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Bettenrevolution auf Mallorca: Tourismusgesetz friert Zahl der Gästebetten ein

Touristen sonnen sich am Strand von El Arenal, einem der Hauptziele für deutsche und niederländische Touristen während der Sommersaison auf der Balearen-Insel Mallorca.

Touristinnen und Touristen sonnen sich am Strand von El Arenal, einem der Hauptziele für deutsche und niederländische Touristen während der Sommersaison auf der Balearen-Insel Mallorca.

„Man merkt den Unterschied“, sagt Presen Alcaraz, Zimmermädchen im Hotel Rui Festival an der Playa de Palma. „Früher musste ich mich bücken, jetzt trete ich auf ein Pedal, und es ist wunderbar.“ Auf Mallorca ist eine kleine Revolution im Gange, und seit diesem Freitag ist sie in Gesetzesform gegossen: In spätestens sechs Jahren sollen alle rund 300.000 Hotelbetten auf den Balearen automatisch höhenverstellbar sein. „Der Rücken dankt es“, sagt Dolores Romero vom Hotel Meliá Palma Marina im Gespräch mit dem „Diario de Mallorca“.

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Rund 20.000 Frauen, die täglich die Touristenbetten machen, werden dann weniger kaputt nach Hause kommen. Nach einer kürzlich vorgestellten Studie des Instituts für Arbeitssicherheit und -gesundheit der Balearen dürften sich die Arbeitsunfälle beim Housekeeping um mehr als die Hälfte reduzieren.

Die Verbesserung der Arbeitsbedingungen in der Tourismusindustrie ist einer der Schwerpunkte des neuen Tourismusgesetzes der Balearen, das die Regionalregierung am Freitag vorgestellt hat und das noch am selben Tag in Kraft getreten ist.

Bettenrevolution auf Mallorca

Das zweite zentrale Element ist ein Moratorium: Während der kommenden vier Jahre sollen keine zusätzlichen Übernachtungsplätze mehr auf den Inseln zugelassen werden, weder in Hotels noch in Privatunterkünften. Und: Wenn Hotels ab jetzt renovieren wollen, müssen sie dafür fünf Prozent ihrer bisherigen Gästebetten aufgeben. Schließlich werden die Umweltanforderungen an die Hotelbetreibenden steigen. Das neue Gesetz heißt „Kreislauf- und Nachhaltigkeitsgesetz“.

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Die Balearen leben vom Tourismus. In der Pandemie lief das Geschäft schlecht. Im gerade abgelaufenen Jahr 2021 kamen 6,3 Millionen ausländische Besucher, von denen die meisten – 2,3 Millionen – Deutsche waren. Damit reisten zwar mehr als dreimal so viele Ausländer an wie im katastrophalen Jahr 2020, aber immer noch weniger als die Hälfte als in den guten Vorjahren. Die Einheimischen spüren diesen Einbruch. Ende des Jahres suchten 94.000 Männer und Frauen auf den Inseln Arbeit (was eine Arbeitslosenquote von 14,9 Prozent macht), Ende 2019 waren es 62.700, ein Drittel weniger.

Die Touristen sollen wiederkommen, und offenbar wollen sie das auch. „Mallorca wird gerade sehr gut gebucht“, sagt Aage Dünhaupt vom Reiseveranstalter Tui. „Deutsche im Reisefieber“, titelt die deutschsprachige Mallorca-Zeitung. Die Regionalregierung findet, dass dies genau der richtige Moment ist, sich auf künftige Anstürme vorzubereiten. Und dafür zu sorgen, dass sie nicht überhandnehmen.

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Spanien hebt die Maskenpflicht im Freien auf. Auf den Balearen fällt, unter anderem in Restaurants und Bars, außerdem die 3G-Regel.

Statt immer mehr möchte die linke Balearenregierung lieber, dass auf Dauer eher weniger Menschen auf die Inseln kommen, jedenfalls weniger als in den Boomjahren vor der Pandemie. Sie will den Hotels erlauben, auszubauen (allerdings nicht in die Höhe) – wenn sie gleichzeitig ihre Bettenzahl reduzieren. Weniger Touristen auf mehr Raum, das ist das Ziel. Und wie immer sollen sie sich bitte zivilisiert verhalten. Ein Detail des neuen Gesetzes: In den Alles-inklusive-Hotels dürfen alkoholische Getränke nicht in Automaten angeboten werden. Die verführen offenbar besonders zum Trinken.

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Die Mallorquiner Hoteliers sind mit dem neuen Gesetz ganz zufrieden. „Die Absichten und der Geist des Gesetzes sind die richtigen“, sagte Antoni Horrach, der Generaldirektor von HM Hotels, schon vor ein paar Tagen, als die ersten Informationen über die geplante Reform durchsickerten. Das Vier-Jahres-Moratorium wird vor allem kleine und große Investoren treffen, die vielleicht Pläne für die Eröffnung weiterer Hotels oder Ferienwohnungen hatten. Sollte bei gleichbleibendem oder abnehmendem Bettenangebot die Nachfrage nach Mallorca-Urlaub übers Vorpandemieniveau hinaus steigen, dann werden absehbar auch die Preise steigen.

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