines harten Lockdowns. Im Frühjahr hatte das Land sogar die niedrigsten Infektionszahlen in der EU verzeichnet, es stand als einziges Urlaubsland auf der „grünen Liste“ der europäischen Infektionsschutzbehörde ECDC. Portugal galt als Vorzeigeland, doch inzwischen weist das Land den höchsten Inzidenzwert aller 30 Länder, die von der ECDC erfasst werden. Zum Vergleich: Deutschland weist einen Wert von 25 auf.

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Seit Anfang Juni steigt die landesweite Sieben-Tage-Inzidenz wieder: Lag sie am 27. Mai noch bei 31,0, so steht sie aktuell wieder bei 77,8 (Stand: 25. Juni), und damit wieder über der kritischen Grenze von 50 Neuinfizierten pro 100.000 Einwohner – wonach zumindest bis Ende Juni Reisewarnungen für Länder und Regionen ausgesprochen werden. Ab dem 1. Juli gelten sie erst ab einer Inzidenz von 200 und für Gebiete, in denen sich Virusvarianten stark verbreitet haben.

Dies ist vor allem in der Metropolregion Lissabon der Fall: Die Sieben-Tage-Inzidenz dort liegt aktuell bei 193,2 seit dem 13. Juni steht sie wieder auf der Risikogebieteliste. Bereits mehr als 60 Prozent aller neu erfassten Corona-Infektionen in Lissabon und dem Tejo-Tal sind auf die Delta-Variante des Virus zurückzuführen, in anderen Landesteilen im Norden sind es bislang 15 Prozent. Das sei das vorläufige Ergebnis der bisher im Juni durchgeführten Sequenzierungen positiver Corona-Proben, berichtet die Zeitung „Público“ unter Berufung des Nationale Gesundheitsinstitut Insa.

Studienkoordinator João Paulo Gomes rechne damit, dass die Zahlen in den kommenden Wochen noch zunehmen werden und sich die Mutante auf den Rest des Landes ausbreiten dürfte. Auch an der Algarve-Küste, die bei deutschen Urlauberinnen und Urlaubern beliebt ist, steigt die Inzidenz auf aktuell 139,8.

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Wegen verbesserter Corona-Lage: EU will Einschränkungen für Reisende lockern
1:17 min
Wegen einer besseren Corona-Lage in vielen Teilen der Welt sollen die Einreisebestimmungen nun für mehrere Länder gelockert werden   darunter die USA.  © dpa

Mit der besorgniserregenden Entwicklung steigt auch das Risiko, dass Portugal erneut als Virusvariantengebiet eingestuft werden könnte. Eine Folge wären die Reisewarnung und deutliche Reisebeschränkungen. Noch aber ist die Lage bei weitem nicht vergleichbar mit der im Januar. Mit 1556 neuen Ansteckungen innerhalb von 24 Stunden wurde am Donnerstag nach Angaben des Gesundheitsministeriums der höchste Wert seit Februar registriert.

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Das sind so viele wie seit dem Frühjahr nicht mehr, allerdings ist das auch noch kein Vergleich zur Lage im Januar, als täglich mehr als 14.000 Neuinfektionen registriert worden waren. Danach zog die Regierung die Notbremse und verhängte einen strengen Lockdown, den auch deutsche Fachleute als vorbildlich lobten.

Droht Portugal ein erneuter landesweiter Lockdown?

Einen solch harten Schritt hatte Portugals Präsident Marcelo Rebelo de Sousaam am Wochenende strikt abgelehnt: Die Ansteckungsrate allein rechtfertige keine drastischen Einschränkungen, solange die Zahl der Krankenhauseinweisungen weit unter dem Höchststand vom Winter liege, sagte er. Zumindest aber werden nun wieder härtere Restriktionen in den besonders betroffenen Gebieten umgesetzt.

In Lissabon sowie in Sesimbra und Albufeira müssen Restaurants, Cafés und Bars sowie Geschäfte – Lebensmittelläden ausgenommen – am Wochenende sowie an Feiertagen nur noch bis 15.30 Uhr öffnen.

In den anderen Landesteilen Portugals gelten derzeit moderate Einschränkungen: Eingehalten werden muss grundsätzlich der Mindestabstand von zwei Metern im öffentlichen Raum, es gilt eine Maskenpflicht in öffentlichen Verkehrsmitteln und Geschäften sowie im öffentlichen Raum, wenn der Abstand nicht eingehalten werden kann. Auch Strandbesucher müssen beim Betreten und Verlassen eine Maske tragen.

Ähnlich wie in einigen deutschen Küstenorten sollen Besucherströme an der Küste durch ein Ampelsystem gelenkt werden. Die App „Info Praia“ zeigt je nach Auslastung Grün, Gelb oder Rot an. Sport an den Stränden, wie Volleyball spielen, ist beispielsweise nur erlaubt, wenn die Ampel auf Grün steht.

Restaurants und Cafés dürfen bis 1 Uhr Uhr öffnen. Drinnen sind maximal sechs und draußen maximal zehn Menschen pro Tisch erlaubt. Geschäfte und Einkaufszentren dürfen zu eingeschränkten Zeiten öffnen. Es gilt ein Konsumverbot für Alkohol im öffentlichen Raum zwischen 21 und 6 Uhr.

RND/gei/dpa

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