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Als 90-Jähriger ins All: Wie schafft William Shatner das?

  • Captain Kirk fliegt endlich auch in Wirklichkeit ins All: An Bord von Jeff Bezos‘ Raumkapsel erfüllt sich William Shatner einen Traum.
  • Doch wie belastend ist der Weltraumausflug für den 90-Jährigen?
  • Dr. Volker Schmid, Lead Mission Manager beim Deutschen Luft- und Raumfahrtinstitut, hat dazu eine klare Meinung.
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Wenn William Shatner am Mittwoch an Bord der „Blue Origin“-Rakete ins All fliegt, erfüllt er sich damit einen langgehegten Traum. Nicht nur das – auch für Zehntausende „Star Trek“-Fans wird eine nie für möglich gehaltene Fantasie Wirklichkeit: Shatners Alter Ego Captain James T. Kirk, der einst das erste „Raumschiff Enterprise“ in die unendlichen Weiten führte, verlässt erstmals auch im echten Leben die Erde. Doch während die Sci-Fi-Legende in jungen Jahren von Mission zu Mission düste, ist sein Darsteller beim Weltraumflug mit Jeff Bezos‘ Rakete nun stolze 90 Jahre alt. Nicht zu Unrecht stellen sich manche die Frage: Wie schafft ein Mann seines Alters das?

Aktiver jedenfalls könnte der US-Amerikaner kaum sein: 2020 veröffentlichte Shatner ein Jazz-Album, nach wie vor dreht er für Film und Serie. Wie gut er sich gehalten hat, zeigen eindrücklich auch seine Rollen – zuletzt etwa als Ex-Nasa-Testpilot in der Komödie „Senior Moment“. Aber wie schaut es nun aus, da er von der Fiktion in die Realität wechselt? Dass er zumindest nicht ganz cool an die Sache geht, gab er erst kürzlich zu: „Ich bin Captain Kirk und ich habe Angst davor, ins All zu fliegen“, zitierte ihn unter anderem das „People“-Magazin. Und dass der Flug aufgrund der Wetterbedingungen um einen Tag verschoben werden musste, dürfte auch nicht unbedingt zur Beruhigung beitragen. Also: Kann Shatner Weltraum?

William Shatner wird an Bord der „Blue Origin“-Rakete ins All fliegen. © Quelle: Getty Images
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Nur elf oder zwölf Minuten Flugzeit

Nachgefragt bei einem, der es wissen muss: Dr. Volker Schmid arbeitet als Lead Mission Manager beim Deutschen Luft- und Raumfahrtinstitut und leitete 2018 die „Horizons“-Mission, die Astronaut Alexander Gerst zur ISS schickte. Mit Blick auf Shatners Flug an Bord der „New Shepard“ sagt der Experte im Gespräch mit der Nachrichtenagentur teleschau: „Er muss natürlich grundsätzlich gesund sein. Er hat auch trainiert und ein Fitnessprogramm absolviert. Wenn man normale Gesundheitswerte, ein gesundes Herz-Kreislauf-System hat, ist das eigentlich kein Problem. Bleibt die Aufregung und sicher ein deutlich erhöhter Puls, wenn die Triebwerke zünden und die Beschleunigungswirkung einsetzt.“

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Schmid gibt aber zu bedenken, dass es sich um eine Mission mit nur elf oder zwölf Minuten Flugzeit handelt: „Die Kapsel erreicht etwas mehr als 100 Kilometer Höhe und fällt dann zur Erde zurück – im freien Fall gibt es dann einige Minuten Schwerelosigkeit. Das übersteht bei normaler Gesundheit auch ein 90-Jähriger eher als zum Beispiel einige Tage permanente Schwerelosigkeit.“

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„Das ist noch keine richtige Raumfahrt“

Überhaupt muss man wohl ein wenig relativieren: William Shatner als dann ältester Mensch im All? Für Schmid „vor allem eine Schlagzeile“. Der Fachmann wird noch deutlicher: „Das ist noch keine richtige Raumfahrt.“ Vielmehr handle es sich bei den Missionen von Amazon-Gründer Bezos oder Richard Branson um „Extremflüge, die nach einer Viertelstunde vorbei sind. Einige Tage oder wochenlang dauernde Schwerelosigkeit hat einen stärkeren Effekt auf den menschlichen Körper. Metabolismus, Herz-Kreislauf-System, Gleichgewichtsorgan, Immunsystem müssen sich an die Schwerelosigkeit anpassen. Dies kann bei älteren Menschen schwieriger sein“. Astronauten, „egal wie alt“, würden für den Flug ins All „sehr, sehr lange und ausgiebig“ trainieren.

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Und doch kann Schmid den Milliardärsflügen etwas abgewinnen: „Die Personen, die fliegen, werden über diese Erfahrung berichten. Der sogenannte ‚Overview‘-Effekt hilft mit, dass wir sehen, wie wichtig es ist, unseren Planeten zu erhalten.“ Zumal wir von Massentourismus ins All noch weit entfernt seien. Bis dahin beleben die Flüge von Bezos und Co. „das Raumfahrtgeschäft auch für wissenschaftliche Experimentiermöglichkeiten und bringen Dynamik und Flexibilität rein“, so Schmids Einschätzung. „Das wird in den nächsten Jahren sicher zunehmen.“ Es werde aber noch sehr lange dauern, „bis solche Flüge für den Otto Normalverbraucher erschwinglich werden – wenn überhaupt in absehbarer Zeit. Voraussetzungen dafür wären kostengünstiger Raumtransport und gesteigerte Zuverlässigkeit und Sicherheit.“

Bleibt die Frage, ob der DLR-Experte Schmid eigentlich selbst „Star Trek“ schaut. Die Antwort ist eindeutig: „Zwei Leute haben meinen Berufswunsch nachhaltig geprägt und mich in die Raumfahrt gebracht: einmal Neil Armstrong bei der Mondlandung – und dann Captain Kirk vom Raumschiff Enterprise. Deshalb gönne ich William Shatner das und finde es großartig, dass er fliegt – sich hier Science und Science-Fiction berühren, denn ohne Visionen keine Wissenschaft und Fortschritt.“

RND/Teleschau

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