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Bali öffnet für erste Reisende: Hoffnung für traumatisierte Urlaubsinsel

  • Die indonesische Urlaubsinsel Bali begrüßt ab heute wieder die ersten Reisenden.
  • Die Rückkehr zum Tourismus gibt erstmals Hoffnung, nachdem Indonesien traumatische Monate mit Tausenden Covid-Toten hinter sich hat.
  • Doch die Kernprobleme des Landes sind damit nicht vom Tisch.
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Nach Monaten der Pandemiehölle, die nicht nur zahllose Menschenleben gefordert, sondern auch etliche Existenzen zerstört hat, gibt es in Indonesien nun erste Zeichen der Hoffnung. Das Land meldet zwar nach wie vor um die 1000 Neuinfektionen und rund 50 Tote pro Tag, doch die Situation hat sich so weit stabilisiert, dass sich zumindest das Urlaubsparadies Bali dem 14. Oktober wieder öffnet.

Bali öffnet sich für Tourismus

So wird Bali, das in großen Teilen vom Tourismus lebte und durch die Pandemie schwere Einbußen hinnehmen musste, ab dem 14. Oktober wieder internationale Reisende empfangen. Noch dürfen nicht Urlaubende aus allen beliebigen Ländern einreisen, doch Reisende aus China, Südkorea, Neuseeland, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Japan beispielsweise gehören zu den ersten internationalen Besuchern.

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Made Mohon, Parkmanager des Sangeh Monkey Forest, füttert Makaken mit gespendeten Erdnüssen in der beliebten Touristenattraktion. Wegen Corona bleiben auf Bali die Touristen aus – und damit auch das Fressen für Hunderte Affen. © Quelle: Firdia Lisnawati/AP/dpa

Reisende aus diesen zugelassenen Ländern müssen sich bei ihrer Ankunft auf Bali auf eigene Kosten in Quarantäne begeben. Zunächst war diese auf acht Tage angesetzt, doch diese Woche wurde der Zeitraum auf fünf Tage begrenzt. Außerdem müssen die Reisenden vor der Ankunft einen Nachweis über ihre Quarantäne-Hotelbuchung, einen Impfnachweis und ein negatives Covid-19-Testergebnis vorlegen.

Zeitweise Epizentrum der Pandemie

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Die für Ende der Woche geplante Öffnung steht in krassem Gegensatz zu dem, wie es noch vor wenigen Monaten im Land aussah. Im Juli war der südostasiatische Inselstaat zum Epizentrum der Pandemie geworden. Mitte Juli meldete das Land teilweise über 50.000 Covid-19-Neuinfektionen pro Tag.

Offiziell sind mehr als 140.000 Menschen in dem südostasiatischen Inselstaat am Coronavirus gestorben, doch Experten vermuten, dass die wahren Zahlen um ein Vielfaches höher liegen. Laut des indonesischen Sozialministeriums haben über 11.000 Kinder ein oder beide Elternteile durch Covid-19 verloren. Weit über tausend Kinder sind selbst an der Viruserkrankung gestorben, ein Großteil davon unter fünf Jahren.

Eine Familie betet am Grab eines Covid-Toten. Indonesien war zeitweise das Pandemiezentrum. © Quelle: Getty Images

Während des Höhepunkts der Pandemie in Indonesien hatte Dino Satria von „Save the Children“ beschrieben, wie das Gesundheitssystem kurz vor dem Zusammenbruch stand und die Sauerstoffvorräte zur Neige gingen. „Wir hören Berichte über ganze Familien, einschließlich Kleinkinder, die mit Covid-19 infiziert sind und von mehreren Krankenhäusern abgewiesen wurden, weil diese keine Patienten mehr aufnehmen können“, sagte er damals.

Kernprobleme nach wie vor vorhanden

Seit Mitte September gehen die Infektionen und Opferzahlen in Indonesien nun aber zurück. Während auf Bali rund 80 Prozent der berechtigten Bevölkerung vollständig geimpft sind, kommt Indonesien als Ganzes auf eine Impfquote von nur rund 20 Prozent. Laut einer Analyse des Mediums „Insider“ wird das Land zudem nach wie vor von den gleichen Kernproblemen geplagt, die es während der Krise im Juli und August so verwundbar gemacht haben.

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In Gesprächen mit Ärzten, Epidemiologen und Datenanalysten vor Ort identifizierte das Medium mangelnde Datenberichterstattung sowie fehlenden Zugang zu medizinischer Versorgung und Impfstoffen. Indonesien hat über Jahre zu wenig in seinen Gesundheitssektor investiert und nur etwa 3 Prozent seines Bruttoinlandprodukts für Gesundheit ausgegeben. Die Dezentralisierung im Jahr 2001 verlagerte einen Großteil der Kontrolle der öffentlichen Ausgaben für Gesundheit und die Leistungserbringung zudem auf die Kommunalverwaltungen.

Straßenkunst als Regierungskritik

An vielen der Problemen, die die Folgen der Pandemie nun noch mal verstärkten, ist laut Dicky Budiman, ein indonesischer Epidemiologe, der an der australischen Griffith Universität Coronavirus-Varianten erforscht, die indonesische Regierung schuld. Beispielsweise habe die Regierung die Pandemie von Anfang an „heruntergespielt“, kritisierte er in einem Fachartikel im akademischen Magazin „The Conversation“. Sie habe das Risiko ganz klar unterschätzt und dadurch auch die Gefahren in der Kommunikation mit der Öffentlichkeit nicht deutlich genug zum Ausdruck gebracht.

Wie unzufrieden viele in der Gesellschaft mit dem Covid-Management der Behörden sind, wurde in den vergangenen Wochen und Monaten durch mehrere Graffiti deutlich. Die umstrittenste Straßenkunst entstand in einem Tunnel am Stadtrand von Jakarta und zeigte den indonesischen Präsidenten Joko Widodo mit verdeckten Augen und der Überschrift „404: Not found“. Dies spielte auf den „404″-Fehler im Internet an, wenn ein Hyperlink unterbrochen wird. Das Bild wurde für viele Indonesier zu einem Symbol dessen, wie enttäuscht sie von der Regierung sind. Die politische Führung reagierte recht sensibel auf die Wandgemälde und versuchte gegenzusteuern – doch das Durchgreifen der Behörden und die Verfolgung von Straßenkünstlern erregte letztendlich nur noch mehr Aufmerksamkeit.

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