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Mallorca überschreitet Corona-Grenzwert: Erklärt Deutschland die Insel jetzt zum Risikogebiet?

  • Die Rate an Neuinfektionen auf der Baleareninsel Mallorca liegt bei 66,81 pro 100.000 Einwohner.
  • Damit müsste das Robert-Koch-Institut nach eigenen Maßstäben die Insel zum Risikogebiet erklären, und das Auswärtige Amt müsste eine Reisewarnung aussprechen.
  • Noch zögern die Verantwortlichen – vor allem aus wirtschaftlichen Gründen.
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Palma de Mallorca. 66,81 Neuinfektionen auf 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen – damit hat Mallorca den von Deutschland gesetzten Grenzwert, um als Corona-Risikogebiet eingeschätzt zu werden, deutlich überschritten. Der liegt nämlich bei 50. Nach den eigenen Regeln müsste das Robert-Koch-Institut (RKI) nun also reagieren und Mallorca zum Risikogebiet erklären. Das wiederum würde zu einer Reisewarnung seitens des Auswärtigen Amtes führen.

Noch zögern die Verantwortlichen allerdings, Außenminister Heiko Maas spricht davon, aufgrund von “tatsächlichen Trends, nicht aufgrund von Momentaufnahmen” zu entscheiden, meldet “Der Tagesspiegel” – vor allem, um die Tourismusindustrie nicht komplett zu zerstören. Deshalb fürchtet man auf Mallorca angesichts der steigenden Zahlen schon seit einigen Tagen, dass Deutschland und andere Staaten eine Reisewarnung verhängen – immerhin lag der Wert schon am Dienstag erstmals bei knapp 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner.

Mallorca: Regionalregierung argumentiert mit höherer Anzahl an Tests

Nicht nur auf der Baleareninsel leben viele vom Tourismus, auch in Deutschland stehen viele Veranstalter und Reisebüros vor dem Aus. Die Zeitung zitiert Mitarbeiter des RKI mit den Worten, eine erneute Reisewarnung “wäre eine Katastrophe”. Auf den Balearen versucht man indes zu schwichtigen: Die hohe Fallzahl sei auch einer höheren Testung geschuldet, so die “Mallorca-Zeitung”.

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Mit einer Reisewarnung werden Pauschalreisen in der Regel sofort abgesagt, nur Individualreisen finden noch statt. Airlines können selbst entscheiden, Risikogebiete anzufliegen, Reiserückkehrer müssen bei der Ankunft in Deutschland dann aber einen staatlich verordneten Corona-Test machen und bis zum Ergebnis – in der Regel einige Stunden bis wenige Tage danach – in Quarantäne.

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Aktuell warnt das Auswärtige Amt vor Reisen in nahezu alle Länder außerhalb Europas, auch Teile von Spanien stehen auf der Risikoliste, etwa die beliebte Costa Brava und die Metropole Barcelona.

“Man hat die Partytouristen zu früh reingelassen”

Mallorca war immer wieder in den Schlagzeilen, nach der monatelangen Zwangsschließung sorgten Bilder von Touristen, die sich auf den beliebten Feiermeilen Schinken- und Bierstraße in Palma sowie in Magaluf nicht an Corona-Regeln hielten, für Aufsehen. Die Regionalregierung ließ die Läden kurzerhand wieder schließen, um das Risiko von neuerlichen Corona-Ausbrüchen zu minimieren. Einige Wirte jedoch fanden Schlupflöcher, um ihre Existenz zu sichern: Sie nutzen Nebeneingänge, die an Straßen liegen, die nicht vom Verbot betroffen waren, um so weiterhin Gäste begrüßen zu können.

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Kurz erklärt: Corona-Tests für Reiserückkehrer
0:59 min
Die Bundesregierung hat eine Testpflicht für Reisende angekündigt, die aus Corona-Risikogebieten nach Deutschland zurückkehren.  © RND

Auf der Insel indes wird diskutiert, ob die Öffnung nicht doch zu früh kam. Die auf Mallorca lebende Schweizer Yogalehrerin Mirjam Wagner wird von der Nachrichtenplattform “20min” zitiert: “Man hat die Partytouristen zu früh reingelassen. Die Partyhungrigen versuchen auch jetzt trotz der Schließungen, die Regeln irgendwie zu umgehen.” Das Fehlverhalten derjenigen würde die zahlreichen Urlauber, die sich an alle Hygienestandards halten, in den Schatten rücken.

RND/msk

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