Sophia Thiel: Das steckte hinter ihrer Auszeit

  • Fast zwei Jahre war Fitness-Influencerin Sophia Thiel abgetaucht, meldete sich nicht bei ihren Fans.
  • Am Sonntag stellte sie ein Video online und erklärt ihre Auszeit.
  • Sie berichtet von einem schwarzen Loch, Überforderung und Leere.
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Fast zwei Jahre war Fitness-Influencerin Sophia Thiel untergetaucht – meldete sich nicht mehr bei ihren Fans auf Instagram und Co., die sie sonst immer auf dem Laufenden hielt. Vor drei Tagen die erste Nachricht: ein leerer Akku, es folgte ein halb voller und am Samstag ein voller Akku. Am Sonntagmorgen zeigte sich die 25-Jährige erstmals seit Mai 2019 wieder: in einem Youtube-Video.

Sophia Thiel erzählt 25 Minuten lang von ihrer ungewollten Auszeit. Es sei ihr alles zu viel geworden, „ich konnte schlecht Nein sagen“, berichtet sie, „ich kannte meine eigenen Grenzen nicht.“ Sie wollte ihren Körper durch vier Stunden Sport täglich und eine strenge Diät zu Bestleistungen antreiben, weil ihr Selbstwertgefühl so schlecht gewesen sei. Doch ihr Körper machte nicht mehr mit. Am Abend vor der Fitnessmesse „Fibo“, für die sie so hart trainierte, sei sie zusammengebrochen: „Ich saß heulend und aufgelöst in der Hotellobby. Ich hatte die Kontrolle über alles verloren.“

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Sophia Thiel: „Ich war einfach nur lost, ratlos“

Es sei eine schwere, aber die richtige Entscheidung gewesen: Sie meldete sich von den sozialen Medien ab und sagte alle Termine ab. „Ich war einfach nur lost, ratlos. Da war nur noch Leere und Taubheit, es fühlte sich an, als hätte ich mich aufgelöst“, sagt sie.

Sophia Thiel entschied sich zu einem Neuanfang in Los Angeles. Zum ersten Mal reiste sie alleine, sie dachte, bei Strand, Sonne und Fitnessstudios gebe es keinen besseren Ort, um die Motivation wiederzufinden: „In Los Angeles angekommen, dachte ich, ich habe im Beruf versagt, ich habe die Community im Stich gelassen, habe Leute enttäuscht, verärgert.“

Sophia Thiel über ihre Auszeit in LA: „Ich vegetierte vor mich hin“

Es folgte: das Gegenteil ihres bisherigen Lebens, das von Ernährungsplänen, Trainingseinheiten und Social Media bestimmt wurde. „Ich habe gegessen, worauf ich Lust hatte. Ich habe keinen Sport gemacht. Ich habe in den Tag hineingelebt. Ich vegetierte vor mich hin. Ich war an einem der schönsten Orte und mir ging es noch viel schlechter als in Deutschland“, sagt sie in dem Video und bezeichnete die ersten beiden Monate in den USA als „die dunkelste Zeit“.

Den letzten Monat fand sie ihre Energie wieder, traf Freunde, begann mit leichtem Training und bewusster Ernährung. Doch zurück in Deutschland verfiel sie in alte Muster. Sie wollte wieder das Fitnessvorbild sein, sie trainierte wieder viel und wog Mahlzeiten ab: „Ich dachte, ich muss mit Härte gegen mich vorgehen, weil mein Körper ein Arschloch ist.“ Sie habe gedacht, dass sie wieder online gehen könnte, wenn sie erst einmal wieder ein Sixpack habe. Doch stattdessen folgte der Rückschlag. „Ich entwickelte einen Hass auf mich selbst, ich war permanent sauer auf mich. Es ist völlig aus dem Ruder gelaufen“, sagt sie heute über die letzten Monate des Jahres 2019.

Corona-Pandemie: Innerliches Chaos und ein heftiger Rückfall

Als sie wieder angefangen hatte zu trainieren, machten die Fitnessstudios im Frühjahr 2020 durch Corona zu. „Das gehörte zu meinem Sicherheitssystem, es musste alles funktionieren. Wenn ein Plan umgeworfen wurde, war das innerlich Chaos bei mir.“ Sie habe einen heftigen Rückfall gehabt. Sie plante ihr Comeback und war doch unzufrieden mit sich. „Wir haben ein Video gedreht und als ich das Material gesehen habe, kam alles hoch von früher. Wie schaust du denn aus? Kommentare waren in meinem Kopf“, sagt sie. „Das bin ich nicht, ich erkenne mich nicht wieder, das kann ich nicht hochladen.“

Es war diese Zeit im Frühsommer 2020, als es Klick machte und sie ihr Schwarz-Weiß-Denken habe ablegen können. Sie änderte Sport- und Ernährungspläne. „Ich habe wieder einen Draht zu mir selbst, ich spüre mich wieder“, sagt sie. Ihr Gewicht, ihr Fett- und Muskelanteil bestimmten nicht mehr ihr Leben. Offenbar hat daran aber auch eine neue Person in ihrem Leben einen großen Anteil, wie Sophia Thiel andeutet. „Da ist jemand Neues in meinem Leben. Ich war im Lockdown nicht alleine“, sagt sie. Mehr wolle sie in den kommenden Tagen in den sozialen Medien erzählen.

Influencerin Sophia Thiel von Selbstzweifeln geplagt

„Ich habe mir immer gedacht, ich kann nicht zurückkommen, wenn ich nicht so und so aussehe. Ich habe mir Fitness ausgesucht und ich liebe Fitness. Aber das Äußere war so stark im Vordergrund, ich dachte, wenn ich keine Leistung bringe, bin ich nicht liebenswert.“ Je mehr sie verkrampfte, desto entfernter waren ihre Ziele.

„Manchmal war die Scheiße am Dampfen, aber ich wollte es nicht zeigen. Weil, ich wollte ja zeigen, dass Fitness toll ist, dass gesunde Ernährung toll ist“, sagt sie. Nun soll Schluss sein mit der Fantasiewelt. Ihren Fans gefällt es: Sophia Thiel hat bereits nach wenigen Stunden Tausende Kommentare bekommen. Viele Fans loben sie für ihre Offenheit – und finden „ihre Sophia“ authentisch am besten.

RND/msk

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