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Vergewaltigung oder Einvernehmen? Vergangenheit holt Gérard Depardieu ein

  • Der Schauspieler Gérard Depardieu ist der Vergewaltigung beschuldigt, ein Verfahren gegen ihn wurde – wie jetzt bekannt wurde – bereits im Dezember eingeleitet.
  • 2018 soll er eine junge Frau in seiner Pariser Stadtwohnung mehrfach missbraucht haben.
  • Depardieu dementiert, aber frühere Aussagen zu sexueller Gewalt dürften den Weltstar zusätzlich belasten.
Lisa Louis
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Paris. Seit Dienstag wird die Pariser Staatsanwaltschaft mit Anfragen von Journalisten aus aller Welt bestürmt. „Ich bestätige, dass wir am 16. Dezember 2020 ein Verfahren gegen Monsieur Depardieu eingeleitet haben wegen der Anklagepunkte der Vergewaltigung und der sexuellen Nötigung“, hat der zuständige Staatsanwalt als Antwort vorformuliert. „Ihm gegenüber wurden keine freiheitsentziehenden Maßnahmen verhängt.“ Wie schon zuvor andere Größen der französischen Kinowelt holt die #MeToo-Bewegung nun auch Gérard Depardieu ein. Er bestreitet die Vorwürfe.

Die Vorfälle trugen sich angeblich im Sommer 2018 zu

Die Vorfälle, um die es geht, trugen sich angeblich im August 2018 zu. Eine junge Frau um die zwanzig hatte sich von Depardieu Hilfe für ihre Schauspielkarriere erhofft, so berichten französische Medien. Am 7. August habe der Filmstar sie in sein Stadthaus im Pariser Zentrum eingeladen. Dort habe er ihr in seinem Wohnzimmer mit den Fingern sexuelle Gewalt angetan – eine Szene, die laut Tageszeitung „Le Parisien“ von einer Überwachungskamera aufgenommen wurde.

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Danach seien die beiden nach oben in sein Schlafzimmer gegangen, wo sich eine weitere Vergewaltigung zugetragen habe. Etwa eine Woche später habe sich dann angeblich eine weitere Vergewaltigung im Haus des Schauspielers ereignet. Die junge Frau sei dorthin zurückgekehrt, da sie unter Schock gestanden und die Vorfälle verdrängt habe, sagt sie heute.

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Wenige Wochen später ging sie dann zur Polizei – eine vorläufige Untersuchung wurde jedoch zunächst eingestellt. Im vergangenen Jahr hatte ein Richter die Untersuchung wieder aufgenommen, was – wie jetzt bekannt wurde – zu einem offiziellen Verfahren gegen Depardieu führte. Der Schauspieler entgegnet, die junge Frau sei einverstanden gewesen. „Mein Mandant weist die Anklagepunkte von sich“, teilte Depardieus Anwalt Hervé Temime der französischen Presse mit. Und: „Die Unschuldsvermutung wird erneut mit Füßen getreten.“

In den frühen Siebzigerjahren ging Depardieus Stern auf

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Depardieu gehört zu Frankreichs bekanntesten Schauspielern. Erste internationale Aufmerksamkeit erlangte er 1972 mit dem Kriminalfilm „Der Killer und der Kommissar“ neben Jean Gabin und Uschi Glas. In den Siebzigerjahren stieg sein Stern im europäischen Kino auf. In den Achtzigerjahren spielte er in Filmklassikern wie „Danton“ (1983) oder „Camille Claudel“ (1988). Endgültig zum Weltstar wurde er 1990 durch das Historiendrama „Cyrano de Bergerac“, dem Hollywoodhits wie die Komödie „Green Card“ (1990) und „1492″ (1992) folgten.

Der heute 72-jährige Depardieu, der derzeit in der Rolle von Georges Simenons Kultkommissar Maigret vor der Kamera steht, hat im Lauf seiner Karriere zahlreiche Auszeichnungen bekommen, jedoch bisher keinen Oscar. Für den begehrten Academy Award als bester Hauptdarsteller war er allerdings mit seiner Rolle des heimlich liebenden Dichters und Degenkämpfers Cyrano nominiert.

Depardieus erschreckende Interviewaussagen zum Thema sexuelle Gewalt

Er verspielte sich seine Chancen aber wohl mit einem Interview, das er Anfang 1991 dem „Time“-Magazin gab. Darin äußerte er, dass er mit neun Jahren Vergewaltigungen beigewohnt hatte – „was nichts Schlimmes damals war. Das bringt mich zum Lachen – es war Teil meiner Kindheit“, so Depardieu.

Ähnliche Aussagen hatte er schon in einem Interview zwölf Jahre zuvor gegenüber dem New Yorker Magazin „Film Comment“ gemacht. Jenes Interview war größtenteils unbemerkt geblieben, bis die „Time“-Journalistin sich darauf bezog. Depardieu hatte darin auch gesagt, dass „die Mädchen vergewaltigt werden wollten“. Und dass Mädchen sich immer in eine Situation begäben, in der sie auch sein wollten. Der Gewaltakt sei also nicht vom Täter begangen, sondern vom Opfer, das diesen zuließe.

Das waren Aussagen, die in den USA 1991 für einen Aufschrei sorgten – gerade auch, weil Depardieu alles andere als Reue zeigte. Französische Politiker bezeichneten die Medienreaktionen hingegen als „Schlag unter die Gürtellinie“ und „schändliche Verleumdung“.

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Depardieus Aussagen von damals sollten jedoch für seine Verteidigung heute wenig hilfreich sein. Der Schauspieler ist eine von mehreren Größen aus Frankreichs Kinoszene, die man jüngst der Vergewaltigung beschuldigt hat. Ähnliches wirft man Regisseur Luc Besson („Léon: Der Profi“, „Das fünfte Element“) und dem Präsidenten des nationalen Filmförderungsinstituts CNC Dominique Boutonnat vor.

Auf Vergewaltigung steht in Frankreich eine Gefängnisstrafe von bis zu 15 Jahren, in besonderen Fällen von bis zu 20 Jahren.

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