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Vom Saubermann zum Buhmann

Maskenbetrugs-Vorwürfe: Wer ist Fynn Kliemann?

Kann lustig, aber nicht nur: Fynn Kliemann.

Fynn Kliemann hat sich jahrelang das Image als Alleskönner und netter Kerl aufgebaut – doch nun bröckelt es gewaltig.

Es gibt wenig, das Fynn Kliemann nicht ist. Er gehört zu jenen Menschen, die alles ausprobieren. Die Spaß an Neuem haben, Neugier, Entdeckergeist. Wer sich die vielen Geschäftsfelder des 34-Jährigen anschaut, fragt sich, wie viele Stunden sein Tag so hat – auch wenn er all seine Firmen und Tätigkeiten mit Kolleginnen und Kollegen gemeinsam startete.

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Fynn Kliemann ist Handwerker, Youtuber, Mediengestalter, Influencer, Singer-Songwriter, Webdesigner, Schauspieler, Filmemacher, Autor, Synchronsprecher und Geschäftsführer. Er hat ein Modelabel, eine Plattenfirma, ist Besitzer eines Reiterhofs, den er zu einem Kreativprojekt verwandelt hat, vermietet Ferienwohnungen und kauft Immobilien, die er renoviert und wieder verkauft.

Fynn Kliemann und die Maskenaffäre

Wohltäter war er auch einmal, zumindest vermeintlich. Immer wieder startete er angeblich soziale Projekte, verschenkte etwa Masken an Geflüchtete, ließ angeblich fair Masken in Europa produzieren und verkaufte sie zum angeblichen Selbstkostenpreis. Doch nun ist das Image des Saubermanns durch die Recherchen von Jan Böhmermann und dessen Team von „ZDF Magazin Royale“ schwer beschädigt.

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Die Masken wurden wohl in Bangladesch und Vietnam gefertigt, eine hohe Gewinnmarge erzielt, nicht taugliche Masken an Geflüchtete gegeben und Organisationen wussten nichts von Spenden, die Kliemann für sie sammelte. Auch wenn sein Name drauf stand – er beteuerte inzwischen, von vielen Dingen nichts gewusst zu haben. Doch wie glaubwürdig ist Kliemann?

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Vom Webdesigner zum Youtube-Star und Heimwerkerkönig

Fynn Kliemann wurde am 1. Mai 1988 in Zeven in Niedersachsen geboren, wuchs in Heeslingen zwischen Hamburg und Bremen mit zwei Brüdern und einigen Pflegegeschwistern auf. Nach dem Schulabschluss ließ er sich in Bremen zum Mediengestalter ausbilden und startete zusammen mit einem Kollegen die Webdesign-Agentur Herrlich Media.

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Schon damals hatte er seinen ersten Youtube-Kanal, die ältesten Videos datieren auf 2011. Er zeigte sich selbst beim Heimwerken, setzte dabei vor allem darauf, dass besonders viel schiefgeht und das Publikum etwas zu lachen hat. Die Videos aus der Anfangszeit haben heute 180.000 bis 200.000 Aufrufe, doch mit den Jahren wurde Fynn Kliemann zum Youtube-Superstar. Bis zu 3 Millionen Menschen schauten sich einzelne Videos an, 600.000 folgen alleine einem seiner drei Kanäle, den er mit seinem eigenen Namen vertreibt.

Kliemannsland: Fynn Kliemann schafft sich sein eigenes Reich

2016 gelang der Durchbruch, als er einen alten Bauernhof mit Pferdestall in Rüspel kaufte, nur wenige Kilometer von seinem Wohnort entfernt. Kliemannsland nannte er das Areal, das er mit den Jahren zu einer Art Freizeitpark umgestaltete – mit Videobegleitung sowohl vom NDR als auch von Kliemann selbst.

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Heute gibt es im Kliemannsland einen selbstgebauten Skatepark, ein Karussell aus alten Fahrrädern, eine Achterbahn, einen Teich mit Wasserrutsche und Wakeboardanlage, einen Gemüsegarten, ein Raum, der als Kneipe, Disco und Café dient, und jede Menge Kreativarbeitsplätze und Seminarräume. Fans konnten über Jahre dabei zusehen, wie aus dem alten Reiterhof das Kliemannsland entstand – und sie waren immer eingeladen, vorbeizukommen.

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Viel Lob für Kliemannsland – Kritik am Geschäftsmodell

Das Projekt an sich fand viel Zustimmung, wohlgleich nicht unbedingt die Bedingungen, unter denen Menschen dort arbeiteten. So wurden ausgebildete Handwerker gesucht, die gegen Kost und Logis quasi einen Vollzeitjob auf dem Hof erledigten – aber ohne Lohn. Über das Programm Fynnder wurden die Ehrenamtlichen gesucht, die beim Ausbau mithalfen.

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Zeitgleich gründete Kliemann mit einem Freund das Modelabel „Oderso.cool“, das nach eigenen Angaben nachhaltige und fair produzierte Mode wie Hoodies herausgab – und das sechs Jahre später im Fokus der Maskenaffäre stehen sollte. Es gab einen eigenen Onlineshop, aber auch Kooperationen mit Mode-Versandhändlern wie „About You“.

Fynn Kliemann: Nach Kliemannsland kommt die Musik-Karriere

Obwohl Fynn Kliemann zu diesem Zeitpunkt auch noch zwei Tage die Woche in seiner Werbeagentur arbeitete, startete er parallel eine Karriere als Musiker. Schon auf seinem Youtube-Kanal „Fimbim“, später Fynn Kliemann Musik, hatte er seine Fans mit Musik versorgt. Er gründete mit einem Kollegen das Label Two Finger Records und nahm 2018 seinen ersten Song „Morgen“ auf. Platz 1 in den Deutschen Albumcharts und eine Goldene Schallplatte folgten.

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Die Do-it-yourself-Projekte ruhten nicht – auch außerhalb von Kliemannsland. Mit dem Musiker Olli Schulz kaufte er nach dem Tod von Gunter Gabriel dessen Hausboot und baute es zu einem Fernseh- und Musikstudio um. Begleitet wurden die beiden von einem Kamerateam, seit 2021 ist „Das Hausboot“ auf Netflix zu sehen.

Fynn Kliemann in der Tourismusbranche

2020 begann Kliemann, verfallene und sanierungsbedürftige Immobilien zu kaufen, um sie mit einem Team aus Handwerkern zu Ferienwohnungen umzugestalten. Beworben wird das Projekt namens „Lass dir gut gehen“ (LDGG) mit den Begriffen fair und nachhaltig. Zugleich sollte es sozial sein: Die Unterkünfte würden zum niedrigst möglichen Preis vermietet, heißt es auf der Seite, alles, was Menschen darüber hinaus geben würden, fließe in einen Topf für Menschen, die sich keinen Urlaub leisten könnten.

Fynn Kliemann war nun in nahezu allen Bereichen unterwegs, er hatte neben all seinen Projekten auch in Filmen mitgespielt, eine Dokumentation gedreht und genoss ein Image als Vorbild und als netter Kerl von nebenan, der seit Schulzeiten mit seiner Freundin Franzi zusammen ist und insgesamt ziemlich sozial und ziemlich auf dem Boden geblieben wirkte. Seine Fans pilgerten nach Kliemannsland und arbeiteten mit – und sie kauften seine Produkte, egal, was er auf den Markt brachte.

Fynn Kliemann: Das Image des netten Kerls von nebenan

Er arbeitete über Jahre mit der Wohltätigkeitsagentur Viva Con Agua zusammen, organisierte Spendentreffen. Und als die Corona-Pandemie im Frühjahr 2020 begann, ließ er sich als Wohltäter feiern: Sein Modelabel stellte plötzlich Masken her, angeblich in Portugal und Serbien fair gefertigt. Eine Maske kostete weniger als ein Euro – an einer Krise, sagte Kliemann nach außen, bereichere man sich nicht, er würde nichts damit verdienen. Seine Masken waren gefragt, verkauften sich millionenfach.

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Doch nun kommt heraus: Die Masken wurden offenbar in Bangladesch und Vietnam gefertigt, zumindest zu großen Teilen, die Gewinnmarge war hoch, Kliemann räumte inzwischen ein, fast eine halbe Million Euro mit den Maskendeals verdient zu haben. Oder wie Kliemann in einer WhatsApp an einen Kollegen schrieb: „Krise kann auch geil sein.“

Fynn Kliemann und sein Netzwerk an Firmen

Fynn Kliemann unterhält ein riesiges Netz an Firmen. Aber er arbeitete auch nirgendwo alleine, immer ist er Teilhaber oder einer der Geschäftsführer, immer hat er andere Menschen an seiner Seite. Das ist nun auch seine Erklärung. In einem Video las er eine Stellungnahme vor, dem „Spiegel“ gab er ein Interview. Der Tenor: Er habe wohl von den Produktionsstätten und -bedingungen in Asien gewusst, aber die Masken seien nicht in seinem Shop vertrieben worden, sondern im Onlineshop von „About You“. Sein Fehler sei es, dass er den falschen Leuten vertraut habe und nicht eingeschritten sei, als mit seinem Namen geworben wurde. Nur die Lüge um den Gewinn räumte er ein.

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Fynn Kliemann verliert trotz Entschuldigung seine Glaubwürdigkeit

Doch auch diese Aussagen dürften Kliemann wenig helfen – denn sie sind nicht glaubwürdig. Von vielen Seiten wird er widerlegt, Böhmermanns Team schaltete eine eigene Website, LMAAFK.de (Leck mich am Arsch, Fynn Kliemann), auf der Chats, Sprachnachrichten, Mails, Lieferscheine und andere Dokumente hochgeladen wurden, die belegen, dass Kliemann mehr wusste, als er nun scheibchenweise zugibt. „About You“ hat die Produkte von „Oderso.cool“ aus dem Sortiment genommen und mitgeteilt, man habe nicht gewusst, dass die Masken außerhalb Europas gefertigt wurden. Die Tafeln haben die Zusammenarbeit beendet und Viva con Agua sowie der FC St. Pauli überprüfen ihre Kooperationen mit Kliemann.

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Der einstige Saubermann, der nette Kerl von nebenan, der soziale Wohltäter und Alleskönner – er hat sein wichtigstes Kapital verloren: seine Glaubwürdigkeit.

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