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  • Camping in Schleswig-Holstein: Verband rechnet mit neuem Gäste-Rekord

Rekord an Campingurlaubern in Schleswig-Holstein – Mecklenburg-Vorpommern schwächelt

  • Schleswig-Holsteins Campingverband rechnet mit fünf Millionen Gästen in diesem Jahr – ein neuer Rekord.
  • Den Plätzen in Mecklenburg-Vorpommern beschert der späte Saisonstart aber keine Rekordzahlen.
  • Dennoch fördert die Pandemie den Campingboom in beiden Ländern.
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Kiel. Wer in Deutschland zwischen den Meeren auf dem gewünschten Campingplatz Urlaub machen will, hat es auch außerhalb der Hochsaison nicht leicht. Sowohl in Schleswig-Holstein als auch in Mecklenburg-Vorpommern sind die Campingplätze im Herbst sehr gut besucht oder sogar komplett ausgebucht. Doch während Schleswig-Holsteins Landesverband der Campingwirtschaft mit einer Rekordzahl an Besucherinnen und Besuchern in der Jahresbilanz rechnet, glaubt Mecklenburg-Vorpommerns nicht daran, die Besucherzahlen aus 2020 überschreiten zu können.

„Wir gehen davon aus, dass wir in diesem Jahr erstmals fünf Millionen touristische Übernachtungen haben werden“, sagte der Landesvorsitzende des Verbandes der Campingwirtschaft Schleswig-Holstein, Gert Petzold, der Deutschen Presse-Agentur. Bis zum Ende dieser Woche seien die Plätze in ganz Schleswig-Holstein noch sehr gut gebucht – „einige sind sogar zu 100 Prozent belegt“. Das gilt besonders für die Hotspots an Nord- und Ostsee. Vor sechs Jahren seien es noch 3,2 Millionen Übernachtungen gewesen. Dem Verband sind 134 Anlagen mit zusammen etwa 40.000 Plätzen angeschlossen.

Camping in Mecklenburg-Vorpommern: Besucherrekord aus 2020 wird wohl nicht gebrochen

Auch in Mecklenburg-Vorpommern herrsche je nach Lage der Plätze derzeit eine gute beziehungsweise sehr gute Auslastung auf den Campingplätzen, so der Landesverband Mecklenburg-Vorpommern der Campingwirtschaft (BVCD/MV) gegenüber dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). Doch „in der Mecklenburgischen Seenplatte ist der Herbst, witterungsbedingt, schlechter als im letzten Jahr ausgefallen.“ Und da erst Anfang Juni wieder Gäste aus ganz Deutschland im Land beherbergt werden durften, wurden von Januar bis Juli 2021 laut einer Auswertung des Statistischen Bundesamtes nur rund 2,1 Millionen Übernachtungen auf den Campingplätzen in Mecklenburg-Vorpommern getätigt. Das stellt ein Minus von 25,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum da.

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„Das verspätete Öffnungsszenario für MV hat dazu geführt, dass viele Buchungen für den Juni storniert wurden und sich die Gäste auf unsere direkten Wettbewerber in Schleswig-Holstein und Niedersachsen umorientiert haben.“ Daher rechnet der Verband im Jahr 2021 lediglich mit etwa 5 Millionen Übernachtungen. Somit könne das Rekordergebnis von über 5,5 Millionen des Jahres 2020 höchstwahrscheinlich nicht erreicht werden. Damals stieg im Vergleich zum Jahr 2019 (5.069.639 Übernachtungen) die Anzahl der Buchungen um 9,9 Prozent.

Dennoch geht der BVCD/MV davon aus, dass es eine Steigerung zu den Ergebnissen aus dem Jahr 2019 geben wird, da das Interesse an Campingurlaub aufgrund der Pandemie noch weiter gestiegen ist. Rund 200 Campingplätze gibt es in MV, davon sind 80 dem Verband angeschlossen.

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Campingurlaub während Corona stärker gefragt – vor allem in Schleswig-Holstein

Dass aufgrund der Pandemie das Interesse an Campingurlaub stark angestiegen ist, bestätigen auch die Zahlen aus Schleswig-Holstein. Bis Ende Juli zählten die insgesamt 267 geöffneten Campingplätze in Schleswig-Holstein 2,8 Millionen Übernachtungen, ein Plus zum Vorjahr von 16,9 Prozent. Währenddessen verzeichneten alle Ferienunterkünfte mit mindestens zehn Betten ohne Camping einen Rückgang von 2,6 Prozent auf 12,0 Millionen Übernachtungen. Zum Vergleich: Im Vor-Corona-Jahr 2019 entfielen von 20,6 Millionen Gesamtübernachtungen bis Ende Juli 2,6 Millionen auf Camping. Dessen relativer Anteil ist seitdem also stark gestiegen.

St. Peter-Ording: Campingwagen und Wohnmobile stehen auf dem Campingplatz Biehl an der Nordsee. © Quelle: Carsten Rehder/dpa

„Auch im Blick auf das nächste Jahr sind wir sehr positiv gestimmt“, sagte Petzold. Die Branche biete heute eine breite Palette von Freizeitmöglichkeiten, „die es vor zehn Jahren noch nicht gab“. Er nannte Schwimmbäder, Tennisplätze, Animation für Kinder und Erwachsene. Büros auf den Campingplätzen betreuten Gäste, vermittelten Tagesausflüge, Schiffsfahrten, Busreisen nach Dänemark. „Die Gäste haben heute andere Erwartungen als vor zehn Jahren. Viele sind viel gereist und vergleichen unsere Angebote mit denen anderswo.“ 86 Prozent der Urlauber seien Deutsche, viele kämen seit Langem aus Nordrhein-Westfalen.

An die mecklenburg-vorpommerischen Campingplätze kamen von Januar bis Juli 2021 etwa 97 Prozent (423.442 Gästeankünfte) der Camperinnen und Camper aus Deutschland. Insgesamt konnte Mecklenburg-Vorpommern laut der Auswertung des Statistischen Bundesamtes 435.956 Gästeankünfte verzeichnen. Weitere statistische Daten liegen derzeit noch nicht vor.

Campingplätze in Schleswig-Holstein sollen erweitert werden

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„Wir empfehlen, Urlaub rechtzeitig zu buchen, aber wir wollen unseren Gästen auch die Möglichkeit geben, spontan anzureisen“, sagte Petzold. Möglichkeiten, angesichts des großen Interesses die Kapazitäten auszubauen, sieht er in erster Linie in der Erweiterung bestehender Campingplätze, im Einklang mit Natur und Infrastruktur. „Wir haben versucht, zusätzliche Stellplätze angrenzend an Campingplätze zu aktivieren, zum Beispiel Parkplätze.“

Wirtschafts- und Innenministerium hätten das unterstützt, aber die Kreisverwaltungen auf aufwendigen Genehmigungen beharrt, sagte Petzold. Der Verband will nicht lockerlassen und zumindest für die Monate Juli und August eine Lösung ohne großen bürokratischen Aufwand erreichen. Er setzt dabei auf Rückendeckung durch Regierung und Tourismusverband.

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Vom Kastenwagen zum Wohnmobil. In unserer Vanlife-Serie verwandeln wir einen alten Transporter zum DIY-Campervan.  © reisereporter

Campingtourismus schon vor Corona im Trend

Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Bernd Buchholz (FDP) macht ihm Hoffnung: „Der Campingtourismus lag schon vor Corona im Trend, hat durch die Pandemie aber noch mal richtig Fahrt aufgenommen.“ Gäste schätzten kontaktarmen und obendrein naturnahen Tourismus. Auf die hohe Nachfrage habe das Land zeitnah reagiert, Kapazitätserweiterungen von bestehenden Campingplätzen und die Duldung von sogenannten Kleinstcampingplätzen ermöglicht.

„Dass da in Einzelfällen ein Kreis bei den Anforderungen übers Ziel hinausgeschossen ist, haben wir auch gehört und das zuständige Innenministerium eingeschaltet“, sagte Buchholz. Das habe die Vorgaben noch einmal präzisiert. „Denn unser gemeinsames Ziel ist und bleibt eine unbürokratische Lösung, um den Campingboom des Corona-Jahres als Chance für den Schleswig-Holstein-Tourismus zu nutzen.“

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Auch Mecklenburg-Vorpommern setzt dem Campingboom neue Lösungen entgegen: Bei sehr hoher Auslastung auf den Plätzen in Toplage in der Hauptsaison versucht das Land beispielsweise, mit Besucherlenkung die Reisenden zu verteilen. So entwickelte der BVCD/MV ein Leitsystem für Camper, um auch die freien Campingplätze in anderen Urlaubsregionen besser auslasten zu können. Das Leitsystem Campfindo zeigt freie Kapazitäten für Camper auf einer übersichtlichen Karte.

RND/bv/dpa

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