Corona-Impfstoff: Hoffnung auch für die Reisebranche?

  • Hoffnungsschimmer im Teil-Lockdown: Die deutsche Firma Biontech stellt einen Corona-Impfstoff vor.
  • Aber was bedeutet das für die Zukunft der Reisebranche?
  • Wir haben bei einem Tourismusforscher nachgefragt.
Leonie Zimmermann
|
Anzeige
Anzeige

Haben wir bald das Coronavirus geknackt? Die deutsche Firma Biontech jedenfalls gibt Grund zur Hoffnung. Denn unter der Leitung von Mediziner Ugur Sahin hat sie einen Impfstoff gegen das Virus entwickelt, der nachweislich eine Effizienz von 90 Prozent aufweist. Das ist deutlich mehr, als viele Mediziner weltweit zu diesem Zeitpunkt erwartet hatten.

Sollte der Impfstoff wirklich auf den Markt kommen, würde das eine Reihe von Veränderungen mit sich bringen – auch für die von der Pandemie gebeutelte Tourismusindustrie. Könnten wir also mit Markteintritt des Impfstoffes quasi sofort in den Flieger nach Thailand, Australien oder Südafrika steigen? Tourismusforscher Jürgen Schmude von der Universität München ist da eher skeptisch. „Langfristig wird der Impfstoff sicherlich dazu führen, dass wir wieder befreiter reisen können. Kurz- und mittelfristig allerdings müssen wir erst mal abwarten, wann und wie der Impfstoff wirkt“, sagt er im Gespräch mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland.

Corona-Impfstoff deutlich effizienter als erwartet

Normalerweise werden Impfstoffe jahrelang getestet, bevor sie auf den Markt kommen. Im Fall der Coronavirus-Pandemie allerdings mussten die Mediziner weltweit einen Sonderweg gehen und die Entwicklung im Schnelldurchlauf durchführen. Mit einer Effizienz von 90 Prozent hatte dabei kaum jemand gerechnet. Wissenschaftler hatten zunächst nur 75 Prozent erwartet. Der Chefberater des Weißen Hauses, Anthony Fauci, hatte sogar eine 50- bis 60-prozentige Effizienz als akzeptabel betrachtet. Damit ist der Impfstoff, der jetzt das Rennen machen könnte, also deutlich effizienter als erwartet.

Das Reiseverhalten vor der Pandemie werde laut Schmude dadurch allerdings noch nicht wieder zurückkehren. „Das Ganze ist ja auch davon abhängig, wer sich als Testperson bereit erklärt und wie mit Ländern verfahren wird, in denen nicht geimpft wird.“

Wie genau das aussehen wird und ob der Impfstoff weltweit verteilt wird, ist bisher noch nicht eindeutig geklärt. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) setzt sich allerdings bereits mit der Plattform Covax für eine globale Verteilung der verfügbaren Impfstoffe ein. Mehr als 100 Schwellen- und Industrieländer sind bereits Teil der Initiative, die Entwicklungsländern den Zugang zu entsprechenden Medikamenten erleichtern will.

Nur 23 Prozent der Deutschen planen Winterurlaub

Zwar ist Schmude sich in einem Punkt sicher: „Die Tourismusbranche wird sich irgendwann erholen“, aber im Jahr 2021 sei das noch nicht der Fall. „Diese Hoffnung müssen wir langsam aufgeben. Denn die zweite Welle hat uns mit ihrer Wucht überrannt. Dadurch steht gerade vieles auf der Kippe – unter Umständen auch die Fernreise im nächsten Jahr.“

Denn der Fernreisesektor werde der letzte sein, der sich von der Pandemie erholt, sagt Schmude und fügt eine Prognose hinzu: „Das wird im kommenden Jahr noch nicht der Fall sein.“ Obwohl es auch aktuell schon möglich ist, einige Fernreiseziele anzusteuern, ist die Corona-Lage in den meisten Ländern der Welt unübersichtlich.

Das verunsichert die Menschen nach wie vor, und das zeigt sich auch in der Reisebereitschaft der Deutschen: Laut einer aktuellen Umfrage des Bayerischen Zentrums für Tourismus planen derzeit lediglich 23 Prozent der Befragten noch einen Urlaub in diesem Jahr.

  • Laden Sie jetzt die RND-App herunter, aktivieren Sie Updates und wir benachrichtigen Sie laufend bei neuen Entwicklungen.

    Hier herunterladen