Wolfgang Joop: „Die Welt ist am Limit, die Zeit der großen Designer ist vorbei“

  • Am Dienstag erscheint die Autobiografie von Wolfgang Joop.
  • In einem Interview kritisiert der Potsdamer Modeschöpfer die Konsumgesellschaft.
  • Mit eindringlichen Worten will er die Menschheit zum Umdenken bewegen.
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Potsdam. Der Potsdamer Modeschöpfer Wolfgang Joop hält die Ära der großen Designer für beendet. „Diese Zeit ist für uns vorbei, wir sind nicht mehr so important, man braucht nicht mehr den Lebensstil eines Designers, sein Parfüm, seine Unterwäsche, seine Bettwäsche“, sagte Joop der „Märkischen Allgemeinen“. Dies gelte „für einen Helmut Lang, für einen Karl Lagerfeld, eine Jil Sander und eben mich, einen Wolfgang Joop“.

Joops Autobiografie erscheint an diesem Dienstag. Sie trägt den Titel „Die einzig mögliche Zeit“ – laut Joop auch eine Anspielung auf den Wertewandel in der Gesellschaft: „Wissen Sie, die Welt ist am Limit, dieses ganze Konsumieren fordert seinen Preis. Wenn wir nicht untergehen wollen, muss sich einfach etwas ändern, wir können nicht immer so weitermachen, nicht weiter fressen, weiter durch die Welt fliegen, weiter mit unserer Landwirtschaft die Umwelt zerstören und Tiere quälen. Das hat ein Teil der jungen Menschen längst verstanden – auch in der Mode. Wenn die eins nicht tragen wollen, ist es ein schlechtes Gewissen. Das alles wird die Welt verändern. Und ich hoffe, dass meine Enkelkinder damit zurechtkommen.“

Über seine Heimatstadt hat Joop nur Lob übrig

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Der 74-Jährige betont, er habe seine Zeit wirklich genutzt und genossen. „Aber gerade aus diesem Gefühl heraus, das alles noch gedurft und riskiert zu haben, denke ich, dass ich mit dem, was da jetzt kommt, gar nicht mehr zurechtkomme.“

Joop, der 1944 in Potsdam geboren wurde, wuchs auf den Bauernhof seiner Großeltern, dem Gut Bornstedt am Park von Sanssouci, auf. 1954 siedelte er mit der Familie nach Braunschweig über, 2003 kehrt er nach Potsdam zurück, inzwischen ist das Familiengut wieder der Hauptwohnsitz des Designers.

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Über seine Heimatstadt Potsdam findet Joop lobende Worte. „Potsdam ist so berührbar und so berührt. Es ist so angefasst. Es ist kaputt gegangen und trotzdem heil geblieben. Und dann diese Nähe der Dinge. Ich kann, wenn ich will, ins Hotel Mercure in den obersten Stock fahren und komme mir vor, als wäre ich noch mal in dieser Lost-in-Space-Sputnik-Welt. Ist doch geil irgendwie. Und dann kann ich die Wege in Sanssouci gehen, die ich alle kenne seit meiner Kindheit.“

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Joop spricht auch über sein nächstes Projekt

Allerdings übt der Modeschöpfer auch Kritik am Verhalten einiger wohlhabender Potsdamer, namentlich des SAP-Gründers Hasso Plattner: „Bei der Eröffnung des Barberini hat Hasso Plattner mal sehr deutlich gesagt: Da will man die Potsdamer beschenken und dann erschrecken die sich und mäkeln und fühlen sich beklaut und überrumpelt. Ich bin Potsdamer, echter Potsdamer und solche Ansprachen brauche ich eigentlich nicht. Oder? Habe ich bitte, bitte gesagt?“ Joop zufolge ist es in Potsdam „wie überall auf der Welt: Es sind da diese paar reichen Leute, die investieren. Und das sorgt dafür, dass gerade viele Potsdamer das Gefühl haben: Wir liefern uns an die aus – wer auch immer die sind.“

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Auch über sein nächstes Projekt äußerte sich Joop in dem Gespräch: „Ich habe jetzt die Aufgabe angenommen, den exklusiven Hemdenhersteller „Van Laack“ modisch in eine neue Zukunft zu begleiten.“

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