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Sexuelle Belästigung: Weitere Frauen beschuldigen Opernstar

  • Nach ersten Vorwürfen sexueller Belästigung: Elf weitere Frauen melden sich im Fall des Opernstars Domingo.
  • Sie seien begrapscht und belästigt worden, werfen sie ihm vor.
  • Eine Sprecherin Domingos bezeichnet die Vorwürfe als "durchsetzt mit Widersprüchlichkeiten".
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New York. Für Angela Turner Wilson hätte die Aufführung von Jules Massanets „Le Cid“ an der Oper in Washington in der Spielzeit 1999/2000 der große Durchbruch werden sollen. Die damals 28-Jährige sang die zweite weibliche Hauptrolle und wurde von Kritikern für ihre Darbietung gelobt. Ihr gegenüber auf der Bühne hatte sie zudem einen absoluten Weltstar, Plácido Domingo, der damals auch künstlerischer Direktor an der Oper war.

Doch an einem Abend vor einer Vorstellung habe sich Domingo hinter sie gestellt, ihr die Hände auf die Schultern gelegt und diese dann plötzlich unter ihren BH rutschen lassen und zugedrückt, sagte sie der Nachrichtenagentur AP. „Es tat weh. Es war nicht zärtlich. Er hat mich richtig hart begrapscht.“

20 Frauen werfen Plácido Domingo sexuelle Belästigung vor

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Vor mehreren Wochen waren bereits neun Frauen mit Vorwürfen sexueller Belästigung gegen Domingo an die Öffentlichkeit gegangen. Wilson ist nun eine von elf weiteren, die nach den Berichten der Nachrichtenagentur AP darüber ebenfalls solche Anschuldigungen erhoben. Sie werfen dem seit langem verheirateten Startenor vor, sie begrapscht, belästigt oder sich unangemessen verhalten zu haben.

Eine Sprecherin von Domingo, Nancy Seltzer, wies die Vorwürfe in einer Stellungnahme zurück und beschuldigte die AP, eine Kampagne gegen Domingo zu führen. „Diese neuen Behauptungen sind mit Widersprüchlichkeiten durchsetzt, und, wie auch schon bei der ersten Geschichte, in vielfacher Hinsicht unkorrekt“. Weil es eine laufende Ermittlung in dem Fall gebe, wolle sie nicht weiter in Einzelheiten gehen, sagte Seltzer.

Kontakt sei laut Domingo von den Frauen gewollt gewesen

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Außer Wilson wollte keine der elf neu an die Öffentlichkeit getretenen Frauen ihren Namen nennen, aus Sorge um ihre Karriere. Die Angst, Domingo zu verärgern und sich damit jegliche Chancen in der Branche zu verbauen, war nach Angaben der Frauen auch meist der Grund dafür, warum sie sich nicht vorher zu Wort gemeldet hatten. Wilson sagte der AP, sie selbst habe sich dazu entschieden, nachdem Domingo, derzeit Generaldirektor der Oper von Los Angeles, nach den ersten Vorwürfen behauptet habe, jegliche Avancen von seiner Seite seien immer auch von den Frauen gewollt worden.

„Welche Frau würde jemals wollen, dass er ihr so an die Brust fasst“, sagte Wilson der AP. „Und danach musste ich auf die Bühne und so tun, als wäre ich in ihn verliebt.“

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Angestellte versuchten, Frauen vor Startenor zu schützen

Die Vorwürfe der Frauen wurden auch von Bühnenangestellten untermauert. Mehrere sagten der AP, sie hätten immer wieder versucht, junge Frauen von Domingo fernzuhalten, um sie zu schützen. In der Oper von Los Angeles sei das Verhalten des heute 78-Jährigen ein offenes Geheimnis gewesen, bestätigten mehrere Personen, die dort in der Kostümabteilung tätig waren. Und die Vorwürfe liegen nicht alle weit zurück. Eine Person sagte, sie habe auch noch in der Spielzeit 2016/2017 keine Frauen zu Kostümproben in einen Raum mit Domingo geschickt. Domingo habe sich den Frauen dabei immer wieder unangenehm genähert, sie umarmt oder versucht, sie zu küssen.

Der Bariton Robert Gardner sagte, er sei überrascht, dass die Vorwürfe gegen Domingo nicht früher publik geworden seien, „angesichts seines Rufs in der Branche“. Er selbst habe gesehen, wie der Startenor die Mezzosopranistin Patricia Wulf bedrängt habe, die in der ursprünglichen Geschichte der AP als Einzige mit ihrem Namen an die Öffentlichkeit gegangen war. „Sie hat offenkundig versucht, ihm aus dem Weg zu gehen“, sagte Gardner zu den Zwischenfällen an der Oper von Washington im Jahr 1998.

Domingo lauerte den Frauen auf

Wulf berichtete, Domingo habe ihr nach jedem Auftritt aufgelauert. Er sei dann so nah wie möglich an sie herangetreten und habe mit tiefer Stimme gefragt, „Patricia, musst Du heute Abend nach Hause gehen?“ Sie habe ihn regelmäßig abgewiesen, aber Domingo habe unverdrossen weiter gemacht. Das sei so weit gegangen, dass sie sich hinter einer Säule oder in der Garderobe vor ihm versteckt und gewartet habe, bis er endlich fort war.

Ähnlich schildert auch Wilson ihre Zeit mit Domingo. Er habe sie immer wieder eingeladen, bei ihm zu Hause über eine Rolle zu sprechen oder Abendessen zu gehen. Jedes Mal habe sie Nein gesagt, sagt die damals verheiratete Wilson. Einmal sei er, ohne zu klopfen, in ihre Garderobe gekommen und habe gesagt: „Ich brauche einen Kuss. Das ist eine fordernde Rolle.“ Er habe die Tür zugeschlagen und ihr den Weg versperrt und habe sich nicht abbringen lassen. Erst als sie ihm einen Kuss auf die Wange angeboten habe, sei er gegangen, sagt Wilson. Danach habe sie immer ihre Garderobentür abgesperrt.

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Wilson stellte der AP ihre Tagebücher von damals zur Verfügung. Darin schrieb sie unter anderem: „Er baggert mich dauernd an. Bitte mach, dass es nicht noch schlimmer wird.“

In der nächsten Spielzeit habe Domingo sie dann ignoriert, sagt Wilson. Sie hatte noch drei Rollen an der Oper und wurde sogar mit dem Preis als Künstlerin des Jahres ausgezeichnet. Dennoch engagierte die Oper von Washington sie nie wieder. Der Grund ist für sie klar.

RND/AP/mat

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